Gesundheit : Mehr Kranke im Osten

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Starke regionale Unterschiede bei Gesundheit. Studie zeigt enormen Anstieg der psychischen Krankheiten.

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10. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Gesundes Baden-Württemberg, krankes Mecklenburg-Vorpommern? Die jüngsten Daten aus dem Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) zeigen ein deutliches Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle bei der Gesundheit. In Baden-Württemberg waren die BKK-Mitglieder im Jahr 2013 mit 15,4 Tagen weitaus weniger lange krankgeschrieben als im Bundesschnitt (17,8 Tage). Auch in Bayern waren die Fehlzeiten mit durchschnittlich 16,1 Tagen vergleichsweise gering. Wer in Brandenburg bei einer Betriebskrankenkasse versichert war, hatte dagegen 42 Prozent mehr Krankheitstage als im Südwesten der Republik. Insgesamt waren die BKK-Mitglieder im Jahr 2013 17,6 Tage krankgeschrieben. „Wir haben schon sieben Jahre hintereinander einen steigenden Trend“, sagte der BKK-Vorstand Franz Knieps. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 fehlten die BKK-Mitglieder im Schnitt nur 12,4 Tage.


Modediagnose Burnout?


Die BKK hat für den Gesundheitsreport die Daten ihrer 9,3 Millionen Versicherten analysiert. Die Kasse führt die Unterschiede unter anderem auf die Altersstruktur ihrer Versicherten zurück, die im Osten und Norden der Republik im Schnitt mehrere Jahre älter sind als im Süden. Auch die soziale Lage spielt eine Rolle. So sind in den Städten Nordrhein-Westfalens die BKK-Mitglieder überdurchschnittlich häufig und lange krank, während die Krankheitstage in den ländlich geprägten Gegenden eher geringer sind als im deutschen Schnitt. Auch in den nordbayerischen Kreisen fehlen die Mitglieder deutlich häufiger bei der Arbeit als im Süden des Bundeslandes. Innerhalb Niedersachsens sind die Küstenbewohner seltener krankgeschrieben.

Am häufigsten waren die BKK-Mitglieder im Jahr 2013 wegen Muskel- und Skeletterkrankungen krankgeschrieben, auf die ein Viertel aller Fehltage entfielen. Auf Platz zwei standen Krankheiten der Atemwege, was mit einer Grippe- und Erkältungswelle Anfang 2013 zusammenhängt. Stark zugenommen haben die psychischen Krankheiten, bei denen die Krankheitszeiten fünfmal so hoch waren wie im Jahr 1976. Wer psychisch krank ist, fehlt mit durchschnittlich 40 Tagen auch sehr lange und sogar im Schnitt vier Tage mehr als Patienten mit Tumorleiden. Modediagnose Burnout? Erstmals zeichnet sich hier ein Rückgang der Fehltage ab – möglicherweise auch dadurch, dass die Ärzte stattdessen nun häufiger psychische Störungen feststellen.


Postboten haben oft Rücken


Anders als bei den übrigen Krankheiten kehrt sich bei Depressionen allerdings die geografische Verteilung fast völlig um. Vor allem in Bayern, aber auch in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Teilen Niedersachsens waren die BKK-Mitglieder häufiger wegen Psycho-Leiden krankgeschrieben als im Bundesschnitt. Im Osten dagegen erscheint das psychische Befinden auf den ersten Blick wesentlich robuster. „Wir können es selbst nicht recht erklären“, sagte Professor Holger Pfaff von der Universität Köln, der die Studie erstellt hat. Möglich ist auch ein Zusammenhang mit der Therapeutendichte. „Angebot und Nachfrage klaffen im Osten auseinander.“

Unstrittig ist, dass der Beruf einen starken Einfluss auf die Krankheit hat. Postboten und Müllleute sind überdurchschnittlich häufig wegen Rückenschmerzen oder anderer Muskel- und Skeletterkrankungen krank. An psychischen Störungen erkranken Beschäftigte im Sozialwesen dreimal so häufig wie Landwirte oder Förster. Arbeitslose sind fast durchgängig kränker als die übrigen BKK-Mitglieder – das gilt auch für die ansonsten eher „gesunden“ Länder Bayern und Baden-Württemberg.

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