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Binnenfischer in MV : Mehr in Aquakultur investieren

vom
Aus der Onlineredaktion

Nährstoffarme Seen, Naturschutzauflagen und die Kormorane erschweren Binnenfischern das Leben

Mecklenburg-Vorpommerns Binnenfischerei hat sich nach Angaben der Landesregierung stabil entwickelt, sollte aber mehr auf Aquakulturanlagen setzen. Solche Investitionen sollen auch bei der anstehenden Neuverpachtung der Landesgewässer berücksichtigt werden, wie der Abteilungsleiter Fischerei im Schweriner Agrarministerium, Dirk Freitag, auf der Jahrestagung des Landesverbandes der Binnenfischer gestern in Waren sagte. In Deutschland würden mit 121 000 Tonnen immer noch zu viel Süßwasserfisch importiert, vor allem aus Asien.

Dazu gehörten 51 000 Tonnen Regenbogenforellen und 30 000 Tonnen Pangasius. „Touristen erwarten bei uns frisch gefangenen Fisch“, sagte Freitag. Und regionale Produkte seien auch Imagewerbung für ein Tourismusland.

Im Nordosten bewirtschaften laut Agrarministerium knapp 50 Fischereien mit 280 Beschäftigten 65 000 Hektar Gewässer im Binnenland. Das Land ist mit 45 000 Hektar Gewässerfläche der größte Verpächter im Nordosten. Pro Jahr werden rund 570 Tonnen Süßwasserfisch an Land gezogen, etwa 20 Prozent des gesamten Fangs aus deutschen Süßwassergebieten. Das ist laut Ministerium deutlich zu wenig, um den Bedarf zu decken.

Der Präsident des Binnenfischer-Landesverbandes, Ulrich Paetsch, hatte zuvor gesagt, moderne Kreislaufanlagen seien zu teuer für die meist kleineren Fischereien. Gemeinsam mit der Forschung sollten kleinere und effektivere Aquakultur-Anlagen entwickelt werden.

Nach Angaben von Paetsch wird die Neuverpachtung für die Branche bis 2021 existenziell sein und sollte so schnell als möglich in Angriff genommen werden. Die Gewässer würden durch moderne Kläranlagen zwar immer sauberer, aber auch nährstoffärmer, wodurch die Fangmengen sinken. „Es ist noch nicht so schlimm wie am Bodensee, wo man schon wieder über Phosphordüngung nachdenkt, um wieder mehr Fisch zu bekommen“, sagte Paetsch. Aber der Trend sei vergleichbar. Das Land verlangt bisher im Schnitt jährlich 8,55 Euro pro Hektar. Paetsch forderte, die Pacht den Erträgen anzupassen und Betrieben, die von jüngeren Fischern übernommen werden, die verpachteten Flächen langfristig zu überlassen. Sie sollen die Landesgewässer weitere 18 Jahre  bewirtschaften dürfen.

Die Fischer forderten erneut, dass wirksamer in die wachsende Population der EU-weit geschützten Kormorane eingegriffen wird. Im Nordosten   gibt es mehr als 15 000 Brutpaare. „Damit ist die fischwirtschaftliche Belastungsgrenze erreicht“, sagte Freitag.

Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) hatte 2016 versprochen, die Zahl der Brutpaare um jährlich 1000 zu senken. Das sei aber nicht erfolgt, sagte Paetsch. Der „erhaltenswerte Bestand bei Kormoranen“ sei früher mit 1300 Brutpaaren angegeben worden. Der Frust unter den Fischern sei groß.

 

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