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Neubrandenburg : Mehr Hilfe für Flüchtlingsfrauen gefordert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Jahre nach dem großen Flüchtlingszuzug haben viele geflüchtete Frauen im Nordosten erkannt, dass sie sich nicht alles von ihren Männern gefallen lassen müssen.

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Geflüchtete Frauen fordern nach Angaben des Landesflüchtlingsrates Mecklenburg-Vorpommern immer häufiger ihre Rechte ein. Das erklärte die Vorsitzende des Gremiums, Ulrike Seemann-Katz, gestern in Neubrandenburg. Wenn es Probleme mit Männern gebe, gingen Betroffene viel häufiger in Frauenhäuser. Inzwischen seien 30 Prozent aller Bewohnerinnen in Frauenhäusern Geflüchtete.

„Diese Frauen sehen, wie wir leben und lassen sich bestimmte Sachen einfach nicht mehr gefallen“, erklärte Katrin Schmuhl als Gleichstellungsbeauftragte im Kreis Vorpommern-Rügen.

Der Flüchtlingsrat stellte zudem einen Forderungskatalog vor, in dem deutlich größere Anstrengungen und finanzielle Hilfe für geflüchtete und von Gewalt betroffene Frauen, Kinder und andere Schutzbedürftige verlangt werden. „Wir brauchen kleinere Gemeinschaftsunterkünfte und mehr geschultes sozialpädagogisches Personal“, forderte Seemann-Katz. Die Zeit, als angesichts des Flüchtlingsstroms andere Dinge wichtiger waren, sei vorbei. „Die Mittel für die Flüchtlings- und Beratungsnetzwerke sind seit 15 Jahren nicht erhöht worden“, erläuterte die Expertin. Die Vorsitzende schilderte den Fall eines achtjährigen Jungen aus Somalia, der wegen schwerer Gesundheitsprobleme mehrfach in eine Klinik musste. Er bräuchte dringend eine Herzoperation. Aber das scheitere daran, dass bei Asylbewerbern nur akute Erkrankungen bezahlt würden, diese in diesem Fall nötige Behandlung aber nicht.

Den Forderungskatalog des Flüchtlingsrats unterstützen auch die Liga der Wohlfahrtsverbände, die Frauen in der Polizeigewerkschaft und etliche weitere Sozial- und Opferhilfsverbände. Sie wollen deutlich mehr fachlich geschulte Dolmetscher, vier statt bisher nur ein psychosoziales Betreuungszentrum im Nordosten und mehr Schutzräume in Gemeinschaftsunterkünften.

Auch die Betreuung der Täter sei unterfinanziert. Dabei würde sich mehr Engagement bei der Vorsorge auch auszahlen. „Dann hätten wir vielleicht weniger Fälle von Gewalt hinterher“, sagte Seemann-Katz.

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