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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 04:01 Uhr

Bunruhigender Trend : Mehr Handys als Kinder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt blickt in Deutschlands Zukunft – ganz ohne Glaskugel und Kaffeesatz

svz.de von
erstellt am 02.Okt.2015 | 06:30 Uhr

„In nur 20 Jahren wird Deutschland die älteste Bevölkerung der Welt haben“, prognostiziert Prof. Dr. Ulrich Reinhardt. Der Zukunftsforscher, Jahrgang 1970, übernahm 2011 die Nachfolge von Prof. Dr. Horst Opaschowski als Wissenschaftlicher Leiter der „Stiftung für Zukunftsfragen“. Ihr Ziel ist es, nachweisbare Entwicklungstendenzen der Gesellschaft aufzuzeigen. Zu diesem Thema referierte Prof. Reinhardt mit seinem Vortrag „Was kommt? Was bleibt? Was geht?“ kürzlich in der IHK zu Schwerin, organisiert vom Verein Frauen im Management.

Bevölkerung Bis zum Jahr 2050, so Prof. Dr. Reinhardt, wird Deutschlands Bevölkerung von derzeit knapp 80 Millionen auf 70 Millionen Menschen schrumpfen. Zuletzt waren es 1950 so wenige (69 Mio). Grund dafür ist der demografische Wandel, den man nicht mehr aufhalten könne, wie Reinhardt traurig erklärt.

„Natürlich könnte man rein rechnerisch sagen, wenn alle Frauen mehr Kinder bekämen – es müssten dann durchschnittlich drei statt nur einem sein – könnte man diese Entwicklung verhindern.“ Dafür würden in Deutschland aber Frauen im gebärfähigen Alter fehlen.

Trendner
Gleichzeitig steigt statistisch gesehen unsere Lebenserwartung pro Jahr um drei Monate. Das würde für das Jahr 2050 bedeuten, dass ganze 40 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein werden. Der Anteil der unter 20-Jährigen wird bis dahin bei nur noch 15 Prozent liegen. Es wird also mehr als doppelt so viele Rentner wie Teenager geben. So werden Rentner zu Trendnern. Der Vorteil dabei: „In Zukunft wird es so sein, dass nicht mehr die Kinder Bewerbungen an Firmen schreiben müssen, sondern diese sich bei unseren Kindern bewerben.“ Da es dann „nur noch so furchtbar wenige sind“. Der demografische Wandel ist jedoch nicht der einzige, der uns bevorsteht.

Arbeit
Auch auf unser Arbeitsleben werden diese Entwicklungen Auswirkungen haben. „In Zukunft wird die Hälfte der heute Arbeitstätigen doppelt so viel verdienen und dreimal so viel leisten müssen, wie heute“, erklärt der Zukunftsforscher. Das bedeutet, ohne eine private Rentenversicherung werde man in Zukunft am Existenzminimum leben müssen.

Freizeit
Aber auch hier findet Prof. Ulrich Reinhardt wieder etwas Positives. Denn der alte Spruch „Arbeit ist das halbe Leben“ gelte bereits seit 1871 nicht mehr. Tatsächlich seien von den 8760 Stunden, die wir pro Jahr verbringen, gerade einmal 18 Prozent tatsächliche Arbeitszeit. Dagegen verbringen wir 30 Prozent der Zeit mit Schlafen und 28 Prozent mit Freizeit.

Erderwärmung
Auch die Freizeitgestaltung – vor allem im Urlaub – wird sich Reinhardt zufolge ändern müssen. „Forscher vermuten, dass in den kommenden 60 Jahren der Meeresspiegel um 60 Centimeter ansteigen wird“, erklärt Prof. Reinhardt. Das heißt Inselparadiese wie die Seychellen oder die Malediven wird es dann nicht mehr geben. „Also lieber jetzt noch hin fliegen“, empfiehlt der Experte.

Smartphones
Zwar erscheinen nicht alle aktuellen Entwicklungen als positiv, da beispielsweise „2014 mehr iPhones verkauft als Kinder geboren wurden“, doch für die Zukunft bleibt Prof. Reinhardt trotzdem optimistisch. Zwar sei die Mehrheit der Deutschen rückwärtsgewandt – würde also lieber in der Vergangenheit als der Zukunft leben – doch die junge Generation gebe ihm Grund zur Hoffnung. Sie sei es, die zukunftsorientiert ist und Leistung wieder in den Vordergrund stelle.

„Vor der Zukunft brauchen wir keine Angst haben, wir müssen uns nur für sie öffnen“, schließt Prof. Reinhardt. Denn alles wird besser. „Ist historisch bewiesen“.

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