Demo in Schwerin : Mehr Geld für Personal in Frauenhäusern

Beschäftigte aus den landesweit 32 Einrichtungen des Hilfenetzes bei häuslicher und sexualisierter Gewalt protestieren vor dem Mecklenburgischen Staatstheater für höhere Löhne und eine bessere soziale Absicherung.
Beschäftigte aus den landesweit 32 Einrichtungen des Hilfenetzes bei häuslicher und sexualisierter Gewalt protestieren vor dem Mecklenburgischen Staatstheater für höhere Löhne und eine bessere soziale Absicherung.

Die Probleme in den Frauenhäusern Mecklenburg-Vorpommerns entluden sich bei einer Demo vor dem ersten Empfang der Landesregierung zum Internationalen Frauentag.

svz.de von
05. März 2018, 20:45 Uhr

Das zusätzliche Geld des Landes für die Frauenhäuser soll für die bessere Bezahlung der Beschäftigten dort eingesetzt werden. Das hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Montag in Schwerin beim ersten Empfang der Landesregierung zum Internationalen Frauentag vorgeschlagen.

Zu Jahresbeginn sind die Zuschüsse des Landes für die neun Frauenhäuser von 700 000 auf 842 000 Euro gestiegen. Zunächst war vorgesehen, mit dem Geld eine dritte Stelle an den sechs Frauenhäusern einzurichten, die noch nicht über eine solche verfügen.

Nach Schwesigs Worten soll die Ausweitung des Personals nun in einem zweiten Schritt erfolgen. „Wir können nicht neue Stellen schaffen, ehe nicht die vorhandenen besser bezahlt werden.“ Schwesig regte einen Runden Tisch bei Frauenministerin Stefanie Drese (SPD) an, um dort gemeinsam über das weitere Vorgehen und die Bedarfe in den Frauenhäusern zu sprechen. Schwesig verwies zudem auf den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD im Bund, der Verbesserungen für die Frauenhäuser bundesweit vorsieht.

Unmittelbar vor dem Empfang im Mecklenburgischen Staatstheater hatten rund 30 Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern und Beratungsstellen demonstriert. Das Land habe seine Zuschüsse für die Gehälter seit dem Jahr 2005 nicht mehr erhöht, erklärten die Demonstrantinnen. Dadurch fehlten den 70 Mitarbeiterinnen bis zu 40 Prozent Lohn im Vergleich zum Tarif im öffentlichen Dienst.

Am Empfang der Ministerpräsidentin nahmen rund 200 Frauen teil.

Gleiche Rechte für Frauen und Männer seien ein Thema, das in den Mittelpunkt gerückt werden müsse, sagte Schwesig. In vielen Bereichen sei der Nordosten weiter als andere Teile der Bundesrepublik, etwa bei der flächendeckenden Kinderbetreuung. Noch zu verwirklichende Ziele seien die Kostenfreiheit in der Kita, ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit und eine bessere Bezahlung in der Pflege und anderen sozialen Berufen. „Warum ist uns das Heben von alten Menschen im Pflegeheim weniger wert als das Heben von Maschinen?“, fragte sie.

Der gleichstellungspolitische Sprecher der Linken im Landtag, Peter Ritter, kritisierte Schwesig wegen der Situation in den Frauenhäusern und -beratungsstellen. „Noch vor wenigen Wochen haben SPD und CDU die Forderungen meiner Fraktion für eine dringend notwendige Aufstockung der Mittel für die tarifliche Anpassung der seit 2005 eingefrorenen Gehälter der Beschäftigten im Hilfesystem abgelehnt“, sagte er. Vor Ort fehlten Fachkräfte, Stellen in den Frauenhäusern blieben monatelang unbesetzt, Hilfe für die Betroffenen könne nicht mehr gewährleistet werden. „Das ist fatal.“

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