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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 18:05 Uhr

Förderung : Mehr Geld für die Selbsthilfe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gesetz verpflichtet Krankenkassen zu höheren Zahlungen – mit ihnen können endlich gestiegene Kosten aufgefangen werden

svz.de von
erstellt am 06.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Mit 719 000 Euro ist der Kuchen der Selbsthilfeförderung im Land aktuell mehr als doppelt so groß wie noch vor einem Jahr. Ein Erfolg, den sich viele gern auf die Fahnen schreiben möchten. Doch ist er nicht in erster Linie einzelnen Krankenkassen oder Kassenverbänden zu verdanken, die aus ihren Versichertengeldern die Selbsthilfeförderung speisen. Der Gesetzgeber hat vielmehr im Präventionsgesetz festgelegt, dass alle gesetzlichen Kassen in diesem Jahr 1,05 Euro pro Versicherten und damit 64 Cent mehr als 2015 für die pauschale Förderung der gesundheitlichen Selbsthilfe zur Verfügung stellen müssen. Landesweit kommen so 610 000 Euro zusammen. Außerdem stehen 30 000 Euro Restmittel aus dem Vorjahr sowie weitere 79 000 Euro an individuellen Fördermitteln der Kassen zum Abruf bereit.

Ein Geldregen, der den acht Selbsthilfe-Kontaktstellen, 22 Landesorganisationen der Selbsthilfe und 405 Selbsthilfegruppen im Land sehr gelegen kommt. Denn die 2008 verpflichtend eingeführte Selbsthilfeförderung durch die Kassen war seitdem unverändert geblieben – die laufenden Kosten aber nicht, erklärt Sabine Klemm, die die Schweriner Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (Kiss) und zugleich die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Selbsthilfekontaktstellen leitet.

Mieten, Energie- und Portokosten seien gestiegen, zählt sie nur einige Beispiele auf. Dazu kämen in den Kontaktstellen wachsende Anforderungen in puncto Datensicherheit, die die Anschaffung neuer Hard- und Software erforderlich machten. Auch die Aufwendungen für einzelne Gruppen – zum Beispiel für Fahrten zu Fachkongressen, aber auch für die Erstellung von Informationsmaterialien – wären größer geworden. „Das ist nicht alles aus den Taschen der Gruppenmitglieder zu bestreiten“, betont Klemm.

Für die Schweriner Kiss will sie zusätzlich eine halbe Stelle für landesweite Koordinierungsaufgaben beantragen. Vorstellbar ist, dass auch andere Kontaktstellen ihr Personal aufstocken – denn die Ausstattung geht sehr weit auseinander. In Neustrelitz und Hagenow beispielsweise müsste die gesamte Arbeit jeweils von einer 20-Stunden-Kraft bewältigt werden, weiß Sabine Klemm. In Schwerin dagegen gebe es zwei Vollzeitstellen. Die unterschiedliche Besetzung habe unter anderem mit verschiedenen Trägern der einzelnen Kontaktstellen zu tun, aber auch damit, dass das Land nur fünf von acht Einrichtungen fördert. Der entsprechende Betrag – pro Kiss und Jahr 22 500 Euro – sei übrigens 2016 unverändert geblieben, so Klemm. Immerhin lägen die entsprechenden Bewilligungsbescheide schon vor, sie würden aber Jahr für Jahr neu ausgestellt.

Die LAG-Vorsitzende würde gern sehen, dass sich das ändert – im Landesrahmenvertrag zum Präventionsgesetz könnte beispielsweise festgeschrieben werden, dass das Land die Kiss künftig nicht mehr auf Projektbasis, sondern institutionell fördert. Mit diesem Vorschlag hätte sie sich auch an die einzelnen Landtagsfraktionen gewandt – außer vom SPD-Politiker Julian Barlen aber keine Antwort bekommen.

„Wenn wir langfristige finanzielle Sicherheit haben, können wir auch im ländlichen Raum dauerhafte Strukturen aufbauen“, erläutert Klemm, warum ihr dieses Anliegen so wichtig ist. Noch gebe es beispielsweise im gesamten Kreis Vorpommern-Greifswald keine Selbsthilfekontaktstelle – ausgerechnet in der Modellregion des Landes für die Neugestaltung der Beratungsstellenlandschaft.

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