Integration : Mehr Flüchtlinge finden Arbeit in MV

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Laut Arbeitsagentur wurden im letzten Jahr 910 Geflüchtete vermittelt. Viele arbeiten im Gastgewerbe.

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20. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt kommt in Mecklenburg-Vorpommern schrittweise voran. Im letzten Jahr konnten 910 Geflüchtete im Land in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt werden, teilte die Arbeitsagentur auf Anfrage unserer Redaktion mit. Das sind deutlich mehr Vermittelte als noch im Jahr zuvor, als 339 anerkannte Flüchtlinge einen Arbeitsplatz bekamen. „Die aktuellen Zahlen stimmen mich zuversichtlich, die Richtung stimmt“, sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesarbeitsagentur.

Jeder Dritte wurde ins Hotel- und Gaststättengewerbe vermittelt, wo vor allem im Küchen- und Servicebereich seit Jahren Fachkräfte gesucht werden. Jeder Siebente bekam einen Job im Gesundheitswesen und nur jeder Elfte arbeitet im verarbeitenden Gewerbe. Wie die Arbeitsagentur weiter mitteilte, sind aktuell 2860 Flüchtlinge im Land als arbeitslos gemeldet.

Weitere 2470 Schutzsuchende begannen im vergangenen Jahr Sprachkurse und Praktika. Andere nehmen bereits seit 2016 an Integrationsmaßnahmen teil. Insgesamt bekommen 8320 erwerbsfähige Flüchtlinge Leistungen von den Jobcentern im Land. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Fast zwei Drittel der Flüchtlinge ohne Beschäftigung sind jünger als 35 Jahre.

„Achillesferse bei der Arbeitsvermittlung sind nach wie vor die notwendigen Sprachkenntnisse und hier insbesondere die Schriftsprache“, sagte Frau Haupt-Koopmann. Bei Deutschkursen für Flüchtlinge der Kompetenzstufe B1 rauscht derzeit mit 51,5 Prozent die Mehrheit der Teilnehmer durch.

Der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern will Geflüchtete über ihre Rechte als Arbeitnehmer informieren und hat jetzt in Schwerin eine Beratungsstelle im bundesweiten Netzwerk „Faire Integration“ eröffnet. Es habe Fälle gegeben, in denen Löhne an Flüchtlinge nicht oder sehr spät gezahlt wurden, sagte Ulrike Seemann-Katz vom Flüchtlingsrat.

Kommentar des Autors: Arbeit ist der Schlüssel zur Integration

Angela Merkels „Wir schaffen das“ prägte die Diskussionen zur Flüchtlingskrise. Zweieinhalb Jahre nach dem legendären wie umstrittenen Zitat lässt sich zumindest sagen, man ist vorangekommen – doch ein „Geschafft“ noch lange nicht in Sicht.

Arbeit ist der Schlüssel zur Integration. Über die Frage, wie schnell Migranten aus den Bürgerkriegsländern Syrien, Afghanistan und Irak in unseren Arbeitsmarkt eingebaut werden können, herrschten von Anfang an diametral entgegengesetzte Meinungen. Optimisten wie Daimler-Chef Dieter Zetsche erhofften sich durch den Zustrom der Flüchtlinge eine Lösung des Fachkräftemangels und gar ein „neues deutsches Wirtschaftswunder“.

Dagegen prophezeien Rechtspopulisten der AfD, aber nicht nur sie, eine Zerstörung unserer sozialen Systeme, weil Schutzsuchende aus anderen Kulturen null Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hätten.

Jeder achte erwerbsfähige Flüchtling hat in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten zwei Jahren einen Job gefunden. Gemessen an den Erwartungen der Wirtschaft, dass Flüchtlinge in kürzester Zeit den Fachkräftemangel beheben, ist das ein mageres Ergebnis. Die Vorstellungen, dass viele der Geflüchteten ohne Weiteres als Arbeitnehmer mit dem deutschen Wirtschaftssystem kompatibel sind, hat sich inzwischen als falsch erwiesen.

Misst man allerdings das Ergebnis von fast 1000 vermittelten Flüchtlingen im letzten Jahr an den Mühen, die für die Integration in den Arbeitsmarkt tatsächlich notwendig sind, ist das ein Wert, der Zuversicht gibt.

Dreh- und Angelpunkt für die Arbeitsvermittlung ist die Sprache. Wenn die Hälfte der Teilnehmer eines Deutschkurses durch die Prüfung fällt, ist das problematisch. Dabei sind die Voraussetzungen fürs Lernen nicht schlecht – fast zwei Drittel der Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern sind jünger als 35 Jahre, drei von vier haben einen Schulabschluss.

Doch das Potenzial muss abgerufen werden. Die Arbeitsagentur setzt inzwischen darauf, Sprachtraining, berufliche Orientierung und Praktika in einem Programm zu kombinieren. Doch letztendlich hängt das Ergebnis vor allem auch von den Flüchtlingen selbst ab.

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