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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 04:26 Uhr

Mehr Fehltage durch psychische Leiden

vom

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erstellt am 09.Apr.2013 | 05:46 Uhr

Schwerin | Noch nie waren so viele Mecklenburger und Vorpommern wegen psychischer Leiden krankgeschrieben wie im vergangenen Jahr. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport hervor, den die Krankenkasse gestern in Schwerin vorstellte. Binnen eines Jahres habe der Anteil der arbeitsunfähigen DAK-Versicherten mit einer entsprechenden Diagnose um zehn Prozent zugenommen, so Landeschefin Regina Schulz. Seit dem Jahr 2000 nahm die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in Mecklenburg-Vorpommern um 164 Prozent zu – das sei die seit Jahren auffälligste Entwicklung im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen, so Schulz. Zum Vergleich: Bundesweit stieg die Zahl der Krankschreibungen wegen seelischer Leiden im gleichen Zeitraum lediglich um 85 Prozent. Auf 100 DAK-Versicherte kamen im Vorjahr in MV 225,1 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen. Bundesweit waren es 203,5 Fehltage.

Nach 2012 veröffentlichten Daten des Robert-Koch-Institutes litt nahezu jeder vierte Mann und jede dritte Frau im Erhebungsjahr zumindest zeitweilig unter voll ausgeprägten psychischen Störungen. Auffällig sei aber, dass sich die Häufigkeit psychischer Erkrankungen längst nicht in gleichem Maße entwickelt habe wie die Arbeitsausfälle wegen entsprechender Diagnosen, so Dr. Rainer Kirchhefer, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Zwar sei eine leichte Zunahme der Erkrankungszahlen, insbesondere bei Depressionen, zu verzeichnen. Sie stehe aber in keinerlei Relation zu den Steigerungsraten bei den Krankschreibungen.

Dem Mediziner zufolge sei das gleich auf mehrere Gründe zurückzuführen: Wer früher seine Arbeitsaufgaben trotz einer psychischen Erkrankung noch bewältigen konnte, sei heute dazu aufgrund der größeren Arbeitsverdichtung in vielen Fällen nicht mehr in der Lage. Dazu käme, dass Ärzte heute mehr für psychische Erkrankungen sensibilisiert seien und diese deshalb auch attestierten. Früher hätten sie statt dessen eher wegen „ungestimmter Magenbeschwerden“ oder „unklarer Rückenschmerzen“ krankgeschrieben. Schließlich würden psychische Erkrankungen auch in der öffentlichen Wahrnehmung langsam aus der vermeintlichen „Schmuddelecke“ herauskommen.

Dennoch seien diese Erkrankungen weiterhin stark stigmatisiert, so Susanne Hildebrandt vom IGES Institut in Berlin. Eine Umfrage für die DAK habe ergeben, dass Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern Erkrankten vielfach ablehnend gegenüberstehen würden. So hielten es 16,8 Prozent der Befragten für „eher zutreffen“, dass es eine Schonhaltung sei, wenn man wegen psychischer Probleme der Arbeit fernbleibe. Knapp ein Drittel der Befragten erklärte, es möglichst niemandem sagen zu wollen, wenn sie selbst an einer psychischen Erkrankung leiden würden. Und immerhin 4,5 Prozent der Erwerbstätigen lehnen es weitgehend ab, mit psychisch Kranken zusammenzuarbeiten.

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