Mehr Druck auf Gutshaus-Besitzer

Der Eigentümer des Ganzkower Gutshauses hat seit 2004 so gut wie nichts  zum Erhalt des Gebäudes getan.  Brauns
Der Eigentümer des Ganzkower Gutshauses hat seit 2004 so gut wie nichts zum Erhalt des Gebäudes getan. Brauns

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02. April 2010, 05:21 Uhr

Waren | Kaputte Fenster, Schäden am Dach, bröckelnder Putz - das Gutshaus in Ganzkow (Mecklenburg-Strelitz) bietet einen trostlosen Anblick und das schon seit Jahren. Seit 1993 hat das zuvor gemeindeeigene Haus, das im Kern aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammen soll, wiederholt den Besitzer gewechselt. Keiner von ihnen verbesserte seinen Zustand.

Gutshäuser wie in Ganzkow gibt es noch viele. Von den 1080 unter Denkmalschutz stehenden Guts- und Herrenhäusern seien nach einer Erhebung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege etwa 240 Häuser "teilweise in einem akut gefährdeten Zustand. Diese Gebäude haben fast alle einen privaten Besitzer", heißt es in einem offenen Brief, den die Arbeitsgemeinschaft (AG) zur Erhaltung und Nutzung von Gutsanlagen und die Stiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen an Landesregierung und Landtag gerichtet haben. Vertreter des Vereins und der Stiftung sind nun Anfang April zum Gespräch ins Bildungsministerium eingeladen. Ihr Vorschlag: Auf Landesebene soll eine Planstelle für eine Fachkraft geschaffen werden, die sich ausschließlich der Durchsetzung der Erhaltungspflicht von Guts- und Herrenhäusern widmet.

Aus Erfahrung wisse man, dass die entsprechenden Paragraphen im Denkmalschutzgesetz des Landes so gut wie nie zur Anwendung kommen. "Die unteren Denkmalschutzbehörden der Landkreise sind auf Grund der ständigen Ausdünnung der Personaldecke kaum in der Lage, sich dem Problem zu widmen. In einigen Landkreisen gibt es nur noch einen Behördenangestellten. Dadurch ist oft nicht einmal ein amtliches Anmahnen der Erhaltungspflicht möglich", schreiben der Verein und die Stiftung.

Michael Bednorz, Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, bestätigt, dass viele Gutshäuser gefährdet sind und gesichert werden müssen, glaubt aber nicht, dass eine zusätzliche Planstelle die Lösung ist. Das Problem sei, dass zu wenige Menschen das instandgesetzte Gutshaus hinterher nutzen würden, sagt er. Gutshäuser in privater Hand zwangsweise instand zu setzen, wenn die Eigentümer es nicht tun, "dafür fehlt uns die Kraft und das Geld". Die Mittel würden ja nicht einmal für die Objekte reichen, bei denen alle rechtlichen und sonstigen Voraussetzungen gegeben und die Eigentümer kooperativ seien. Bednorz rät, sich lieber darauf zu konzentrieren, Investoren für gefährdete Häuser zu finden und den Gedanken einer Denkmalwacht weiterzuverfolgen, wie sie auch die AG und die Stiftung anstreben.

Stiftung und Arbeitsgemeinschaft sind dagegen der Meinung, dass die "weitere Vernichtung von Kulturgut und die Verödung der ländlichen Räume in dieser Situation nur mit administrativen Mitteln gestoppt werden" könne. Wenn der Termin im Ministerium nicht zum Ziel führe, wolle man das Gespräch mit Landtagsabgeordneten suchen, sagt Richard Petzoldt, Kuratoriumsmitglied der Stiftung.

Die Erhaltung und Nutzung von Gutsanlagen, Herrenhäusern, Schlössern und Parks wird auch wieder Thema des mittlerweile zehnten gleichnamigen Seminars mit Exkursion vom 23. bis 25. April in Waren sein, das AG und Stiftung organisieren. Der traurige Anblick des Ganzkower Gutshauses hat es dabei aufs Titelblatt des Seminarprogramms geschafft.

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