Mecklenburg-Vorpommern : Mehr Dienstsport für Polizeibeamte

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Auch ältere Poilzeibeamte im land müssen laut Sporterlass ihre Leistungsfähigkeit nachweisen können. Nun soll es mehr Dienstsport geben. Innenminister Caffier will mit gutem Beispiel vorangehen.

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04. November 2012, 10:10 Uhr

Rostock/Schwerin | Die Polizisten sind die ersten, die in der Schwimmhalle Rostock-Gehlsdorf am frühen Morgen ihre Bahnen ziehen. 17 Beamte sind an diesem Tag ab 7.30 Uhr im Wasser. "Das sind wenig, wir waren auch schon über 30", sagt Heiko Nagel, Sportkoordinator im Rostocker Polizeipräsidium, zu dessen Bereich 2.000 Beamte zählen. Eine Stunde Dienstsport pro Woche können die Polizisten während der Arbeit absolvieren. In Anspruch nimmt das Angebot nur ein geringer Teil der Landespolizei, "nicht mal 50 Prozent", wie Nagel bedauert. "Ich sag immer, zum Sport kommen immer die Verkehrten", sagt der 44-Jährige. Seit 1995 ist er der erste Ansprechpartner für Beamte, die sich fit halten wollen und müssen.

Verbessert hat sich die allgemeine Bereitschaft, in die sportliche Leistungsfähigkeit zu investieren, in dieser Zeit nicht. "Es wird eher schlechter. Nicht wenige kommen schon beim 100-Meter-Sprint aus der Puste." Fatal für Polizisten auf Streife. Dabei sind die Gesetzeshüter laut Beamtengesetz verpflichtet, sich gesund zu erhalten.

Jungen Polizisten fehlt die Motivation

Schon der sportliche Einstellungstest sei ja nicht ohne, sagt Nagel. Dann aber verlören oft die jungen Polizisten die Motivation, die sich im Alter dann schwer wieder wecken lasse. "Wir machen es ihnen schon einfach, indem wir jetzt viel mehr Gesundheits- und Präventivsportkurse anbieten", sagt der 44-Jährige. Das sei nicht der "rattenscharfe" einsatzbezogene Dienstsport, für den sich gerade ältere Polizisten nicht begeistern können.

Wenig Verständnis für Unsportlichkeit hat der 54-jährige Polizist Marco Limbach. Er joggt "mittlere bis lange Strecken" zwei bis dreimal die Woche, das halte ihn fit, sagt er. "Aber man kann nicht nur die Peitsche schwingen, um Kollegen für den Sport zu begeistern", sagt er. Viele hätten gesundheitliche Probleme, und dass die Landespolizei jetzt mehr Wert auf Breiten- und Präventivsport legt, sei der richtige Weg. "Die, die regelmäßig Sport treiben, haben dann auch keine Rückenprobleme mehr", sagt Limbach.

Am Dienstsport wird zuerst gespart

Sind die Beamten dann erst einmal im Sportprogramm - so die Erfahrungen des Sportkoordinators, - erscheint ihnen die Hürde zum Ablegen des Sportabzeichens auch viel niedriger. Das nämlich müssen in den kommenden drei Jahren alle Polizisten ablegen, wie es der neue Sporterlass von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) vorsieht. Als oberster Dienstherr will der 57-Jährige mit gutem Beispiel vorangehen: nach überstandener Schulter-OP werde er jetzt wieder das volle Programm trainieren und demnächst die Prüfung ablegen. Es gibt allerdings Alternativen, zum Beispiel die Prüfung für das Sportabzeichen nur in einigen Kategorien zu absolvieren oder sich zum Rettungsschwimmer zu qualifizieren. Wer dieser Aufforderung nicht nachkomme, wird zum wöchentlichen Dienstsport verpflichtet.

Ein guter Anfang, findet Heiko Nagel. Aber insgesamt werde dem Sport im Polizeidienst noch viel zu wenig Beachtung geschenkt. "Wenn gespart werden muss, dann hier am ehesten", hätten auch Kollegen aus anderen Bundesländern berichtet. Bundespolizei, Landeskriminalamt oder Wasserschutzpolizei in Mecklenburg-Vorpommern haben laut Nagel noch nicht mal einen Sportkoordinator. Dabei sei dieser Bereich der Gesunderhaltung immer wichtiger, führe man sich das steigende Durchschnittsalter der Polizeibeamten in den Revieren vor die Augen.

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