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Jahresbericht Gesundheit und Soziales : Mehr Chancen für Schwerbehinderte einräumen

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Immer mehr Schwerbehinderte in MV. Sozialministerin Drese: Arbeitgeber sind gefordert

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 20:45 Uhr

Bei der Beschäftigung von Behinderten in den Betrieben gibt es nach Ansicht von Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) noch viel Luft nach oben. „Etwa 25 Prozent der Pflichtarbeitsplätze sind unbesetzt“, sagte Drese heute in Rostock bei der Vorstellung des Jahresberichts 2016 des Landesamts für Gesundheit und Soziales. Die Menschen bräuchten eine Chance.

„Viele Behinderte sind sehr leistungsfähig, viele Vorurteile in diesem Bereich falsch.“ Drese betonte, dass 2,3 Millionen Euro zusätzlich für die Schaffung neuer Arbeitsplätze bereitstünden. Eine zentrale Aufgabe nehme das im Lagus beheimatete Integrationsamt ein. Es unterstütze Integrationsprojekte wie die sogenannten CAP-Märkte, bei denen einige Stellen von Schwerbehinderten besetzt sind. „Das ist eine Win-Win-Situation“, erklärte Drese. In ihrem Ministerium liege die Beschäftigungsquote von Behinderten bei knapp 14 Prozent.

Die Zahl der Schwerbehinderten in Mecklenburg-Vorpommern ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Ende 2016 lebten in MV rund 216 000 Menschen, denen ein Grad der Behinderung von 50 und mehr zuerkannt wurde, sagte Drese. Das sind gut 2000 mehr als im Jahr zuvor. Damit gelten 13,3 Prozent der Bevölkerung als schwerbehindert, der bundesweite Durchschnitt liegt den Angaben zufolge bei knapp 10 Prozent. Schon im Jahr 2015 hatte der Nordosten laut Statistischem Bundesamt die meisten Schwerbehinderten bezogen auf die Gesamtzahl der Einwohner.

Insgesamt lebten Ende vergangenen Jahres in Mecklenburg-Vorpommern knapp  350 000 Menschen mit einer anerkannten Behinderung. Eine profunde Erklärung, warum ausgerechnet hier so viele Menschen mit Behinderung leben, gebe es nicht, sagte Lagus-Chef Heiko Will.

Drese wies zudem auf die sehr gute Resonanz auf die Förderung der Familienerholung für einkommensschwache Familien hin. Der Urlaub einer vierköpfigen Familie könne mit bis zu 840 Euro unterstützt werden, sagte die Ministerin. Es sei wichtig für die Familien, Abstand vom Alltag zu bekommen.

Eine völlig neue Aufgabe für das Lagus ergebe sich aus dem seit 1. Juli gültigen Prostituierten-Schutzgesetz. Ziel des Amtes sei es, den Betroffenen einen geschützten Raum zu bieten, in dem sie Beratung erhalten können. In den ersten Wochen habe es bislang nur wenige Anrufe von Prostituierten gegeben, hieß es. Dabei sei es bislang eher um konkrete Anliegen und praktische Hilfe etwa bei Gewerbeanmeldungen oder Fragen des Ausländerrechts gegangen. „Für die Frauen sehr lebensnahe Fragen“, sagte Will.

Ein zentraler Bereich der Arbeit des Lagus, in dem rund 460 Menschen beschäftigt sind, sei der Bereich Arbeitsschutz. Die rund 80 im Bereich Arbeitsschutz tätigen Mitarbeiter kontrollierten im vergangenen Jahr 12 000 Betriebe; ein Problem dabei sei, dass es sich zum größten Teil um Kleinbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern handelte. „Die haben in aller Regel alle möglichen Sorgen, nur nicht als Erstes den Arbeitsschutz.“

Ein Dauerthema beim Arbeitsschutz sei der Umgang mit Asbest, sagte Will. Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit immer noch 1,3 Millionen Quadratmeter Dachfläche mit Asbestzement oder asbesthaltiger Dachpappe bedeckt sind. Im Jahr 2012 mussten die Unfallversicherer mehr als eine halbe Milliarde Euro zum Ausgleich von Schäden aufwenden. Jährlich müsse in Deutschland mit 1500 Todesfällen durch Asbest gerechnet werden. 

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