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Mecklenburg-Vorpommern : Mehr Cannabis-Plantagen im Land

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Die Bilder von Cannabis-Plantagen sind spektakulär, unter grellen Lampen wachsen oft Hunderte Pflanzen heran. Obwohl das Anbauen von Cannabis kriminell ist, nimmt die Zahl dieser Anlagen in MV zu.

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erstellt am 25.Feb.2013 | 07:15 Uhr

Rostock/Rampe | Die Schlagzeilen häufen sich: "Zoll findet Riesen-Hanfplantage in Dettmannsdorf bei Bad Sülze; 1600 Pflanzen in leerstehender Speditionshalle" oder "20-Jähriger legt in Neubrandenburger Plattenbauwohnung Marihuana-Plantage an". In den vergangenen zwei Jahren hat die Zahl von entdeckten Cannabis-Plantagen in MV zugenommen. Nach Angaben des Landeskriminalamts waren es alleine im vergangenen Jahr 16 teils sehr große Plantagen, im Jahr zuvor 13. In den Jahren davor lag die Zahl der entdeckten Plantagen jeweils im mittleren einstelligen Bereich.

Der Nordosten liege mit dieser Entwicklung im deutschlandweiten Trend, sagte der Sprecher. Die Ermittler gingen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Bei den entdeckten Plantagen handelte es sowohl um solche, die unter freiem Himmel angelegt waren als auch um die, die mit teils immensem Aufwand in leeren Wohnhäusern oder Lagerhallen betrieben wurden. Dabei ist der Gehalt im fertigen Produkt mit dem Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) direkt von der Lichteinstrahlung abhängig, weshalb offensichtlich der Trend hin zum Anbau in Häusern und Hallen mit permanenter Beleuchtung geht. Details dazu wollte der Sprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.

Das LKA machte klar, dass auch der Anbau von wenigen Pflanzen strafrechtlich verfolgt wird und kein Kavaliersdelikt darstelle. "Wir werden dem Geschehen nicht tatenlos zusehen", so der Sprecher. Die Justiz sieht die Brisanz ähnlich: Das Rostocker Landgericht verurteilte jüngst einen Drogenhändler zu knapp acht Jahren Haft. Er hatte in mehreren Häusern rund um Rostock Plantagen betrieben und dabei weit über 50 Kilogramm Marihuana gewonnen und verkauft.

Cannabis-Produkte sind die weltweit am häufigsten konsumierten Drogen. Über die Gefährlichkeit als Einstiegsdroge oder die Legalisierung gibt es immer wieder heftige Kontroversen. Im Gegensatz zu den Niederlanden ist in Deutschland dafür keine Mehrheit in Sicht.

Aus LKA-Sicht spielen die in Plantagen erzeugten Cannabis-Produkte auf dem gesamten Drogenmarkt nur eine untergeordnete Rolle. Nach Meinung von Suchtexperten besteht auf dem freien Markt das Problem, dass niemand weiß, welchen THC-Gehalt die verkaufte Ware hat. Beim Wein ist bekannt, dass zwölf Prozent Alkohol drin sind, beim Cannabis könne der THC-Gehalt zwischen 2 und 20 Prozent differieren.

Nach Angaben des Rostocker Suchttherapeuten Michael Köhnke spielt Cannabis im Suchtverhalten der Gesellschaft eine große Rolle und dürfe nicht unterschätzt werden. "Wir sehen zunehmend Patienten, die Cannabis als Zusatzdroge parallel zum Alkohol nehmen." Es bestehe ganz klar eine Suchtgefährdung. Es gebe Studien, nach denen jeder dritte Jugendliche schon Kontakt dazu hatte. "Wenn man das regelmäßig konsumiert, kann das deutlich Auswirkungen auf die geistigen Fähigkeiten haben." Cannabis könne auch Auslöser von Psychosen sein, sagte Köhnke.

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