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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 11:31 Uhr

Mehr Beschwerden über Fehler von Ärzten

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2013 | 07:13 Uhr

Berlin/Rostock | Noch nie haben sich so viele Patienten bei den Gutachterstellen über vermeintliche ärztliche Behandlungsfehler beschwert wie im zurückliegenden Jahr. Mit 12 232 Verdachtsfällen bundesweit waren es gut zehn Prozent mehr als im Jahr 2011. Diese Zahlen stellte die Bundesärztekammer gestern in Berlin vor. Von Gutachtern beurteilt wurden 7578 Fälle, 1889-mal kamen sie zu dem Ergebnis, dass die beklagten Schäden tatsächlich durch ärztliches Handeln verursacht worden waren. In 82 Fällen waren Patienten nach einem Behandlungsfehler verstorben. Meistens hätten Fehler aber nur vorübergehende Auswirkungen gehabt, etwa längere Krankheiten, betonte der Geschäftsführer der auch für Mecklenburg-Vorpommern zuständigen norddeutschen Schlichtungsstelle für Arzt haftpflichtfragen, Johann Neu. Besonders oft fühlten sich Menschen, die an Arthrose litten, falsch behandelt. Auch nach Knochenbrüchen, bei Bandscheiben- oder anderen Rückenbeschwerden käme es besonders häufig zu Patientenbeschwerden.

Die Mehrheit der Beschwerden (72,1 Prozent) bezog sich auf Krankenhausleistungen, besonders oft gab es dort Kritik an Ärzten aus den Fachabteilungen Unfallchirurgie/Orthopädie, Allgemeinchirurgie und Innere Medizin, gefolgt von Frauenheilkunde und Neurochirurgie.

"Gemessen an der Gesamtzahl der jährlichen Behandlungen - rund 18 Millionen Krankenhausfälle und etwa 800 Millionen Patient-Arzt-Kontakte -, bewegt sich die Fehlerhäufigkeit im Promillebereich", erklärte der Präsident der Ärztekammer MV, Dr. Andreas Crusius, der zugleich Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei der Bundesärztekammer ist. ". Aber natürlich ist jeder Fehler einer zu viel." Entschieden verwahrte er sich dagegen, Fehler von Ärzten als Pfusch zu bezeichnen - Pfusch sei eine bewusst nachlässig ausgeführte Arbeit, um zum eigenen Vorteil Kosten zu sparen.

Als "zumindest begünstigende" Ursache von Behandlungsfehlern brandmarkte Crusius die chronische Unterfinanzierung des Medizinbetriebes. Drei Viertel der Ärztinnen und Ärzte arbeite pro Woche mehr als 48 Stunden, ein Viertel sei sogar 60 bis 79 Stunden im Dienst. "Wundert es Sie da, dass ein völlig übermüdeter Arzt mitunter unkonzentriert ist oder nicht ausreichend präzise arbeitet?", fragte Crusius.

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