Kriminalität MV : Mehr als 3000 Anfragen für DNA-Analyse jährlich

Über 20 000 Datensätze aus MV beinhaltet die bundesweite DNA-Datei
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Über 20 000 Datensätze aus MV beinhaltet die bundesweite DNA-Datei

Die DNA-Analyse ist ein wichtiger Helfer der Kripo geworden. Sie wird auch in MV rege genutzt.

svz.de von
03. September 2017, 08:56 Uhr

Die DNA-Analyse wird für Ermittler immer wichtiger. Im vergangenen Jahr gab es allein für Mecklenburg-Vorpommern rund 250 Treffer in der bundesweiten DNA-Datei, bei denen Spuren einer Person beziehungsweise Personenmuster einer Spur zugeordnet werden konnten.„Hinzu kamen noch circa 30 Treffer von DNA-Mustern aus Mecklenburg-Vorpommern mit in ausländischen Datenbanken gespeicherten Daten“, sagte die Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA), Anna Hermann, der Deutschen Presse-Agentur.

Hintergrund: DNA-Analsyse

Die DNA ist der Träger der menschlichen Erbsubstanz. Für eine Analyse reichen geringste Spuren wie Hautschuppen, Haare, Sperma oder Speichelreste. Damit kann die Identität eines Menschen nahezu sicher festgestellt werden.

Beim Bundeskriminalamt wurde 1998 eine zentrale DNA-Analysedatei eingerichtet. Gespeichert sind darin Daten von Beschuldigten, verurteilten Straftätern und von am Tatort gesicherten Spuren. Damit konnten nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 1360 Tötungsdelikte, 2370 Sexualstraftaten, 8200 Raub- und Erpressungsfälle sowie 94 200 Diebstahl-Delikte aufgeklärt werden.

In der Datei sind derzeit mehr als 300 000 DNA-Muster unbekannter Spurenverursacher und fast 900 000 DNA-Muster von bekannten Personen erfasst, davon aus Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Landeskriminalamts rund 5500 Spuren- und 15 500 Personendatensätze.

DNA-Spuren, die Kriminaltechniker am Tatort sichern, werden in einem eigenen Labor des LKA von Biologen, Mikrobiologen und Genetikern ausgewertet. Die Experten sind gut beschäftigt: Im Jahresdurchschnitt erhalten sie mehr als 3000 Anfragen mit 12 000 bis 15 000 Einzelspuren zur DNA-analytischen Auswertung, wie Hermann sagte.

Schwere Straftaten würden vorrangig bearbeitet.

„Fälle, bei denen die DNA-Analyse maßgeblichen Anteil an der Aufklärung einer Straftat hatte, sind beispielsweise der Mord an einer 29-jährigen Joggerin in einem Waldstück zwischen Lübeck und Herrnburg im Juli 2013, die Aufklärung des sexuellen Missbrauchs eines Elfjährigen in Schwerin im Januar 2017 - die Tatzeit war im Dezember 2015 - sowie der Fund der Leiche eines neugeborenen Mädchens in Wittenburg im März 2017.“

Auch Kleinkriminelle werden mitunter dank „Kommissar Wattebausch“ gefasst. So überführte ein DNA-Treffer im Juli einen Einbrecher in Parchim. Er soll in der Neujahrsnacht 2015 die Schaufensterscheibe eines Discountmarktes eingeworfen haben, floh aber ohne Beute, weil die Alarmanlage ansprang. Die DNA-Spur, die er am Tatort hinterließ, überführte ihn nach Angaben der Polizeiinspektion Ludwigslust. Es gab einen Treffer in der DNA-Datenbank, weil der Mann inzwischen weitere Straftaten begangen hatte. In der bundesweiten Datei liegen laut LKA mehr als 20 000 DNA-Muster von Tatorten und Personen aus Mecklenburg-Vorpommern.

Laut LKA ist es faktisch unmöglich, an einem Tatort keine biologisch verwertbaren Spuren zu hinterlassen. „Auch wenn bestimmte Personen versuchen, Spuren zu verhindern, hinterlassen sie bei diesen Versuchen in der Regel erneut Spuren“, sagte Hermann. Die Untersuchungsmethoden würden zudem immer präziser. „Während man früher noch eine größere Menge an Spurenmaterial für eine Analyse benötigte, reichen heute schon winzige Mikrospuren aus, um einen Beweis anzutreten, dass diese Person am Tatort war.“ Aufgabe der Kriminaltechniker sei es, diese Spuren auch zu finden.

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