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Fachtagung in Stralsund : Mehr Akzeptanz für Schizophrene gefordert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Menschen mit einer Schizophrenie werden oft von ihren Mitbürgern ausgegrenzt. Das soll sich ändern.

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 12:00 Uhr

 Menschen mit einer Schizophrenie werden laut Studien zunehmend ausgegrenzt. Auf einer internationalen Fachtagung in Stralsund forderten Experten mehr Akzeptanz für die Betroffenen.

„Wir brauchen neue Strategien, um diese Grenze zwischen Betroffenen und anderen Menschen zu überwinden“, sagte Tagungsleiter Georg Schomerus gestern zum Auftakt in Stralsund. Nach Angaben des Facharztes für Psychiatrie am Universitätsklinikum Greifswald trägt rund ein Prozent der Bevölkerung das Risiko in sich, an einer Schizophrenie zu erkranken.

Das Krankheitsbild sei breit, neben Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen leiden Betroffene auch unter Antriebslosigkeit und zögen sich aus den sozialen Strukturen zurück. Beunruhigend sei, dass Menschen mit Schizophrenie zunehmend ausgegrenzt würden, sagte Schomerus.

Wie eine 2014 veröffentlichte Studie von Greifswalder und Leipziger Wissenschaftlern ergab, lehnte es 1990 jeder fünfte Deutsche (20 Prozent) ab, mit einer an Schizophrenie erkrankten Person zusammenzuarbeiten. Mehr als 20 Jahre später stieg der Anteil auf 31 Prozent. Die Ergebnisse basierten auf einer Umfrage unter 3600 Menschen.

Andere Studien belegten, dass eine psychische Erkrankung häufig mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbssituation einhergeht und das Risiko einer Frühberentung steigt.  Besonders betroffen sind demnach vor allem Menschen mit einer Schizophrenie, von denen durchschnittlich lediglich 10 bis 20 Prozent erwerbstätig seien. „Mit dem Verlust der Arbeit wächst das Risiko der Ausgrenzung und des sozialen Abstiegs bis zur Obdachlosigkeit“, sagte Schomerus.

Wichtig sei, dass die Gesellschaft generell offener werde für die Übergänge zwischen psychisch gesund und psychisch krank. Menschen mit einer Schizophrenie hätten auch immer wieder längere symptomfreie Phasen. Zudem lasse sich die Psychose, wenn sie diagnostiziert sei, häufig gut therapieren.

Schomerus fordert ein Umdenken in der Gesellschaft. Grundsätzlich müsse die Unterstützung von Betroffenen im ersten Arbeitsmarkt verbessert werden, sagte er. Möglich wäre dies durch Förderungen der Unternehmen, die diese Menschen beschäftigen. So könnte den Erkrankten Job-Coaches zur Seite gestellt werden.

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