In Stralsund beraten Forscher über die Folgen der Klimaerwärmung : Meeresspiegel steigt um 70 Zentimeter

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Die Menschen an der Ostseeküste müssen sich Forschern zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen Anstieg des Meeresspiegels um 70 bis 80 Zentimeter einstellen. Es bestehe kein Grund zur Panik, aber Handlungsbedarf.

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11. September 2012, 10:05 Uhr

Stralsund | Die Städte und Gemeinden an der deutschen Ostseeküste müssen sich Forschern zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen Anstieg des Meeresspiegels um 70 bis 80 Zentimeter einstellen. Es bestehe zwar kein Grund zur Panik, wohl aber Handlungsbedarf, um auf die Veränderungen zu reagieren, sagte Marcus Reckermann vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht gestern auf einer Konferenz in Stralsund.

"Es ist problemlos möglich, in diesem Zeitraum entsprechende Strategien dagegenzusetzen, wenn man rechtzeitig reagiert", sagte der Wissenschaftler. Spätestens in etwa 40 Jahren müssten jedoch die Deiche im Bereich der südlichen Ostsee nochmals entsprechend erhöht werden. Außerdem müssten zum Beispiel Hafenanlagen an die künftig höheren Wasserstände angepasst werden. Längerfristig müsse aber auch da rüber nachgedacht werden, bestimmte Flächen aufzugeben und dem Meer zu überlassen. Es sei nicht auszuschließen, dass der Klimawandel in 100 Jahren gestoppt werde und die Pegel der Meere wieder sänken.

Nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde werden die Auswirkungen der Erderwärmung für die Ostsee weniger dramatisch ausfallen als zum Beispiel in Polarregionen. "Bis zum Ende des Jahrhunderts werde ein Anstieg der Wassertemperatur um maximal 2,5 Grad erwartet", sagte Institutsleiter Ulrich Bathmann.

Gleichzeitig zeigen Computermodelle, dass man mit sinkendem Salz- und Sauerstoffgehalt, zunehmendem Sauerstoffmangel in den Tiefenbecken, verringerten Sichttiefen und häufigeren Strandverunreinigungen durch Makroalgen rechnen müsse.

Zudem rechnen die Forscher damit, dass durch verstärkte Niederschläge im Winter mehr Süßwasser über die Flüsse in die Ostsee gelangen wird. Das würde dazu führen, dass Bakterien und Salmonellen länger in den Küstengewässern überleben als bisher. Wärmere Winter könnten zudem ein verstärktes Quallenvorkommen zur Folge haben.

Immer mehr Exoten könnten überleben

Die Stralsunder Meeresbiologin Ines Podszuck verwies darauf, dass mit der Klimaerwärmung auch immer mehr eingeschleppte Organismen in der Ostsee überleben werden. Ein Beispiel dafür sei die 1996 über Ballastwassertanks von Schiffen in die Nord- und Ostsee gekommene nordamerikanische Brackwasserkrabbe. "Wir untersuchen derzeit, ob diese Tiere zur Konkurrenz für die einheimische Strandkrabbe werden." Andere Einwanderer wie die Meeräsche könnten nach Einschätzung von Forschern aber auch zu neuen Einnahmequellen für Ostseefischer werden.

Seit drei Jahren arbeiten in Deutschland Forscher und Ingenieure im Rahmen des Projektes "Regionale Anpassungsstrategie für die deutsche Ostseeküste" (RADOST) an 17 unterschiedlichen Vorhaben, mit denen auf die Veränderung von Klima und Umwelt reagiert werden könnte. Unter anderem werden in der Kieler Bucht Aquakulturen mit Miesmuscheln und Großalgen zum Abbau von Nährstoffen getestet. Bei Warnemünde wollen Wissenschaftler testen, inwiefern zum Beispiel die Wassertemperatur der Ostsee zur Wärmeversorgung oder zur Klimatisierung strandnaher Gebäude genutzt werden könnte.

Vorbereitet wird zudem an der deutschen Ostseeküste der Bau eines großen Rückhaltebeckens, in dem Nährstoffe aus der Landwirtschaft abgefangen werden sollen.

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