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Nord- und Ostsee : Meeresschutzgebiete ausgewiesen – doch Umsetzung fehlt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erarbeitung von Managementplänen für Nord- und Ostsee schleppend

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 20:02 Uhr

Die Managementpläne für Schutzgebiete in der Nord- und Ostsee kommen nur schleppend voran. Noch immer fehlten Schutzgebietsverordnungen für die Areale in der „Ausschließlichen Wirtschaftszone“, sagte Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gestern in Stralsund. Dies sei bedauerlich. Die wohl 2015 zu erwartenden Verordnungen seien Grundlage für die Pläne. Deutschland hatte 2004 vier Schutzgebiete in der Wirtschaftszone der Nordsee gemeldet, sechs in der Ostsee. Damit sollen je nach Lage Sandbänke, Riffe, Seevögel oder Schweinswale geschützt werden. 2007 wurden die von der Fischerei kritisierten Schutzgebiete von der EU anerkannt.

Praktische Konsequenzen hat die Ausweisung der Schutzgebiete bislang nicht. Deutschland sei verpflichtet, innerhalb von sechs Jahren entsprechende Rechtsverordnungen und Managementpläne zu erarbeiten. Weil dies nicht geschehen sei, sei Deutschland im vergangenen Jahr auch von der EU ermahnt worden.

Fischer befürchten mit den Managementplänen Einschränkungen der Fischerei, etwa in der Pommerschen Bucht oder im Adlergrund in der Ostsee. Laut BfN werden die Managementpläne keine eigenständigen Regelungen für die Fischerei enthalten. Die Regelungen würden in einem parallel laufenden Prozess zwischen Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium erarbeitet, sagte von Nordheim.

Der gestern vor 150 Wissenschaftlern in Stralsund vorgestellte Entwurf eines Artenmanagementplans für den Schweinswal in der Ostsee sieht allerdings zeitlich begrenzte Verbote der Stellnetzfischerei östlich von Rügen, in der Flensburger Förde und in der Kadetrinne sowie ein ganzjähriges Stellnetzverbot im Fehmarnbelt vor. Die Schweinswale benötigten aufgrund der Wanderungsbewegungen Bereiche, die von Stellnetzen freigestellt seien, begründete der Biologe Sven Koschinski die zusammen mit Forschern der Uni Rostock erarbeiteten Vorschläge. Zudem müsse der in der zentralen Ostsee lebenden Schweinswal-Population die Eisflucht nach Westen in kalten Wintern möglich sein.

Schätzungen zufolge gibt es von dieser laut Forschern eigenständigen Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee nur wenige hundert Tiere. Genaue Bestandszahlen sollen im Dezember vorliegen, wenn die Daten des internationalen Sambah-Projekts ausgewertet sind. Forscher hatten mit 305 Detektoren die Klicklaute der Schweinswale in der zentralen Ostsee erfasst.

Die Fischer kritisieren das Vorgehen bei der Erstellung von Managementplänen. So würden bei der Erfassung und Prognose der Fischerei auf die zu schützenden Gebiete und Arten veraltete Daten zugrunde gelegt, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuß. Aufgrund der Quotenkürzungen sei die Fischerei in Ost- und Nordsee seit 2006 deutlich zurückgegangen.

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