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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 20:09 Uhr

Dömitz : Mecklenburgs „Pentagon“ wird 450

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Dömitz steht die einzige vollständig erhaltene Flachlandfestung Mecklenburgs

Wenn vom „Pentagon“ die Rede ist, denkt man zuerst an das Verteidigungsministerium der USA. Aber auch Mecklenburg hat sein „Pentagon“. Es steht in der Kleinstadt Dömitz bei Ludwigslust und begeht in diesem Jahr ein denkwürdiges Jubiläum. Die geschichtsträchtige Festung des Ortes existiert 450 Jahre, wurde in der Form eines Fünfecks angelegt und wird deshalb auch als „Pentagon Mecklenburgs“ bezeichnet.

Der Bau gilt als einzige vollständig erhaltene Flachlandfestung in Norddeutschland und verdankt diesen Erhaltungszustand zwei Gründen: Zum einen gab es in der wechselvollen Geschichte keine Helden, die die Festung im Kriegsfall bis zum bitteren Ende verteidigten. Zum anderen fehlten später die Mittel für Modernisierungen.

Im Jubiläumsjahr gibt es zahlreiche Veranstaltungen in dieser architektonischen Rarität. Das reicht von Ausstellungen über Vorträge zur Stadt sowie Festungsgeschichte bis zu Führungen zur Erkundung der interessanten Wehrarchitektur aus der Hochrenaissance. Dazu gehören die beeindruckenden Außenanlagen mit den Bastionen, das Kommandantenhaus mit dem Ostturm, das Zeughaus und der reizvolle Pulverkeller, der größte Ausstellungsraum der Anlage. Dömitz hofft auf viele Besucher.

Als Gründungsväter von Dömitz sind die Grafen von Dannenberg überliefert, die in diesem vormaligen Siedlungsgebiet der Polaben, die zum Stammesverband der Obotriten gehörten, im 13. Jahrhundert Stadt und Burg gründeten. In der Folge wechselten häufig die Besitzer: 1372 überschrieben die sächsischen Herzöge als damalige Besitzer Stadt und Burg an Herzog Albrecht II. von Mecklenburg. Durch die Ausdehnung Mecklenburgs nach Südwesten gedieh die Burg Dömitz zur wichtigen Grenzburg, deren Bedeutung beständig wuchs. Die Herzöge kontrollierten die Elbeschifffahrt sowie die Elbübergänge, erhoben den Elbzoll und sicherten mit der Burg die Südgrenze.

Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg ließ dann ab 1558 bis 1565 die Grenzburg zur Festung ausbauen. Verantwortlicher Baumeister war Francesco Borno aus Italien, der das Fünfeck mit den Bastionen „Kavalier“, „Held“, „Drache“, „Greif“ und „Burg“ schuf. Die Mauern zwischen den Bastionen erreichten eine Höhe von neun Metern. Der Zugang entstand über die Bastion „Kavalier“ mit einem Sandsteinportal im Stil der niederländischen Spätrenaissance. Alle Bastionen bekamen einen Kanonenhof und Kasematten. Im Festungsinneren gab es Funktionsgebäude wie die Hauptwache, das Zeughaus, das Kommandantenhaus und das Back-und Brauhaus.

Eine kriegerische Dauerbeanspruchung erlebte das „Mecklenburger Pentagon“ während des Dreißigjährigen Krieges mit dem Höhepunkt der Schlacht von Dömitz 1635. Nacheinander besetzten die Dänen, der Generalissimus Wallenstein, ein gemeinsames Heer aus Schweden und Mecklenburgern, die erfolglos vom sächsischen Kurfürsten angegriffen wurden, und 1637 Kurbrandenburg Dömitz. 1642 vertrieben die Schweden nach längerer Belagerung die brandenburgischen Truppen wieder. Nach dem Westfälischen Frieden fiel die Festung zurück an Mecklenburg.

Herzog Karl Leopold von Mecklenburg nutzte Dömitz auch als Fluchtburg. Später sprach hier Ferdinand von Schill zu seinen aufständischen Anhängern im Kampf gegen Napoleon vor der Niederlage in Stralsund. Auch der Major von Lützow machte mit seinen Jägern im antinapoleonischen Befreiungskampf in Dömitz Station. Nach 1753 diente die Festung zudem als Zuchthaus, in dem Fritz Reuter, einer der bedeutendsten Dichter Mecklenburgs, sieben Jahre seiner Festungshaft verbrachte und anschließend seinen Roman „Ut mine Festungstid“ veröffentlichte.

Herzog Friedrich Wilhelm und Großherzog Friedrich Franz II. sorgten während ihrer Amtszeiten für Sanierungsarbeiten, ehe „Mecklenburgs Pentagon“ 1894 zivilen Zwecken zugeführt wurde. Stadt-und Landesämter kamen hier unter. 1953 entstand ein Museum, das seither im wachsenden Maße die Stadt-und Festungsgeschichte und die der Region beleuchtet. Seit 1975 steht der Komplex unter Denkmalschutz.

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