Preisverleihung : Zwischen Tradition und Moderne

Gillhoff-Preis 2018: Der Vorsitzende der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft, Hartmut Brun (r.), überreicht ihn an Wolfgang Mahnke. Fotos: Seidel
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Gillhoff-Preis 2018: Der Vorsitzende der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft, Hartmut Brun (r.), überreicht ihn an Wolfgang Mahnke. Fotos: Seidel

Gillhoff-Preisträger Wolfgang Mahnke setzt sich für „kluge Anpassung des Plattdeutschen“ an die Gegenwart ein

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19. Juni 2018, 10:27 Uhr

Die Johannes-Gillhoff-Gesellschaft Glaisin hatte zu ihrem diesjährigen Gillhoff-Tag geladen – einschließlich der Verleihung ihres gleichnamigen Literaturpreises. Dass ihn der fleißige Rostocker Autor Wolfgang Mahnke bekommen würde, das war schon lange kein Geheimnis mehr. Umso spannender war die Frage, wie die Laudatio auf und die Dankesrede von Wolfgang Mahnke ausfallen würden. Zu den darauf gespannten Gästen der Preisverleihung in Ludwigslust gehörten der erst vor wenigen Wochen gewählte neue Präsident der Fritz-Reuter-Gesellschaft, Dr. Hans-Jörg Grundmann, und Michael Schubach, ein eigens aus Dresden angereister Großneffe Gillhoffs, sowie eine Reihe früherer Preisträger, darunter Kuno Karls aus Hagenow und Dr. Ralf Wendt aus Schwerin.

Jürgen Pump, Gillhoff-Preisträger von 2014, würdigte den diesjährigen Gewinner – selbstverständlich auf Platt. „Gor tau giern läs ick dat, wat Di ümmer wedder in dei Schriewersfedder hüppen deit. Dunnerwäder noch eins, kum tau glöben, wat Du för scharpe Ogen un Uhr’n hest“, lobte der Laudator seinen Schriftstellerkollegen und bat ihn, nicht dazwischenzureden, wenn er nur Gutes über ihn sagen könne. Der 1937 in Malchin geborene, studierte Meeresbiologe Mahnke hat inzwischen zwölf Bücher und ein Hörbuch in Niederdeutsch geschrieben.
In seiner ebenfalls auf Plattdeutsch gehaltenen Danksagung bekannte er seinen Stolz auf die Ehrung: „Oewer dei Utteiknung mit denn’ Johannes-Gillhoff-Literaturpries freug ick mi bannig!“ Bereits als Jugendlicher habe er diese großartigen Auswanderergeschichten „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“ von Gillhoff gelesen, auch wenn er damals kaum etwas über ihren Autor gewusst habe. Das habe er fast alles erst später erfahren, „as ick all sülben tau dei Schriewerslüd hürte un ofteins bi dei Gillhoff-Gesellschaft in Glaisin tau Gast wier“. Zugleich sprach sich Wolfgang Mahnke für eine kluge Anpassung des Plattdeutschen an die Gegenwart und für eine Auseinandersetzung mit modernen Begriffen aus. „Wenn Plattdütsch wiederhen bestahn sall, denn kamen wi nich ümhen uns mit disse Spraak antaupassen, wat nich heit, dat wi wat upgäben, sonnern dat wi dat, wat wi heben, plietsch in’e Wagschaal schmieten möten.“

Vor der Festveranstaltung fand das traditionelle Gedenken an Gillhoff an dessen Grab auf dem Ludwigsluster Friedhof statt. Die ehrenden Worte sprach diesmal der seit Bestehen der Gillhoff-Gesellschaft wahrscheinlich jüngste Redner, der 29-jährige Promotionsstudent Jakob Schwichtenberg von der Universität Rostock.

In seinem ebenso informativen wie humorvollen Gedenken setzte er sich mit dem Heimatverständnis des Glaisiner Lehrers, Volkskundlers und Schriftstellers auseinander und zitierte als Beleg für dessen Verständnis für fortschrittliche Strömungen seiner Zeit eine Stellungnahme zur damals vieldiskutierten Rechtschreibreform – vor allem der Wörter mit „Th“.

Gillhoff war für die Reform, „denn wenn auch zu Anfang Wörter wie ,Not’ usw. durch das Ungewohnte ihrer Erscheinung etwas Unbehagen verursachen …, so fallen sie jetzt gar nicht mehr auf; man hat längst einsehen lernen, daß sich ohne h ebenso gut heiraten lasse als mit h“.

Johannes Gillhoff war vor 157 Jahren am 24. Mai 1861 in Glaisin geboren worden und am 16. Januar 1930 in Parchim gestorben. Berühmt wurde er durch den Roman „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“, der in mehrere Sprachen übersetzt wurde.


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