zur Navigation springen

Flucht, Vertreibung, Neuanfang : Zahl der Vertriebenen stieg von Tag zu Tag

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Behörden brachten Menschen in Umsiedlerlagern provisorisch unter. 120 000 Flüchtlinge passierten allein das Lager Flessenow

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 00:00 Uhr

Im Ergebnis der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 wurden die Grenzen der Besatzungszonen und auch die Ausweisung der Deutschen aus den östlich der Oder-Neiße-Linie gelegenen Gebieten sowie der deutschen Minderheiten aus der Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien beschlossen. Mit dem Benesch-Dekret vom 2. August 1945 über den Entzug der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft gegenüber den Deutschen wurde die bereits seit Juni 1945 durch Anweisung örtlicher tschechischer Militärkommandanten praktizierte Ausweisung der Sudetendeutschen befördert. Dies entsprach der Umsetzung der Benesch-Erklärung vom 17. März 1945 in Moskau, demnach die Tschechoslowakei zu einem Nationalstaat ohne Minderheitenrechte erklärte wurde. Am 2. November 1945 unterzeichneten die Alliierten dann ein ergänzendes Abkommen über die Durchführung der Ausweisung aus Polen, den ehemals deutschen Ostgebieten, der Tschechoslowakei und Ungarn nach Deutschland in den neuen Grenzen. Täglich fuhren dann mehrere Züge mit jeweils ca. 1200 Vertriebenen in die Besatzungszonen zur Verteilung und Aufnahme.

Am 5. August 1945 wurde das Umsiedleramt beim Landrat in Schwerin gebildet. Bereits am nächsten Tage mussten rund 500 Umsiedler untergebracht werden, deren Zahl nun von Tag zu Tag stieg. Die erste provisorische Auffangstelle war die Ruhmeshalle im Arsenal. Im November kam dann das Lager Flessenow hinzu, das für 2500 Personen vorgesehen, jedoch gleich mit etwa 5000 Personen belegt werden musste und bis zum April 1946 von 120 000 Umsiedlern passiert wurde. Typhus und Fleckfieber forderten über 300 Opfer. Im Sommer 1946 trafen die Umsiedler aus dem Sudetenland ein, man erwartete einen Zustrom von 12 000 Personen. Die Bevölkerung des Kreises erhöhte sich von 32 000 auf 84 000 Personen. In Crivitz und Gadebusch stieg die Einwohnerzahl auf das Vierfache, in Retgendorf standen den zwölf Einheimischen 200 Umsiedler gegenüber („Landes-Zeitung“ vom 31. August 1948).

Mit Schreiben vom 20. Oktober 1947 der Umsiedlerabteilung an das Kreiswohnungsamt, zu finden im Landeshauptarchiv, wurde darauf hingewiesen, dass nach der Statistik vom 30. September 1947 noch nicht alle Gemeinden mit 100 Prozent Umsiedlern belegt seien, darunter werden u.a. Boldela und Lübesse genannt.

Nach dem Bericht von der Arbeitstagung der Landesverwaltung, Abteilung Umsiedler, im April 1946 in Schwerin bestanden zu diesem Zeitpunkt noch 41 Lager, welche von der sowjetischen Administration als Umsiedlerlager anerkannt waren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen