Geschichte Großer Dreesch : Wolfsgruben am Monumentenberg

Als Übungsplatz diente der Monumentenberg viele Jahre dem Militär verschiedener Machthaber. Heute befinden sich hier 150 Jahre alte Eichen und mächtige Findlinge.
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Als Übungsplatz diente der Monumentenberg viele Jahre dem Militär verschiedener Machthaber. Heute befinden sich hier 150 Jahre alte Eichen und mächtige Findlinge.

Ein Teil des Großen Dreesches in Schwerin diente vor 100 Jahren als Kriegsübungsplatz

svz.de von
26. November 2015, 10:50 Uhr

Wie viele andere größere Städte in Deutschland hat auch Schwerin seine Neubaugebiete aufzuweisen. Das größte, der weit vor der Stadt liegende Große Dreesch, entstand in den letzten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Das Flurstück wurde schon von vorangegangenen Generationen in vielfältigster Weise genutzt. Bereits in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts blieb ein Teil des Geländes, später auch der große Exerzierplatz genannt, militärischen Zwecken vorbehalten. 1813 bereiteten sich hier Soldaten der russisch- deutschen Legion auf ihren Einsatz gegen Napoleon vor.

In den 1848erRevolutionswirren übte sich an selber Stelle die Schweriner Bürgerwehr, ein Spektakel, welches auch zahlreiches Publikum vor die Tore der Stadt ziehen ließ. Schon bald nach Ausbruch des ersten Weltkrieges verwandelte sich der militärisch genutzte Teil des Großen Dreeschs in eine moderne Feldbefestigung. Am Südostabhang des Monumentenberges, oberhalb des Grünen Tales, entstand der komplette Nachbau eines Frontabschnitts, ausreichend für die Kriegsübungen eines Zuges von 60 bis 70 Mann. Es entstand ein ausgeklügeltes Grabensystem mit Hauptkampfgraben, sich von ihm wegwindenden Nebenarmen und Verbindungsgräben, Stellungen für Horchposten und ein Maschinengewehr. Auch an möblierte Unterstände und Latrinen für die Mannschaften war gedacht worden. Beschützt vor dem vermeintlichen Gegner wurde das Ganze durch zahlreiche Hindernisse, reichlich Stacheldraht und auf der Erde ausgelegte Schlingen, auch durch sogenannte Wolfsgruben, etwa 80 Zentimeter tiefe Löcher mit spitzen Holzpflöcken zum Aufschlitzen der Feinde und letztendlich durch Spanische Reiter, eine Konstruktion zusammengesetzter Holzstangen, durch welche kein Gegner hindurchkriechen konnte. Anfangs bemühte man sich um möglichste Geheimhaltung. Später entschloss man sich, die Grabenanlagen auch weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Interessenten fanden sich vornehmlich unter ehemaligen Soldaten und Teilnehmern an früheren Kriegen. Um die Anlagen in Augenschein zu nehmen, versammelte sich am Sonntag, dem 8. August 1915, eine Gruppe Altgedienter um 9 Uhr auf dem Alten Garten und marschierte geschlossen zum Großen Dreesch hinaus. Generalleutnant von Hoppenstedt, Exzellenz und Kontingentskommandeur, ließ es sich nicht nehmen, die Anwesenden persönlich zu begrüßen. Nach einer auf die Besonderheiten der Anlage hinweisenden Ansprache begab sich die Gruppe in die Schützengräben. Es folgte eine ausgiebige Besichtigung unter Führung eines Offiziers und mehrerer Unteroffiziere, welche bereitwillig und ausgiebig Auskünfte erteilten. Der Besuch der Anlagen war für die alten Krieger frei, jedoch waren auf dem gesamten Gelände Sammelbüchsen für freiwillige Gaben aufgestellt. Die Einnahmen wurden dem Roten Kreuz, dem Hilfswerk und anderen vaterländischen Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

Mit zunehmender Kriegsdauer erlahmte das Interesse der Bevölkerung am Kriegsgeschehen immer mehr. Bereits im darauffolgenden Jahr wurden von jugendlichen Tätern Teile der Anlage verwüstet und ein Feuer in derselben entfacht.

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