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Geschichte Schlosspark Wiligrad : Wildromantischer Park am See

vom
Aus der Onlineredaktion

Vom Schießplatz zurück zur historischen Schönheit – der Schlosspark in Wiligrad und seine turbulente Geschichte

Am Steilufer des Schweriner Außensees, etwa 30 Meter über dem Seespiegel, liegt das Schloss Wiligrad mit seinem wundervollen Park. Park und Schloss sind ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Besucher aus der 15 Kilometer entfernten Landeshauptstadt. Doch das war nicht immer so. Lange Zeit war dieses Kleinod unerreichbar und schon fast vergessen. Nur im Frühsommer fielen dem aufmerksamen Betrachter im Wald an der Straße zwischen Lübstorf und Wiligrad große violett leuchtende Blüten auf. Anwohner erzählten von einem schönen Rhododendron-Park. Ein großes Gelände war eingezäunt und bewacht. Was verbarg sich dort?

Erst nach der Wende löste sich das Rätsel. Wie bei der Rosenhecke des Dornröschenschlosses tauchten hinter dem Stacheldraht der einstigen Polizeischule das Schloss Wiligrad und der Park wieder auf. Ein Schloss, das Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg zwischen 1896 und 1898 mitten im Forst bei Lübstorf im Stil der Neorenaissance errichten ließ. Terrakottaplatten sollten dem Bauwerk eine interessante Note geben. Um das Schloss herum entstanden Wirtschaftsgebäude wie der Marstall, die Gärtnerei und ein ganz besonderer Park.

Armin Sckell, Hofgärtner des Belvedere in Weimar, der thüringischen Heimat der Gemahlin des Herzogs, Elisabeth Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach, entwarf die Pläne für den Schlosspark. Der herzogliche Förster Wilhelm Ahrens sorgte für die praktische Umsetzung. Seltene Pflanzen, die Herzog Johann Albrecht als Mitglied und späterer Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft von seinen Reisen nach Afrika und Asien mitbrachte oder auch geschenkt bekam, fanden ihren Platz im Landschaftspark. Die Rhododendronhaine machten die Anlage über Mecklenburg hinaus bekannt. Überhaupt wurde der Park 1930 zu den drei schönsten Mecklenburgs gezählt. Vom Schloss genoss man einen weiten Blick in die Gartenanlage bis zum mit Rhododendron umsäumten Schlossteich.

Sichtachsen gaben den Blick zum Marstall und auf die kleine Insel Rethberg im Schweriner See frei. Im 209 Hektar großen Park standen zahlreiche Gedenksteine, Denkmale und Kunstwerke. Treppen führten vom Steilufer hinab zum in halber Höhe verlaufenden laubengangartigen Hangweg und zum Spazierweg am Seeufer. Am parallel zum Seeuferweg verlaufenden romantischen Hangweg versteckten sich die Elisabeth-Quelle und die Elisabeth-Nische, ein Platz im Hang mit steinerner Bank und Tisch. Vielleicht waren es die Lieblingsplätze der Herzogin Elisabeth? Überliefert ist, dass die Quelle nach der ersten Frau des Herzogs benannt wurde.

Die Elisabethquelle mit steinernem Tisch und Bank
Die Elisabethquelle mit steinernem Tisch und Bank Foto: Elvira Grossert

Herzog Johann Albrecht starb 1920 in Wiligrad. Schloss und Park verblieben bis 1945 im großherzoglichen Besitz. Am 2. Mai besetzten englische und amerikanische Truppen den Ort. Hier wurde im Juni 1945 das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen unterzeichnet. Es regelte den Grenzverlauf und Gebietsaustausch zwischen der britischen und sowjetischen Besatzungszone. Später zogen zunächst ein Typhuslazarett und dann die SED-Parteischule ein.

Nach 1952 beanspruchten die Volkspolizei und deren Vorläufer das Areal. Die Errichtung einer Schießanlage und zweier Munitionsbunker zerstörte einen großen Teil des Parks. Bäume und Rhododendronbüsche wurden gerodet, Plastiken und Denkmale verschwanden, die Treppen und Wege am Steilufer verfielen. Als das Gelände 1990 wieder öffentlich zugänglich wurde, gab es nur noch Rudimente des legendären Parks.

Seit 1991 nutzt das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege die Räume und der Kunstverein Wiligrad zeigt Ausstellungen. Die Restaurierung des Areals begann 2003 mit der Übernahme durch die Verwaltung staatlicher Schlösser und Gärten beim Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL MV). „Als ich das erste Mal nach Wiligrad kam, war ich überwältigt. Die Lage ist einfach gigantisch. Ein 30 Meter hohes Steilufer, das kennt man auf Rügen, aber am Schweriner See? Einfach wunderbar!“, schwärmt Dietmar Braune vom BBL.

Zunächst wurden Elisabethquelle und der Brunnen restauriert. 2004 begann der Abriss der Schießanlage, um das Quellental Tre Fontane wieder herzustellen. Sichtachsen wurden frei geschnitten. Den Höhepunkt der Rekonstruktion bildete die Aufstellung des Braunschweiger Löwen 2014 – ein Nachguss der in den 50er-Jahren verschwundenen Plastik.

Die Parklandschaft, 19 Hektar der ursprünglich 209 Hektar großen Anlage, ist wieder so schön wie zu ihrer Entstehungszeit. 3000 neue Bäume, hauptsächlich Buchen und Kiefern, ergänzen Tulpenbaum, Gurkenmagnolie und 100-jährigen Rhododendron. „Das Besondere an Wiligrad, der wildromantische Stil, der Waldcharakter soll wieder entstehen“, wünscht sich Gartenbauingenieur Braune. Wildromantisch und voller überraschender Details ist der Park heute schon, speziell im Frühsommer, wenn der Rhododendron sein Farbfeuerwerk entfacht. Die Bäume für den einst dichten Wald um Wiligrad sind gepflanzt. Jetzt ist die Natur gefragt.

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