zur Navigation springen

Historie : Wie das Schachspiel nach Mecklenburg kam

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Geschichte des Brettspiels ist die Geschichte vieler kleiner Vereine

Das Schachspiel gelangte bekanntermaßen aus Indien über Persien zu den Arabern. Um das Jahr 780 gelangte es nach Spanien und setzte dann seinen Weg nach Frankreich fort, um sich danach über Holland nach Norddeutschland auszubreiten. Der mecklenburgische Landesverband war wegen seines landwirtschaftlichen Raumes der kleinste in Deutschland, brachte aber eine Reihe von Meisterspielern hervor.

So diente Anfang des 19. Jahrhunderts ein Hauptmann mit Namen A. L. Bilguer in einer Ludwigsluster Garnison. Er war ein guter und leidenschaftlicher Schachspieler, der seine Eigenschaften auf seinen Sohn Paul Rudolf (1815-1840) übertrug. Dieser schrieb das berühmte „Handbuch des Schachspiels“. Da er schon mit 25 Jahren an Tuberkulose verstarb, wurde das Werk erst nach seinem Tod herausgegeben. Der deutsche Schachmeister Hugo Süchting gehörte zu den mecklenburgischen Meistern. Er wurde 1874 in Brackrade geboren und machte 1910 Mecklenburg zu seiner Heimat. 1892 hat er das Kieler Hauptturnier des Deutschen Schachbundes gewonnen. Im Jahre 1911 wurde er Sieger beim Schweriner Kongress und schon fünf Jahre später mecklenburgischer Meister.

Weiter ist Karl Rothlaender zu nennen. Er wurde am 15. August 1863 in Schwerin geboren, übersiedelte aber danach nach Penzlin. In der mecklenburgischen Schachgeschichte gelangte er zu Ruhm. Er wurde 1892 und 1893 erster Sieger. 1932 zog er sich vom öffentlichen Schachspiel zurück.

Es wird berichtet, dass die Geschichte des Schachspiels nicht lediglich eine Geschichte der Meister ist, sondern auch der vielen kleinen Schachvereine (Schachklubs) und Schachkongresse. Hier seien die Namen von Justizrat Dr. Schliemann und A. Kliefoth aus Teterow genannt. Dr. Schliemann veranstaltete 1861 den ersten mecklenburgischen Schachkongress. Sieger des hiermit verbundenen Turniers wurde A. Kliefoth. Auch in den folgenden Jahren siegte er überlegen. Er gewann gegen den Lübecker Spitzenspieler Schunck und schlug auch den deutschen Schachmeister Graf Vitzthum von Eckstädt in Dresden. Ein furchtbares Gemütsleiden des Theologen Kliefoth unterbrach diesen Siegeslauf in tragischer Weise. Dann kam es zu einem Rückgang des Schachspielens. Ab dem 11. März 1906 ging es wieder aufwärts. In Rostock gründeten der Güstrower und der Rostocker Verein den „Mecklenburgischen Schachbund“. Eine große Umwälzung im deutschen Schach vollzog sich 1933. Alle Schachorganisationen wurden im „Großdeutschen Schachbund“ zusammengefasst. 1934 fand der Landeskongress in Schwerin statt. Der Neubrandenburger Vitense errang viermal hintereinander, von 1930 bis 1934, den Landesmeistertitel. Im Jahre 1935 wurde Fritz Biehl Sieger. Nach dieser Zeit kam der Schachsport in Deutschland zum Erliegen. Zu DDR- Zeiten wurde das Schachspiel wenig gefördert. Es waren die vielen kleinen Schachclubs in Dörfern und Städten, aus denen in Eigenverantwortung Meisterspieler hervorgingen. Zwischen 1972 und 1988 durften DDR-Schachspieler nicht mehr an Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Schacholympiaden teilnehmen. Der Grund war der sogenannte „Leistungssportbeschluss“. Großmeister Wolfgang Uhlmann bezeichnet diesen Beschluss als den Todesstoß für die Sektion Schach in der DDR. Allgemein wird die Zeit zwischen 1972 und 1988 als „schachliche Eiszeit“ in der DDR bezeichnet. Trotz dieser Maßnahmen kam der Schachsport während dieser Zeit auch in Mecklenburg nicht völlig zum Erliegen.

Adelheid Martens

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen