Theodor Körner : „Wenn ich falle, so begrabt mich dort“

Oft von Todesahnungen erfüllt: Körner mit Gefährten unter einer Eiche  Repro: Martens
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Oft von Todesahnungen erfüllt: Körner mit Gefährten unter einer Eiche Repro: Martens

Vor 200 Jahren starb der Dichter und Freiheitskämpfer Theodor Körner. Sein kurzes Leben, seine Grabstätte und eine Episode aus seinem Leben .

Am 23. September 1791 wurde der Dichter, Dramatiker und Freiheitskämpfer Carl Theodor Körner in Dresden als Sohn des Appellationsrates Dr. Ch. G. Körner und dessen Ehefrau Minna Körner geb. Stock geboren. Im Kindesalter und in der Jugend schwächelte seine Gesundheit. Bis zum 17. Lebensjahr besuchte er die Kreuzschule in Dresden, erhielt aber auch Privatunterricht. Auf Anraten seines Vaters besuchte er die Bergakademie in Freiberg. 1810 setzte er sein Studium an der Universität Leipzig fort. In dieser Zeit erschienen seine ersten Gedichte. Nach anschließender längerer Krankheit begab sich Theodor im August 1811 nach Wien.

Hier lernte er Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schlegel, aber auch die Schauspielerin Antonie Adamberger (seine spätere Verlobte) kennen. Für sie schrieb er das Drama „Toni“. Danach schuf er mit großen Erfolgen weitere Dramen, wie „Die Braut“, „Der grüne Domino“, „Der Nachtwächter“ und viele mehr. Am 9. Januar 1813 wurde er Kaiserlich Königlicher Hoftheaterdichter. Körner schrieb aber nicht nur Lieder und Gedichte über den Freiheitskampf, er selber war auch fest entschlossen, am Kampf gegen Napoleon teilzunehmen.

Am 19. März 1813 in das Freicorps des Majors Freiherr von Lützow eingetreten, wurde er bald danach sein Adjutant. Schon am 12. Juni erlitt er durch den Säbelhieb eines französischen Gegners eine schwere Verwundung am Kopf. Da er von einem Bauern am nächsten Morgen unter einer Eiche aufgefunden wurde, konnte sein Leben gerettet werden. Wieder genesen wurde er am 26. August auf der Straße zwischen Gadebusch und Schwerin von der tödlichen Kugel des Feindes getroffen. Es war sein Wunsch, unter einer alten Eiche in Wöbbelin seine letzte Ruhe zu finden.

Körner, so berichtete man, habe wenige Tage vor seinem Tod nach einem weiten und ermüdenden Ritt mit mehreren Kameraden im Schatten der gewaltigen Eiche gerastet. Beim Aufbruch habe sich plötzlich Todesangst seiner Seele bemächtigt. Sich noch einmal zu der Eiche umwendend, soll er die Worte gesprochen haben: „Wenn ich falle und ihrs möglich machen könnt, so begrabt mich dort, wo wir eben so schön ruhten.“ Den Platz zu seiner Bestattung in Wöbbelin stellte der Großherzog der Familie Körner zur Verfügung. Der Sarg Theodor Körners wurde mit Eichenzweigen geschmückt, aber wegen der Nähe größerer feindlicher Truppenansammlungen unter gedämpftem Trommelschlag und ohne Ehrensalven von seinen Kampfgefährten in die Erde gelassen. Als Abschiedsgruß stimmten die Kameraden Körners Lied „Das war Lützows wilde, verwegene Jagd“ an. Da fast kein Kamerad im Lager zurückgeblieben war, mangelte es an Platz um die Begräbnisstätte, so dass einige Kampfgefährten auf den Ästen der Eiche Platz nehmen mussten.

Es wurde berichtet, dass die Feier einfach, aber ergreifend war. Viele erprobte Soldaten konnten das Weinen nicht unterdrücken. Bevor sich die trauernden Kameraden auflösten, schnitten sie ein längliches Stück Rinde aus der Eiche. Feldwebel Markwordt brannte danach mit einem glühenden Eisen den Namen und den Todestag des gefallenen Dichters und Freiheitskämpfers in das Holz ein. Etwas später ist ein Kosak, der oft Zeuge von Körners Mut und Tapferkeit gewesen war, zurückgeritten und während das Grab zugeworfen wurde, soll er seine Pistole als Ehrensalut abgefeuert haben. Diesen Vorfall schildert die Zeichnung eines Lützower Jägers, die noch bis heute erhalten sein dürfte.

Nach später veröffentlichten Berichten der Eldezeitung und des Ludwigsluster Tageblattes fanden sich am Abend noch zwei weitere Besucherinnen am frisch geschlossenen Grab Körners ein. Es waren Julie Gahrtz (später verwitwete Rodatz aus Grabow) und ihre Freundin. Im April des Jahres 1813 war Theodor Körner auf dem Weg zu seinen Waffenbrüdern, dem Lützower Freikorps. Wahrscheinlich befand er sich, nachdem er am 6. April seinen Eltern in Dresden einen Besuch abgestattet hatte, auf dem Marsch nach Norden zur Unterstützung des Wallmodenschen Korps und machte auf seinem Weg nach Ratzeburg in Grabow bei Ludwigslust Rast.

Über die Begegnung Körners mit Julie Gahrtz konnte man der Presse entnehmen: „Bald nach seiner Ankunft wurde in dem kleinen mecklenburgischen Städtchen ein Ball gegeben, an dem Körner teilnahm. Ein junges Mädchen, Julie Gahrtz, zeichnete er durch Tanz und Unterhaltung aus. Am Tage darauf fand das Begräbnis eines jungen Offiziers statt, der den Anstrengungen des Krieges erlegen war. In dem Augenblick, als Julie Gahrtz einen von ihr gebundenen Kranz am Sarge des Verblichenen niederlegte, trat Körner ins Zimmer, sah bewegt den toten Kameraden und dankte dem jungen Mädchen für diese Blumengabe. Als er ging, sagte er, immer von Todesahnungen erfüllt, traurig zu ihr: „Sollte ich fallen, würden Sie mir dann auch einen Kranz bringen?“ Sie antwortete: „Wenn ich es machen kann, ganz gewiss.“

Als Körner etwa vier Monate später bei Rosenberg fiel (26. August 1813) und seine Leiche nach Wöbbelin gebracht wurde, kam die Trauernachricht auch nach Grabow. Julie Gahrtz band einen Blumenkranz und fuhr, um ihr Wort einzulösen, mit einer Freundin nach Wöbbelin. Da sie spät am Tage davon erfuhr, kam sie erst gegen Abend an, als Theodor Körner bereits begraben war. Treu ihrem Versprechen, legte sie den geflochtenen Kranz auf des Helden frisches, soeben geschlossenes Grab“, so der Bericht.

Schon im Jahre 1815 starb erst 27-jährig Körners Schwester Emma an Nervenfieber und wurde an seiner Seite beigesetzt. Sie war von Beruf Kunstmalerin und schuf u.a. auch mehrere Portraits ihres Bruders. Den Vater des Dichters Dr. Ch. G. Körner, einen Freund Schillers, bestattete man im Jahre 1831 auf dieser Familiengrabstätte. 1832 folgte die Kunstmalerin Dora Stock, die Tante Theodors. Als letzte der Körnerfamilie verstarb die Mutter des Dichters im Jahr 1843. Auch sie fand ihre letzte Ruhestätte in Wöbbelin. Der Tag, an dem Theodor Körner im Freiheitskampf gegen Napoleon fiel, jährte sich am 26. August dieses Jahres zum 200. Mal. Er war ein Dichter, der sein Leben für die Befreiung seines Vaterlandes einsetzte.


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