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Alte Kantorei Rostock : Wenn die schmale Kasse ein Glücksfall ist

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dank fehlender Mittel für den Umbau blieb in Rostock ein von Gotik und Renaissance geprägtes Haus erhalten

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 14:09 Uhr

Die Alte Kantorei Am Ziegenmarkt 4 ist eines der wertvollsten Baudenkmale Rostocks. In der Denkmalliste wird das Haus unter der Nummer 4.3.67 geführt und bewahrte sein besonders von Gotik und Renaissance geprägtes Antlitz vor allem dadurch, dass über Jahrhunderte die Mittel zum grundlegenden Umbau fehlten.

Das 13. Jahrhundert gilt als Ursprung des einstmaligen Wohn- und Lagerhauses, das im Ensemble rund um die Marienkirche einen gewichtigen Platz einnimmt und lange Jahre als Kantorei diente. Während an der östlichen Vorderfront die Jahreszahl 1731 von damaligen Veränderungen berichtet, zeigt sich die Hofseite noch immer im spätgotischen Gewand des 16. Jahrhunderts.

Das Innere des Hauses hält weitere bauliche Schätze vergangener Jahrhunderte bereit. Die Kemlade an der Hoffront ist ebenfalls ein Zeugnis gotischen Bauens. Die in der Mitte des 18. Jahrhunderts nördlich hinzugefügte Bude ist ein ganz seltenes Beispiel für spätere Anbauten, die für das Wohnen der unteren Bevölkerungsschichten in Rostock charakteristisch ist. Die Bude hatte im Erdgeschoss einen Wohnraum und im Obergeschoss zwei Schlafplätze.

Im Laufe der Zeiten hatte das Haus diverse Nutzer. So sind beispielsweise 1858 der Kaufmann Schmidchen und der Advokat C. H. Bau gemeldet. 1870 sind der Schaffner Grünow, der Agent G. T. Berg und der Handschuhmacher W. Striesenau ansässig. Der Bankdirektor G. T. Berg, Direktor der Rostocker Gewerbebank, wohnte 1890 im Haus. 1922 wohnten in dem der Marienkirche gehörenden Gebäude der Buch- und Akzidenzdrucker E. W. Holz und der Briefmarkenhändler Otto Holz. 1935 war Otto Milke gemeldet. Er betrieb das Fenster- und Fußbodenreinigungsinstitut Fortuna. 1950 war die Fotografenmeisterin Margarete Brauer Mieterin in dem Haus am Ziegenmarkt.

Nach umfänglichen Umbau- und Sanierungsarbeiten bezog die Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern das Gebäude. In den ebenfalls sorgfältig hergerichteten historischen Räumen des Erdgeschosses befanden sich über einige Jahre das Gemeindebüro von St. Marien und das Büro des jeweiligen Pastors. Seit deren Auszug nutzt die Akademie das Haus alleine. Die schöne Diele steht für Gesprächsrunden zur Verfügung. Im Kellergeschoss hat der Christliche Verein junger Menschen seinen ansprechenden Sitz.

 


 

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