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Rothener Hof : Weihnachtskrippen aus aller Welt

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Rothener Hof ist am 12. und 13. Dezember die Krippensammlung von Helga Zimmermann aus Mestlin zu sehen

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2015 | 09:00 Uhr

Weihnachtskrippen erzählen mehr als die Geschichte der Geburt Jesu. Sie erzählen von Hoffnung und Zuversicht und dem Glauben, dass alles gut werden kann – und das überall auf der Welt. Aus Panama und Peru, North Dakota und Mexiko, Polen, der Slowakei, Israel und vielen anderen Ländern kommen die Krippen, die Helga Zimmermann aus Mestlin in ihrer Sammlung zusammengetragen hat. Am dritten Adventswochenende, dem 12. und 13. Dezember, werden sie im Ausstellungsraum des Rothener Hofs in Rothen bei Sternberg gezeigt.

Helga Zimmermann kann sich gut an ihre erste Krippe erinnern. Die stammte aus dem Unterammergau – und die Schönheit der Schnitzfiguren und das weihnachtliche Geschehen bewegten sie sehr. Und weil die 80-Jährige, wie sie selbst sagt, von „Natur ein Sammlertyp ist“, war in diesem Moment der Wunsch nach weiteren Krippen geboren. Der allerdings war in Zeiten der DDR nicht einfach zu erfüllen. Entsprechende Produkte aus erzgebirgischen Schnitzwerkstätten kamen gar nicht erst in den Handel. Lediglich mit Hilfe einer Freundin, die in Zwickau ein Kunstgewerbegeschäft betrieb, konnte die Sammlerin ein bisschen „unter dem Ladentisch“ einkaufen.

Die große Welt der Weihnachtskrippen öffnete sich für Helga Zimmermann erst nach der Wende. Jetzt suchte sie ihre Krippen vor Ort aus: in Mexiko und Israel, Polen, der Slowakei und Italien. „Außerdem habe ich mir Krippen gewünscht, wenn Kinder, Freunde und Verwandte auf Reisen gingen“, sagt die Mestlinerin.

Sie ist fasziniert davon, wie die gleiche Geschichte immer wieder neu erzählt wird und Traditionen der Völker dabei ganz selbstverständlich einfließen. Die indianische Krippe zeigt keinen Stall, sondern ein Tipi, in dem statt Ochs und Esel Büffel und Kojote stehen. Und die Figuren der afrikanischen Krippen sind selbstverständlich alle schwarz – einschließlich der heiligen Familie. Es gibt Krippen aus Holz und Ton, aus Bienenwachs und Glas, Wolle und Plastik. Rund 100 sind es und sie stammen von fast allen Kontinenten. Nur Australien ist noch nicht dabei.

Zu vielen Stücken der Sammlung gibt es eine Geschichte – zum Beispiel die von einem Mann, der taub und blind aus dem Krieg zurückgekehrt war und danach begann, Pappmaché-Figuren für Krippen zu gestalten, die andere für ihn bemalten. Als Helga Zimmermann eine Bestellung aufgeben wollte, hatte sich der Künstler bereits zur Ruhe gesetzt. Er überließ ihr seine allerletzte Krippe – allerdings unbemalt. „Und genau so ist sie auch geblieben“, sagt die Sammlerin. Ihre schönste Krippe? „Das kann ich nicht beantworten. Wenn ich eine neue bekomme, ist immer sie die schönste.“ Vielleicht ist es aber auch das wertvolle Stück aus Muranoglas. Oder die schlichte Blechkrippe aus Mexiko. Für Helga Zimmermann spiegelt sie wie kaum eine andere den Frohsinn einfacher Menschen, deren Herz nicht an materiellen Dingen hängt. „Jeder, der einmal gesehen hat, wie arm die Menschen sind und mit welcher Freude sie das Leben genießen, muss nachdenklich werden, wenn er in unsere Welt zurückkehrt“, sagt sie.

Mexiko ist auch das Land, in dem bei den traditionellen Krippenspielen die Herbergssuche von Maria und Josef im Mittelpunkt steht. Daran muss die 80-Jährige derzeit oft denken, wenn sie Menschen auf der Suche nach Schutz vor Krieg und Terror nach Deutschland kommen sieht. „Ich bin selbst ein Flüchtlingskind. Als wir 1946 aus Schlesien kamen, trug ich meinen Schulranzen auf dem Rücken, unter dem einen Arm ein zusammengerolltes Kissen und in der anderen Hand eine Tasche mit etwas zu essen“, erinnert sie sich. Die Weihnachtskrippe musste zurückbleiben, die erste Krippe in der neuen Heimat Sachsen war ein Papiertransparent, hinter das eine Kerze gestellt wurde.

Hoffnung. Das ist es, was Weihnachtskrippen ausdrücken und was viele Menschen bewegt. Geborgenheit, ein Neuanfang, Frieden. Deshalb ist es für Helga Zimmermann auch nicht wichtig, Krippen um jeden Preis zu besitzen. Sie freut sich auch an solchen, die ihr nicht gehören – und darüber, dass nach Ausstellungen häufig Besucher sagen: Ich habe doch auch noch irgendwo eine Krippe, die werde ich dieses Jahr mal hervorholen.

 

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