Dränung oder Drainage : Wasser in geregelten Bahnen

Die Dränrohrpresse wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England entwickelt.
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Die Dränrohrpresse wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England entwickelt.

Wie ein Verfahren zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit zum Problem für den Autobahnbau wurde

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26. November 2015, 09:32 Uhr

Beim Bau der Autobahn 20 wurden auf der Trasse zahlreiche vermeintliche Quellen gefunden. Bei näherer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass die Bautrupps bei der Herstellung des Planums auf alte Dränanlagen gestoßen waren. Wurden diese unterbrochen, floss das Wasser wie aus einer Quelle.

Die alten Drainage-Pläne mussten her. Allerdings war es in den meisten Fällen aufgrund der unzureichenden und unsystematischen Archivierung kaum möglich, die Unterlagen zu finden. So musste häufig mit hohem Aufwand eine Lösung für die Ableitung des Wassers gefunden werden.

Doch was hat es mit der Drainage oder – moderner ausgedrückt – der Dränung auf sich?

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in der Landwirtschaft in Europa ein neues Verfahren eingeführt, das die Bodenfruchtbarkeit dauerhaft erhöhen sollte. Die Drainage war eine Methode zur Entwässerung staunasser Ackerflächen durch in den Boden eingebrachte Rohrleitungssysteme. Vorreiter dafür war die englische Landwirtschaft. Bereits 1652 stellte Captain Walter Bligh eine Methode vor, Äcker mit Hilfe tiefer Gräben, die mit Reisig oder Steinmaterial aufgefüllt waren, zu entwässern.

Noch effektiver wurden die Methoden zur Ackerentwässerung, als in England in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Ziegelindus-trie Pressen zur Herstellung von Dränrohren entwickelt wurden. Dieses Verfahren verbreitete sich in den 1840er-Jahren nicht nur in England. Im Jahre 1847 fand in Kiel eine Versammlung deutscher Land- und Forstwirte statt, auf der die Methode vorgestellt wurde. In Holstein hatte Baron von Cramm bereits eine Röhrenproduktion mit englischen Rohrpressen eingeführt und seine Besitzungen entwässert, ebenso der Gutsbesitzer Hirschfeld aus Groß Nordsee bei Kiel. Im selben Jahr ließ Johann Pogge sein Gut Roggow im Amt Güstrow dränieren.

Bei dem Verfahren wurden Dränsysteme, bestehend aus Saugern und Sammlern, die an die Vorflutgräben angeschlossen waren, hergestellt. In Mecklenburg, das neben Schleswig-Holstein zu diesem Zeitpunkt führend bei der Ackerentwässerung war, wurden nach Kreuter bis 1854 etwa 1500 bis 1800 Joch dräniert – das war eine Fläche, die 864 bis 1036 Hektar entspricht.

Die staunassen Böden waren in erster Linie in den eiszeitlichen Grundmoränenlandschaften vorhanden. Das waren wiederum die Landschaften mit dem ehemals überwiegenden ritterschaftlichen Grundbesitz. Die Gutsbesitzer ließen in der Folge in großem Umfange ihre Äcker dränieren.

Untersuchungen der Wissenschaftler wiesen nach, dass der Effekt der Dränung nicht nur in der Entwässerung, sondern auch in der Erhöhung des Bodenluftvolumens und der für die Pflanzen verfügbaren Bodenwasserkapazität bestand, was eine verbesserte Bodenstruktur zur Folge hatte.

Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in größerem Umfange Dränungen ausgeführt. Im Jahre 1934 wurde gar eine Dränanweisung herausgegeben, die die Verfahren auf wissenschaftlicher Grundlage standardisierte und auch für die TGL der DDR – die den westdeutschen DIN-Normen entsprechenden Standards – noch einige Grundlagen lieferte. Nach dem 2. Weltkrieg kamen veränderte Verfahren zum Einsatz. Zunächst war das auf geeigneten Böden die Maulwurfsdränung, bei der mit einem Spezialpflug unbefestigte röhrenförmige Hohlgänge hergestellt wurden. In der DDR wurde in den 1960er- Jahren ein Verfahren der „plastfolienverrohrten Maulwurfsdränung“ eingeführt. Bei diesem wurde auf Rollen gewickelte PVC-Folie durch das Drängerät in den Maulwurfsdrän eingebracht und dabei röhrenförmig verformt. Das Verfahren fand aber keine große Verbreitung. Es wurde später durch vorgefertigte PVC-Dränrohre abgelöst, die in Gräben verlegt wurden, ein Verfahren, das in großem Umfang durchgeführt wurde.

Da die A 20 sich gerade in der von Grundmoränen dominierten Landschaft befindet, ist das eingangs genannte Problem längs der Trasse häufiger aufgetreten.

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