Tierwelt MV : Was für ein gewaltiger Appetit!

Im Juli hauen sich die Tiere mit Vorliebe den Bauch voll und kümmern sich gleichzeitig fürsorglich um ihren Nachwuchs

svz.de von
24. Juni 2016, 00:00 Uhr

Im Juni erhascht die Natur am meisten Licht und Sonne. Der 21. Juni ist bekanntlich der längste Tag. In Nordeuropa, zum Beispiel ganz oben in Norwegen, geht die Sonne um diese Zeit überhaupt nicht unter (Mittsommernächte) Dort kann man sogar um Mitternacht durch die Natur spazieren. Was bringt uns der Juni noch? Nun, auf den Feldern beginnen die Getreidearten zu blühen.

Es beginnt mit dem Roggen, dessen Blüten den „Frühsommer“ einleiten. Hafer, Weizen und Gerste folgen etwas später. Heute, in der Zeit einer extremen Wildkräuterbekämpfung in den Getreidebeständen, ist es sehr selten geworden, dass an den Feldrändern bunte Sträuße von Klatschmohn, Kornblumen, Ackerrittersporn oder sogar Kornraden gepflückt werden können. Es soll aber noch Landwirte geben, die einige Meter am Rand nicht „begiften“. Naturfreunde und Imker werden es ihnen danken.

Auch die in der Feldlandschaft vorhandenen Hecken blühen jetzt. Wildrosen und Weißdorn sind die auffälligsten und schönsten Arten. Manchmal ist noch Schneeball, Holunder oder Waldgeißblatt eingestreut. Die Weißdornblüten werden von den prächtig schillernden Rosenkäfern gern aufgesucht. Die ökologische Bedeutung von ausreichend breiten Heckenstreifen in der Feldlandschaft ist enorm. Bis zu 50 Arten höherer Pflanzen und einige Tausend Tierarten wurden in Heckenstreifen gezählt. Bei fünf Meter breiten Hecken kommen auf 100 Meter Heckenlänge ein bis drei Vogelbrutpaare, etwa Neuntöter, Grasmücken, Heckenbraunelle, Zilpzalp oder Sumpfrohrsänger. Auf naturnahen Wiesen, die leider fast nur noch in Naturschutzgebieten erhalten sind, oder auch in manchen Wäldern blühen im Juni einige Orchideenarten. Knabenkräuter, Frauenschuh, Sumpfsitter und Sumpfglanzkraut gehören dazu.

Unsere Singvögel sind im Juni mit der Aufzucht der Jungvögel beschäftigt, so- dass viele Arten jetzt nicht mehr so intensiv singen wie im Mai. In Teichen und Seen gibt es nun viele Kaulquappen, die willkommene Nahrung für die Wasservögel
sind. Besonders die Seeschwalben des Binnenlandes, die Flußseeschwalbe, Weißbartseeschwalbe und die Trauerseeschwalbe bringen ihren Jungen gern Kaulquappen, gehen aber auch auf die Jagd nach Libellen oder kleinen Fischen. Die Graugänse führen nun schon ziemlich halbstarke Gössel, die bald erwachsen sein werden und einige Entenarten, wie Schnatterente, Tafelente oder Löffelente sind ebenfalls mit ihrem Nachwuchs unterwegs. An warmen Abenden machen sich im Juni die Wasserfrösche und Laubfrösche lautstark bemerkbar. Auch Kreuzkröten und Wechselkröten rufen am Abend weithin hörbar. Auf den Wiesen geht die Zahl der blühenden Pflanzen und damit auch die Zahl der sich von ihnen ernährenden Insektenarten dem Höhepunkt entgegen. Überall schaukeln Schmetterlinge von Blüte zu Blüte, Hummeln und Bienen trinken den süßen Nektar, Libellen jagen sich gegenseitig und die gut getarnten Krabbenspinnen auf den Blüten warten auf Insektenbeute. Wandern wir an einem Bach entlang, der einige Steilhänge besitzt, entdecken wir mit etwas Glück den „fliegenden Edelstein“ unter unseren heimischen Vögeln– den Eisvogel. Sein buntes Gefieder glänzt in einem schönen Blau. Er hat an einem Steilhang eine Röhre in das Erdreich gegraben und zieht in der Erdhöhle seine Jungen auf. Unermüdlich haben die Eisvogeleltern zu tun, mit kleinen Fischen dem laut bettelnden Nachwuchs die ewig hungrigen Mägen zu stopfen. Auch andere Vogelarten besiedeln gern den Bachrand: Zaunkönig und Wasseramsel, Gebirgsstelze und Rotkehlchen entdecken wir hier. Ein kleiner Kescher hilft, die interessante Tierwelt des Tümpels oder eines Baches genauer zu erkunden.

Wenn wir einige Kaulquappen fangen und in einem Glasbecken (Aquarium) zusammen mit Wasserpflanzen unterbringen, können wir beobachten, wie sich die Tiere in kleine Frösche oder Kröten verwandeln. Aber dann ist es an der Zeit, sie schleunigst wieder in die Natur zu entlassen, denn alle Lurcharten stehen unter Naturschutz. Spannend ist es auch, Wasserspinnen zu halten, die aus Luft unter Wasser eine kleine Tauchglocke basteln. Interessant sind Stichlinge im Aquarium. Die Stichlingsmännchen bauen ein Nest, in welches das Weibchen die Eier ablegt.

Erich Hoyer

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