Aberglaube : Wäsche hängen? Lieber nicht!

Wäsche auf der Leine? In den Zwölften laut einem weit verbreiteten Aberglauben lieber nicht. Denn in diesen Tagen sollten sich leicht Geister darin verfangen.

Wäsche auf der Leine? In den Zwölften laut einem weit verbreiteten Aberglauben lieber nicht. Denn in diesen Tagen sollten sich leicht Geister darin verfangen.

Jahrhundertelang spukte nach Heiligabend mehr als ein Aberglaube durch die Köpfe der Menschen.

von
22. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Die zwölf Tage und Nächte vom ersten Weihnachtstag bis zum Dreikönigstag – also vom 25. Dezember bis 6. Januar – werden als die Zwölften oder auch Rauhnächte bezeichnet. An diese Tage knüpft sich viel Aberglauben. Wer hat nicht schon davon gehört, dass zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche gehängt werden darf? Ungemach, Unglück, ja im schlimmsten Fall sogar Tod, könnten die Folge sein – würden sich doch in der frei flatternden Wäsche möglicherweise böse Geister festsetzen.

„In den Twölften geiht de Böse ümher“, sagte man zum Beispiel in Goldberg. Auch von umherziehenden Fabelwesen war die Rede: „Fru Gaud“ zeigte sich in den Zwölften. „De Drak treckt hauptsächlich in de Twölften“, wusste man in Parchim. In Broock schoss man in den Zwölfen zur Abwehr der bösen Wesen in den Brunnen.

Umfangreich war die Liste der Verbote: Neben der bereits erwähnten Wäsche durften Frauen nicht spinnen und kein Brot backen. Der Name des Wolfs durfte nicht genannt werden, so sehr fürchtete man ihn.

Doch woher kam dieser Aberglaube? Es war die dunkle, geheimnisvolle Zeit, die Übergangszeit „zwischen den Jahren“, die in den Menschen die Ängste vor bösen Mächten weckte. Die Volkskundlerin Heike Müns vermutet hinter der angeblichen Dämonenfurcht jedoch auch andere Motive: „Die hier in den Sagen benannten Verbote für bestimmte Arbeiten beispielsweise boten die Legitimation für freie Zeit, den Anlass, sich von körperlicher Arbeit zu erholen.“

Sie verweist auf die tief im Volk verwurzelte Erinnerung an die Wolfsplagen: „Nicht zu unterschätzen ist wohl auch ein realer Grund für die Ängste vor einem Aufenthalt nachts in den Winternächten, wenn draußen heulende Töne zu hören waren“.

Es verwundert nicht, dass der mecklenburgische Herzog Gustav Adolf am 14. Dezember 1683 eine Verfügung zur „Abbestellung des abergläubischen Wesens in den Zwölften“ verabschiedete, weil selbiges „überall dergestalt eingerissen und überhand genommen“ habe. Zur Abschaffung der verschiedenen „abergläubischen Dinge“, mit welchen sich die Untertanen zu beschäftigen pflegten, legte der Herzog verschiedene Punkte vor. Das erste Verbot galt der Wettervorhersage anhand der zwölf Tage bis zum 6. Januar: „Die so genandte zwölff Tage als abergläubisch nicht observiren, noch das Gewitter des gantzen Jahres darnach abnehmen und urtheilen“ ließ der Regent den Untertanen ausrichten. Auch der mit dem Wolf verbundene Aberglaube war dem Herzog ein Dorn im Auge und er empfahl, diesen „fahren zu lassen“.

Ob die Bemühungen des Herzogs Erfolg hatten – wer weiß. So mancher Aberglaube ist heute noch tief verwurzelt – man denke nur an die Begegnung mit schwarzen Katzen und die Angewohnheit, auf Holz zu klopfen. Und nicht zuletzt wurzelt auch das Abschießen von Böllern und Raketen in der Silvesternacht in dem Wunsch, böse Geister fernzuhalten, die bevorzugt an der Jahresschwelle lauerten. Wer früher ein Gewehr besaß, nutzte dieses, um es Silvester abzuschießen, vorzugsweise in einen Brunnen, um den Knall zu verstärken. Dieser Brauch wurde nicht nur am Silvestertag, sondern auch bei Hochzeiten ausgeübt.

Dagegen wandte sich am 12. Dezember 1768 der mecklenburgische Herzog Friedrich, genannt der Fromme, mit einer Verordnung, die das „Verbot des Schießens in der Nähe von Gebäuden“ beinhaltete. Er beklagte darin, die „sträfliche Gewohnheit, so wohl in der Neu-Jahrs-Nacht, als auch besonders auf Hochzeiten bey den Zügen zur Kirche und Trauung, imgleichen auf den Höfen und selbst aus den Häusern, wenn solche gleich mit Stroh gedeckt und mit Futter angefüllet sind, heftig und vielfältig zu schießen.“

Auch die Gründe für das Verbot lieferte der Herzog gleich mit: „Wodurch nicht allein unter den Schiessenden selbst, die mit Gewehr nicht umzugehen wissen und es daher aus Unwissenheit oder auch in Trunkenheit überladen, öftere Verletzungen ihrer Glieder erfolgen, sondern auch die größte Feuers-Gefahr entstehet, und schon mehrmalen eine würkliche Feuersbrunst veranlasst ist.“

Wer also künftig weiterhin zu lustbaren Anlässen ein Gewehr abschoss, musste mit fünf Talern Strafe rechnen. Zehn Taler Geldbuße oder „schwere Leibes-Strafe“ drohten auch den Amts-, Guts- und Stadtobrigkeiten, die solches duldeten und die Missetäter nicht der Bestrafung zuführten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen