Schweriner Schulgeschichte : Von Schule bis Shakespeare

Die Budde-Hense-Töchterschule in der Schweriner Arsenalstraße
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Die Budde-Hense-Töchterschule in der Schweriner Arsenalstraße

Carl Conrad Hense war der Leiter des Fridericianums und ein Freund der Dichtkunst.

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29. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Die Zukunft eines Landes liegt in der Bildung seiner Kinder. Selbst im rückständigen Mecklenburg setzt sich diese Erkenntnis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend durch. Im
Gegensatz zu den ritterschaftlichen Grundbesitzern, die wirkliche Bildung ihrer Gutsangehörigen zu verhindern suchen, bemüht sich das aufstrebende Bürgertum in den Städten, das Schulwesen zu verbessern und voranzubringen. Zahlreiche, zum Teil hervorragende Pädagogen, zieht es nach Schwerin. Ihre Namen findet man auf keinem Straßenschild in der Stadt, aber die Gräber einiger
weniger blieben uns auf dem Alten Friedhof der Landeshauptstadt erhalten. Nicht weit entfernt von der von Hofbaurat Theodor Krüger erbauten Kapelle befindet sich die Grabanlage Hense, Budde, Bassewitz. Wohl in keinem anderen Grab spiegelt sich die Schulgeschichte der Stadt wider wie in diesem. Drei Generationen Schweriner Pädagogen ruhen hier.

Untrennbar ist der Name Hense mit dem Gymnasium Fridericianum verbunden, ebenso mit der Hense-Budde Töchterschule, einem Vorläufer des Städtischen Lyzeums am Totendamm. Das Oberhaupt der Familie Hense, Carl Conrad, wird am 23. Januar 1813 in Eisleben geboren. Nach den militärischen Erfolgen der Franzosen in Mitteldeutschland ist die ehemals Kursächsische
Stadt auf Befehl Napoleons dem Königreich Westfalen einverleibt worden. Die Einkünfte seines Vaters als Bäckermeister ermöglichen Conrad den Besuch des Gymnasiums seiner Vaterstadt. Und wie der bedeutendste Sohn seiner Heimatstadt, Martin Luther, entscheidet er sich für Religionswissenschaften, studiert von 1831 bis 1836 in Halle und Berlin Theologie, und nebenbei Philologie. 1836 promoviert er an der Universität Halle-Wittenberg und tritt anschließend in den Schuldienst. Nach Anstellungen an den Gymnasien in Salzwedel, Halberstadt und Eisleben wird er zu Ostern 1863 als Direktor an das Friedrich-Franz-Gymnasium in Parchim berufen. Seinen beruflichen Höhepunkt erreicht er, als ihm 1875 die Leitung des Gymnasiums Fridericianum in Schwerin übertragen wird.

Sieben Jahre leitet er die in humanistischer Tradition geführte Lehranstalt, bis ihn 1882 ein Augenleiden zwingt, seine Lehrtätigkeit aufzugeben. Bereits 1878 ist ihm vom Landesherrn für seine Verdienste um das mecklenburgische Schulwesen das Ritterkreuz vom Großherzoglichen Hausorden der Wendischen Krone verliehen worden. Seine öffentlichen Vorträge über die Shakespeare’schen Dichtungen oder über die dramatische Poesie der Griechen erfreuen sich in der Stadt allergrößter Beliebtheit. Probleme bereitet seinen Zuhörern sein Mansfelder Dialekt. Manch einem gelingt es nur mit Mühe, seinen Ausführungen zu folgen.

Hense verfasst zahlreiche Schriften über Dichtung in Vergangenheit und Gegenwart. Shakespeare aber bleibt seine Hauptleidenschaft. 1884 fasst er seine Studien in einem stattlichen Band unter dem Titel „Shakespeare, Untersuchungen und Studien“, zusammen. Es gilt als eines der bedeutendsten Werke, die in Deutschland über den Dichter erschienen sind. Carl Conrad Hense stirbt am 5. März 1888 im Alter von 75 Jahren. Vier Tage später wird er unter großer Anteilnahme auf dem heutigen Alten Friedhof beigesetzt. Die Schüler der Prima, Sekunda und Tertia des Gymnasiums Fridericianum schreiten dem Leichenzug, der am Trauerhaus beginnt, voran. Dem vierspännigen Leichenwagen folgen zahlreiche Trauernde, darunter auch eine Abordnung des Friedrich-Franz-Gymnasiums in Parchim, dessen Direktor Hense lange Jahre gewesen war. Henses Frau Therese, geb. Vogel, stirbt zehn Jahre nach ihm am 24. April 1898, und ruht an seiner Seite. In die Fußstapfen Carl Conrad Henses tritt seine Tochter Hedwig.

Hedwig Hense wird am 2. Dezember 1847 in Halberstadt geboren. Hier, unweit des Harzes und der Magdeburger Börde, verbringt sie die ersten Jahre ihrer Kindheit. Über die weiteren Wirkungsstätten des Vaters, Salzwedel und Parchim, gelangt sie 1875 mit den Eltern nach Schwerin. Die Entscheidung, selbst Pädagogin zu werden, ist längst gefallen. Nach Ablegen des Lehrerinnenexamens in Stettin reist sie nach Paris, um dort ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Zurückgekehrt in die Residenzstadt wird sie an der Oertlingschen Mädchenschule angestellt. Noch liegt das höhere Mädchenschulwesen vollständig in privaten Händen. Die Schulen, meist nur mit wenigen Klassen, wurden nach ihren Leiterinnen, die zugleich auch Besitzerinnen waren, benannt.

1885 übernimmt Hedwig Hense durch Kauf die Vierecksche Höhere Töchterschule, deren Leitung sie, ab 1902 im Verein mit Charlotte Budde, 25 Jahre lang ausübt.

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