Filmdorf Buchholz : Von Moorhund und Daniel Druskat

Szene aus dem Film „Daniel Druskat“, der 1975/76 gedreht wurde.  Repro: Borth
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Szene aus dem Film „Daniel Druskat“, der 1975/76 gedreht wurde. Repro: Borth

Das an der Landesgrenze zu Brandenburg liegende Buchholz darf sich als Filmdorf bezeichnen

svz.de von
15. September 2017, 12:00 Uhr

Unmittelbar an der Landesgrenze zu Brandenburg liegt in der Nähe der Elde-Mündung das Filmdorf der Mecklenburgischen Seenplatte. Als solches darf sich Buchholz durchaus bezeichnen. Immerhin entstanden hier mindestens 509 Filmminuten, das heißt mehr als 8,48 Stunden. Über neun Monate dauerte 1975/76 allein der Dreh des fünfteiligen Fernsehfilms „Daniel Druskat“, den es heute nicht nur auf DVD (DDR TV-Archiv), sondern auch als Stream online zum freien Download gibt.

Eineinhalb Jahrzehnte zuvor war 1960 an gleicher Stelle „Der Moorhund“ gedreht worden, der am zweiten Weihnachtsfeiertag seines Produktionsjahres im Berliner Kino Babylon und im Kulturhaus der deutschen Grenzpolizei seine Premiere erlebte. Der Schwarzweißfilm war ein ideologisch gefärbter Kinderfilm, der die Arbeit der Grenztruppen der DDR als Vorlage für ein spannendes Ferienabenteuer nahm. Die zeitgenössische Kritik lobte ihn, kritisierte aber, dass der kleine Held Klaus für sein Betreten des verbotenen Sperrgebietes nicht zur Verantwortung gezogen wird.

Der Zwölfjährige war in den Ferien nach Garnegen (Buchholz) gereist, wo sein Vater (Günther Simon) als Oberleutnant die Grenztruppen führt und ein weitläufiges Moorgebiet überwacht, in dem ein geheimnisvoller Moorhund hausen soll. Mit dem kommt der Ferienjunge Klaus in Kontakt. Er kann sein Zutrauen gewinnen und schließlich den Fischer aus dem Ort, das Herrchen des im Moor versteckten Schäferhundes, als feindlichen Agenten enttarnen.

Während beim „Moorhund“ die Verhaftung am Ende des Filmes steht, beginnt der 15 Jahre später in Buchholz entstandene Fernsehroman mit einer solchen. Daniel Druskat (Hilmar Thate), Vorsitzender der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in Altenstein, wird festgenommen.

Was hat sich der angesehene und überzeugte Genosse zuschulden kommen lassen? Druskats halbwüchsige Tochter (Sabine Elsholz), sucht Antworten bei Max Stephan (Manfred Krug), Vorsitzender der LPG im Nachbardorf Horbeck. Zwischen Stephan und ihrem Vater, langjährige Freunde und erbitterte Rivalen zugleich, war es erst wenige Monate zuvor wieder einmal zu einer offenen Konfrontation gekommen.

Großspurig hatte Stephan das Ansinnen Druskats zurückgewiesen, aus beiden Genossenschaften eine leistungsstarke Kooperative zu bilden. Der clevere Organisator Stephan hält nichts davon, sich mit den weit weniger erfolgreichen Altensteinern zusammenzutun. Druskat hatte ihm und seinen unlauteren Methoden den Kampf angesagt. Zeugin der Auseinandersetzung war auch Hilde (Ursula Karrusseit), die Jugendliebe Druskats und spätere Frau Stephans.

Angeheizt durch Alkohol und Eifersucht auf Hildes noch immer wache Zuneigung zu dem Witwer Druskat hatte Stephan schließlich lauthals gedroht, Druskat zu vernichten. Beim Dreh in Buchholz (und den langen Nächten im Hotel „Vier Tore“ in Neubrandenburg, wo das Filmteam neun Monate Quartier bezogen hatte) waren sich Hilmar Thate und Angelika Domröse nähergekommen. Regisseur Lothar Bellag kostete der Film übrigens einen Anzug, den er dem Pförtner des Hotels kaufen musste, als „Schmerzensgeld“, damit der seine Anzeige bei der Polizei zurückzog. Bellag hatte den Mann, der für (Nacht-)Ruhe und Ordnung sorgen wollte, bei einer Wodka-Orangensaft-Party unsanft am Revers gepackt und so geschüttelt, dass er hinfiel.

Die Teile 1 bis 5 liefen im April 1976 vor dem Parteitag der SED und wurden nach dem Mauerfall im Dezember 1989 im 2. Programm des DDR-Fernsehens wiederholt. Beide Male fanden sie augenblicklich ein begeistertes Publikum.

Zwischenzeitlich gab es keine Ausstrahlungen, hatten doch verschiedene Hauptdarsteller, angefangen bei Manfred Krug, Hilmar Thate und Angelika Domröse, nach ihren Protesten gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann die Flucht in den Westen angetreten, weil sie in der DDR keine Chance mehr hatten, künstlerisch zu arbeiten.

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