Conventer See : Vom Rohrwerben und fetten Aalen

Viel Reet wurde am Conventer See geerntet, zahlreiche Fischerhäuser damit gedeckt.
Viel Reet wurde am Conventer See geerntet, zahlreiche Fischerhäuser damit gedeckt.

Der zwischen Heiligendamm und Börgerende liegende Conventer See war der „Küchensee“ des Doberaner Klosters

svz.de von
28. Oktober 2017, 00:00 Uhr

Der Conventer See liegt zwischen Heiligendamm und Börgerende. Schon die Mönche des nahe gelegenen Zisterzienserklosters in Doberan sollen ihn im 13. Jahrhundert für den Fischfang genutzt und ihm so zu seinem Namen verholfen haben. Möglicherweise wurde dieser See ständig durch einen so genannten „Konvent-Fischer“ befischt, der damit den Tisch der Mönche belieferte.

Der See, der daher auch als Küchensee der Doberaner Zisterzienser bezeichnet wird, ist heute etwa einen Quadratkilometer groß. Die größte Tiefe beträgt je nach Wasserstand 1,7 bis zwei Meter. Von der Landseite wird das Gewässer durch mehrere kleine Bäche gespeist. Rings um den See liegt die Conventer Niederung – das größte Nehrungsmoor an der mecklenburgischen Küste – mit landwirtschaftlich genutzten Wiesen und einem seit 1939 unter Naturschutz gestellten Gebiet von 216 Hektar. Seitdem spielte es eine wichtige Rolle für die nordische Vogelwelt als Rast- und Brutplatz und war ebenfalls ein Eldorado für Fischotter und Sumpfhühner.

Das änderte sich, als in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit einer umfassenden Melioration der Niederung das Land trocken gelegt wurde, um hier jährlich 3500 Kälber und Jungrinder weiden zu lassen. Das Wasser wurde durch einen neu angelegten Kanal zur Schleuse geführt und von dort in die Ostsee geleitet. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf den Wasserstand des Sees und seinen Fischreichtum. Die Gefahr der Verlandung war absehbar.

Dabei war der See einmal eines der an Aalen reichsten Gewässer gewesen. In einem Bericht aus dem Jahre 1910 ist die Rede von armdicken Aalen, bis zu drei Pfund schwer. Obendrein brüteten hier die Höckerschwäne.

Großherzog Friedrich Franz II. hatte deshalb bereits 1868 das Betreten und Begehen des Gebietes sowie den Fischfang zur Brutzeit des Schwanes vom 15. März bis 24. Juni verboten – allerdings nicht aus Tierschutzgründen. Zu jener Zeit war die Schwanenjagd beim Adel beliebt und die Fischer fuhren mit ihren Booten die Schützen auf den See.

Nach Auflösung der Klöster wurde das Gewässer verpachtet. Die Pächterfamilie stellte bis 1918 auch den Großherzoglichen Seevogt und wohnte im Fischerhaus. Die Region war 1550 auch für etliche Rostocker, die sich in Rethwisch nach einer großen Hungersnot ansiedeln durften, zur neuen Heimat geworden. Allerdings nur als Katenbesitzer: Das heißt, sie besaßen keine Pferde und kein Land, lebten unter anderem vom Rohrwerben in der Conventer Niederung sowie als Tagelöhner bei den ansässigen Bauern. Das änderte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg mit der möglichen Landerwerbung.

Doch zurück zum See: Um eine drohende Verlandung abzuwenden, wurde vor einigen Jahren durch das Staatliche Amt für Umwelt und Natur in Rostock eine neue Verbindung über die Jemnitzschleuse zwischen dem See und der Ostsee geschaffen. Durch die Einleitung von Ostseewasser gelangte mehr Sauerstoff in den See und ein „Umkippen“ des Gewässers wurde verhindert.

Die erste Schleuse am See entstand bereits 1880/82, nachdem zehn Jahre zuvor eine schwere Sturmflut die Conventer Niederung überschwemmt hatte. 1901 wurde dann direkt daneben auf dem Deich die Seenotrettungsstation der DGzRS unter großer Teilnahme des Schweriner Hofs und der Bevölkerung eingeweiht und auf den Namen „Großherzogin Marie“ getauft. Zu DDR-Zeiten nutzte eine nahegelegene Ferieneinrichtung der Neptunwerft Rostock die Station als Wirtschaftsgebäude. 1998 erfolgte im Rahmen der neuen und umfangreichen Küstensicherung der Abriss.

Vor knapp 150 Jahren gab die Conventer Niederung ein großes Geheimnis preis. Nach der Sturmflut 1872 tauchten hier, etwa 300 Meter vom See entfernt, die Reste eines uralten Wasserfahrzeuges auf. Das hatte über viele Jahrhunderte unter der Grasnarbe geruht. Der mecklenburgische Altertumsforscher Friedrich Lisch eilte aus Schwerin kommend sofort an den Fundort. Er fand aber nur noch den Kiel und einige Seitenstücke. Alles war morsch und nicht mehr transportfähig. Lisch vermutete, dass das wohl gut acht Meter lange Boot aus einem gewaltigen Eichenstamm ausgebrannt worden und vermutlich für die Fahrt auf dem Meer und in Küstennähe genutzt worden war.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen