Künstlerin Antonie Biel : Vom „Malweib“ zur Künstlerin

Das Ölgemälde zeigt eine Frau am Strand auf Rügen (Göhren), die hinüber nach Lobbe blickt.  Repro: Landesbibliothek MV
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Das Ölgemälde zeigt eine Frau am Strand auf Rügen (Göhren), die hinüber nach Lobbe blickt. Repro: Landesbibliothek MV

Antonie Biel, bedeutende Künstlerin von der Ostseeküste, schuf meisterhafte poetische Naturansichten

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27. November 2015, 00:35 Uhr

Das Stralsund-Museum in der Mönchstraße 25/27, das älteste kulturgeschichtliche Museum in Mecklenburg, zeigte kürzlich unter dem Titel „Eine Stralsunder Malerin“ eine repräsentative Sonderausstellung zu Sophie Antonie Biel. Ins Licht der Öffentlichkeit wurde eine Künstlerin gerückt, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter sehr schwie-rigen Bedingungen ihre Laufbahn durchsetzte. Von ihrer Familie wurde sie wegen ihrer Malleidenschaft nach erster Toleranz zur Rechenschaft gezogen und von der Stralsunder Gesellschaft ausgegrenzt.

Als man auf dem Mönchgut nach 1950 das Bild „Fischerdorf auf Rügen“ von 1866 auf einer Müllkippe fand, erzielte es nach der Restaurierung bereits 100 000 Mark „Finderlohn“. Heute gilt Antonie Biel mit ihren Küstenlandschaften und Marinebildern mit Motiven von der Ost- und Nordsee als herausragende Künstlerin Mecklenburgs, deren Bilder auf dem Kunstmarkt gefragt sind und inzwischen noch weitaus höhere Preise erreichen als vor 60 Jahren. Die Mehrzahl der von ihr überlieferten Arbeiten befindet sich außer in Privatbesitz vor allem im Museum Narodowe w Szczecinie, in der Nationalgalerie Berlin und in den Museen auf Mönchgut, Ahrenshoop sowie ihrer Vaterstadt Stralsund.

Sophie Antonie Biel wurde am 31. Januar 1830 in der Hansestadt Stralsund geboren. Sie war das jüngste Kind der Familie und hatte noch drei Geschwister. Ihr Vater war ein wohlhabender Jurist, der auch als Mitglied des Rates fungierte. Er starb 1837. Die Mutter, eine gute Hobby- Zeichnerin, erkannte die offenbar vererbte Begabung ihrer Jüngsten, erteilte ihr ersten Unterricht und beugte sich als Witwe den Vorwürfen der Verwandtschaft, die eine Künstler-Laufbahn von Sophie Antonie für unangemessen hielten. Das Mädchen sollte sich auf die Ehe vorbereiten und nicht malen. Das war gesellschaftlicher Konsens.

Die Bieltochter konnte ihre Begabung nur noch heimlich und autodidaktisch vervollkommnen. Als die Mutter 1851 starb, kam die nun 21-Jährige in die Obhut ihrer ältesten Schwester, die von ihrer Begabung überrascht war und sie fortan nach Kräften vor der Verwandtschaft schützte und förderte. Fast konspirativ fädelten die Schwestern einen Atelieraufenthalt in Berlin bei Wil- helm Schirmer ein. Mit Erfolg. Der renommierte Künstler erkannte seinerseits die Begabung des Mädchens und prägte diese maßgeblich aus.

Es folgten rund zehn Lehr- und Wanderjahre, die nur durch die uneigennützige Hilfe der älteren Schwester und die über sie ermöglichte finanzielle Sicherheit realisiert werden konnten. Sophie Antonie Biel gehörte in Düsseldorf zu den Schülern von Carl Friedrich Lessing und dem Norweger Hans Gude und wechselte mit Lessing nach Karlsruhe. 1866 bildete dann ein mehrmonatiger Aufenthalt in Paris die Krönung ihrer Ausbildung. Nach eigenem Bekunden erhielt sie hier ihre „eigentliche Kunsttaufe“. Anschließend übersiedelten die Schwestern auf Dauer nach Berlin, wo „A. Biel“ inzwischen durch die Ausstellungserfolge einen Namen hatte. Doch unter „A. Biel“ vermuteten die Kunstkritiker einen „Anton Biel“. Als der Irrtum sich aufklärte, war das Erstaunen groß, dass eine Frau so meisterhafte Werke schaffen konnte. Das bedeutete trotz aller Vorurteile gegenüber „Malweibern“ den Durchbruch. Antonie Biel stellte nun außer in Berlin vor allem auch im Glaspalast in München aus und erreichte bald einen deutschlandweiten Ruf als Künstlerin.

Das schmeichelte nun auch der Verwandtschaft in Stralsund und der Stralsunder Gesellschaft. Im Alter begegnete man der Künstlerin, die ledig blieb, schließlich auch in ihrer Heimat mit Respekt. Nach vielen Ankäufen konnte sie von ihrer Kunst leben. Ihre poetische Natursicht fand viele Liebhaber. Mit dieser Genugtuung starb die Künstlerin am 2. April 1880 in Berlin. Sie wurde 50 Jahre alt.  

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