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Heimatstube Lüblow : Vom Klump bis zur Eisenbahn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geschichten aus dem Museum: Die Heimatstube Lüblow erzählt aus der Vergangenheit eines Dorfes und seiner Menschen

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2016 | 10:30 Uhr

Fast 105 Jahre nach Inbetriebnahme verlor das Bahnhofsgebäude in Lüblow an der Bahnstrecke von Ludwigslust nach Schwerin seine Funktion und wurde verkauft. Ein ganzes Stückchen weiter entstand ein moderner Haltepunkt. Die besondere Geschichte des Bahnhofs bleibt jedoch in Bildern, Dokumenten und Gegenständen erhalten. Dafür sorgt der rührige Ortschronist Karl-Friedrich Groth in der Heimatstube.

Im Obergeschoss der ehemaligen Schule, gleich neben der kleinen Backsteinkirche, lädt seit 2000 das kleine Museum zum Entdecken und Staunen ein. Und das kam so: Zur 750-Jahrfeier der Gemeinde, 1996, gab es eine Ausstellung zur Ortsgeschichte. Die Resonanz war gut. Das brachte den damaligen Bürgermeister, Helmut Eggert, auf eine Idee: „Der Bürgermeister fragte mich, ob ich die Einrichtung eines Heimatmuseums übernehmen möchte“, erinnert sich der 77-jährige Karl-Friedrich Groth. Die letzte Schulklasse war kurz zuvor nach Wöbbelin verlegt worden, in die unteren Klassenzimmer zog der Kindergarten ein und im Obergeschoss gab es freie Räume. Zunächst hatte der Ortschronist Bedenken. Ob der Platz überhaupt zu füllen war? Die ersten Exponate reichten lediglich zur Ausstattung eines Raums.

Nach 16 Jahren Sammeltätigkeit stellt sich die Frage nicht mehr. In sieben Räumen, auf 137 Quadratmetern, wird weitaus mehr als die Dorfgeschichte erzählt. Zu sehen sind zum Beispiel Stücke von Raseneisenerz. Der sogenannte Klump soll hier schon in der vorrömischen Zeit verhüttet worden sein. Musketenkugeln von einem Biwakplatz aus den Befreiungskriegen nahe Lüblow, eine Dokumentation zur Auswanderung nach Amerika, Funde aus einem Kriegsgefangenenlager des 1. Weltkrieges, eine Kindergasmaske von 1944 und andere Exponate veranschaulichen die Vergangenheit. Utensilien aus dem Dorfkonsum, aus der Gemeindeschwesterstation und weitere Alltagsgegenstände aus der DDR-Zeit sind zu entdecken. Ein Raum ist dem Radsport gewidmet, der in Lüblow eine große Tradition hat. Ein weiteres Zimmer zeigt die Gegenstände aus der Landwirtschaft – vom Scheffel bis zur Flunkerhaube.

Das Besondere: Jedes Exponat trägt den Namen des Spenders. Enkel können so Alltagsgegenstände ihrer Großeltern entdecken. Der gebürtige Lüblower Groth nennt das „dem Museum Leben einhauchen“. Es freut ihn, wenn Familien in die Heimatstube kommen und die Kinder dann erstaunt ausrufen:„Guck mal, das hier ist ja von uns!“ „Besonders zum Erntefest im September wird es hier richtig voll“, berichtet der Museumschef stolz. „Es kommen dann mehr als 100 Menschen“. Die Heimatstube wird von einer zwölfköpfigen Interessengemeinschaft getragen.

Ganz neu ist der Ausstellungsbereich zur Geschichte des Bahnhofs: Die eingleisige Strecke Holthusen – Ludwigslust mit dem Bahnhof Lüblow wurde am 1. Oktober 1889 in Betrieb genommen. Anfangs hielten hier täglich acht Züge. Am Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Strecke sogar ein zweites Gleis. Karl-Friedrich Groth hat mit Leidenschaft zahlreiche Ausrüstungsgegenstände zusammengetragen – von der berühmten Karbidlampe über das Signalhorn für Gleisbauarbeiten, Kelle und Trillerpfeife bis zu Fahrkarten nach Ludwigslust, für 80 Pfennige das Stück. Spannend ist auch das Streckentelefon. Anhand des Klingeltons ließ sich erkennen, wer angerufen wurde.

Der gebürtige Lüblower Groth steckt voller Eisenbahngeschichten, die er wunderbar anschaulich erzählt. Kein Wunder, hat er doch selbst den Beruf des Eisenbahners ausgeübt. Er trat damit in die Fußstapfen seines Vaters, der von 1949 bis 1970 in Lüblow als Fahrdienstleiter seinen Dienst verrichtete. Der Fahrdienstleiter war für alles am Bahnhof zuständig: für den gesamten Personen- und Frachtverkehr. „Bis in die 50er-Jahre war der Zugang zum Bahnsteig nur durch eine Pforte im Zaun möglich, nur wenn ein Zug kam, wurde diese geöffnet. Ein Eisenbahner stand dann in einem Holzhäuschen an der Pforte und knipste die Fahrkarten“, erläutert Groth und erzählt gleich die nächste Geschichte: „Die große Besonderheit dieses Bahnhofs war die Klumpbahn von Neu-Lüblow nach Lüblow.“ In Neu-Lüblow lag der Klump ein paar Zentimeter unter der Oberfläche und ließ sich leicht abbauen. Hier auf dem Bahnhof verlud man zwischen 1918 und 1923 das Raseneisenerz mit Hilfe einer Holzrampe in offene Güterwagen. Das Erz kam zur Verhüttung nach Schlesien oder teilweise nach Lübeck. „In den 50er Jahren kam in Lüblow Braunkohle aus Malliß an. Sie war eher Blumenerde als Kohle“, erinnert sich Groth. Kartoffeln wurden abtransportiert, Dünger und Kohle ausgeladen. 1966 endete der Güterumschlag in Lüblow, 2015 wurde das alte Bahnhofsgebäude geschlossen.

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