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Natur : Vogelsang und Blütenpracht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Mai stehen die Pflanzen im Schönheitswettbewerb und die Vögel im Gesangswettstreit

svz.de von
erstellt am 20.Mai.2016 | 00:00 Uhr

Nach dem kühlen, windigen April hat sich die erste Hälfte des Mai wettermäßig von seiner besten Seite gezeigt. Die Vegetation ist förmlich explodiert. Vieles blühte zur gleichen Zeit: Tulpen und Obstbäume, Primeln und Schlehen. Nichts hält uns im Mai im Hause. Warum auch, wenn es draußen so warm ist, die Blumen ihre schönste Pracht entfalten und die Vögel im Gesangswettstreit stehen.

Aber Vorsicht! Manchmal kann es im Mai noch empfindlich kühl und nass werden. Und die Kulturen auf den Feldern oder auch die Gärten brauchen das. Nicht umsonst sagt die alte Bauernregel: Ist der Mai recht kühl und naß, füllts dem Bauer Scheune und Faß.“ Oder: „Werden die Schafe im Mai geschoren, sind sie alle bald verloren.“

In Wald und Feld gibt es jetzt Jungtiere und die meisten Vogelarten brüten in diesen Tagen oder stopfen schon die Schnäbel der nimmersatten Jungen. Die Seeadler haben jetzt schon ein oder zwei Kücken und füttern sie aufopferungsvoll. Um den 10. Mai herum kamen die letzten Zugvögel zu uns zurück: Mauersegler und Pirol, Neuntöter, Wespenbussard und Gartengrasmücke. Sie alle sind von Insektennahrung abhängig und erst jetzt sind so viele Insekten da, dass diese Arten satt werden.

Die Gössel der Graugänse sind nun schon recht groß. Gegen Mitte April sind die meisten Gänsekücken geschlüpft und nun sieht man in den Brutgebieten dieser schönen Gänseart oft die Nachwuchs führenden Familien. Vorsichtig können wir nun auch einen Blick in die Nistkästen unseres Gartens oder im Park riskieren, die wir im Winter aufgehängt haben. Welche Vogelarten haben sich eingemietet, wie viele Eier oder Jungvögel sind im Kasten? Vogelstimmenexkursionen mit Fachleuten sind im Mai besonders lohnend, denn so ziemlich alles was einen Schnabel hat, lässt sich jetzt hören.

Gegen Ende Mai gesellt sich zum Vogelgezwitscher an warmen Abenden das Konzert der Laub- und Wasserfrösche, der Unken- und Krötenarten, die in Teichen und Tümpeln um die Wette rufen.

Auf den Wiesen entfaltet sich nun die Palette schöner Blütenpflanzen. Schönheiten auf Feuchtwiesen sind die Mehlprimel und das Knabenkraut, eine heimische Orchideenart. Auf nährstoffreicheren Wiesen dominiert das Gelb des Löwenzahns und des Hahnenfußes.Gegen Ende des Monats kommen weiße und blaue Farben dazu, wenn Wiesenkerbel, Kuckucks- und Taglichtnelke oder auch Wiesenstorchschnabel blühen.

Leider sind artenreiche, bunte Wiesen fast nur noch in Naturschutzgebieten zu erleben. Nur wenige Landwirte lassen den Wildkräutern auch nur ein Minimum an Lebensraum auf ihren Flächen. Die ehemals auf den landwirtschaftlich genutzten Wiesenflächen noch häufigen Feldlerchen, Wiesenpieper, Grauammern oder Rebhühner sind vielerorts so gut wie verschwunden. Die industrielle Landwirtschaft lässt für sie, wie auch für viele andere Arten, keine Chancen des Überlebens mehr. Besonders interessant ist ein Besuch der artenreichen Lebensgemeinschaft des Trockenrasens. Kalkreiche Hänge sind mit ihrer großen Artenvielfalt ein Anziehungspunkt für den Blumenfreund. Die selten gewordene Kuhschelle blüht hier oder auch die Blume des Jahres, die Wiesenprimel.

Die Anzahl der Orchideen beispielsweise an den Kreideküsten des Nationalparkes Jasmund auf Rügen ist beträchtlich. Frauenschuh und Purpurknabenkraut, Vogelnestwurz und Waldvöglein beginnen im Mai hier zu blühen. Wenn wir Blumenkenner werden wollen, ist es am einfachsten, zunächst mit den Pflanzen in der Umgebung der Wohnung oder im Garten zu beginnen. Nachdem wir die Art mithilfe eines Bestimmungsbuches herausgefunden haben, kommt bald eine stattliche Liste der Pflanzen zusammen.

Genauso vielfältig wie die Flora des Trockenrasens ist seine Fauna. Vor allem Insektenarten, Schmetterlinge und Zweiflügler, Käfer, Schlupfwespen, Bienen und viele andere können wir hier beobachten.

In Büschen und Bäumen, die noch nicht voll belaubt sind, lassen sich Vogelnester jetzt besonders leicht finden. Das nutzen aber auch die Vogeljäger! Wir sollten daher darauf achten, dass zwischen April und Juli unsere Stubentiger, die Hauskatzen, die sehr gern im Garten auf Nestersuche gehen, möglichst im Haus unter Kontrolle bleiben.
 

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