DDR-Band Res Facta : Vier Jungs gelingt der große Wurf

Die Jungs von Res Facta testeten Grenzen aus.
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Die Jungs von Res Facta testeten Grenzen aus.

Die Rockband Res Facta aus Parchim erlangte regionalen Kultstatus.

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02. März 2018, 11:42 Uhr

Die DDR-Rockband Res Facta war seinerzeit so beliebt, dass sie unter den Jugendlichen des ehemaligen Bezirks Schwerin regionalen Kultstatus erlangte. Statt an der üblichen Chartmusik orientierten sich die Musiker an innovativen Bands dieser Zeit, wie Led Zeppelin, Deep Purple und Uriah Heep, und spielten diese nach.

Peter Wolff (Mäxchen) aus Parchim kann man wohl zu Recht das Urgestein dieser Band nennen. Geboren 1947, startete er erste Trommelversuche im Alter von 16 Jahren mit Holzstöcken auf ausgewaschenen Marmeladeneimern aus Pappe. Bereits ein Jahr später absolvierte er mit einer Laienband, den Pato-Brooks, Auftritte vor Publikum und gründete vier Jahre später die Gruppe Tambourins.

Ende der 1960er-Jahre war die bei großen Teilen der Jugend geliebte Beatmusik den Hardlinern im SED-Politbüro noch ein Dorn im Auge. Das änderte sich zu Beginn der 1970er-Jahre. Von da an wurden auch Rockbands offiziell zugelassen und mussten alle zwei Jahre – wie alle anderen Musikgruppen – vor einer Kulturjury ihr Können unter Beweis stellen, um anschließend eine sogenannte Einstufung zu erhalten.

Der große Wurf gelingt Peter Wolff (Technik) und Uwe Märzke (Gitarre/Vocal) 1974 schließlich mit der Gründung der Rockband Res Facta. Zusammen mit Armin Wiegner (Keyboards) und Ulli Fellendorf (Drums) tourten sie fortan durch Mecklenburg und begeisterten viele tausend Jugendliche, vorrangig mit der beliebten Rockmusik der 1970er-Jahre. Besonders überzeugte der Sänger Uwe Märzke mit seiner ausdrucksstarken Stimme. Ein Musikkritiker schrieb später über ihn: „Sänger Uwe Märzke ist stimmlich wie optisch eine Reinkarnation von Rockröhre David Coverdale.“

Nach 1971 erhielten DDR-Rockgruppen durch Devisentausch die Möglichkeit, sich hochwertigere Instrumente anzuschaffen und sie mussten, anders als im Westen, auf einer Musikschule ihre musikalischen und Notengrundkenntnisse nachweisen. Auch die Mitglieder von Res Facta besuchten hierzu die Musikschule in Schwerin. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurden die Amateurrock-Bands alle zwei Jahre vom Ministerium für Kultur der DDR (MfK) zu einer Werkstattwoche nach Suhl geladen, wo sie handwerkliche Fähigkeiten vermittelt bekamen. Zahlreiche Laienmusiker waren Autodidakten und lernten bei den Werkstattwochen „solides Handwerken“, das heißt, die Texter lernten Grundlagen des Textens, die Instrumentalisten lernten Basis- und Finessenwissen an ihren Instrumenten. Auf dieser Basis sah sich auch Res Facta imstande, eigene Rockkompositionen zu kreieren.

Mäxchen hat aber auch unschöne Begebenheiten in Erinnerung: „Ende der 1970er- Jahre sollte Res Facta anlässlich des Republikgeburtstages live im damaligen Kulturhaus ,Kurt Bürger’ in Parchim spielen. Das Kulturhaus war natürlich ausverkauft und brechend voll. Wir haben da unsere Titel gespielt: Deep Purple, Uriah Heep, Led Zeppelin usw. Es wurde auch viel getrunken. Schluss war gegen 1 Uhr. Nachdem wir einen Titel von Jethro Tull gespielt hatten, waren die Leute auf 180. Auf Anweisung des politisch sehr engagierten Kulturhausleiters sollten wir die Veranstaltung abrupt abbrechen. Ich sagte dann, ,Lass uns noch einen leisen Song spielen, die Leute beruhigen und alles ist gut.’ – ,Nein gibt’s nicht.’ Dann hat man uns einfach den Strom abgedreht. Das war’s dann. Nur die Leute wurden immer wilder und lauter und fingen schon an, mit den Biergläsern auf den Tischen zu klopfen und brüllten: ,Weitermachen!’“.

Als die Ordnungskräfte der Lage nicht mehr Herr wurden, rief der Kulturhausleiter die Polizei. Aber auch die Polizisten mit ihren Hunden konnten nichts ausrichten, und so kam ein Spezialkommando aus Schwerin, das schließlich auch einige Verhaftungen vornahm.

Im Nachhinein wollte man die Bandmitglieder für die Unruhen und den Polizeieinsatz verantwortlich machen. Daraufhin wandten sich diese an das Ministerium für Kultur in Berlin, erklärten den Sachverhalt aus ihrer Sicht und wurden schließlich entlastet.
 

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