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Besiedlung MV : Viel Platz und niedrige Preise

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von den Plänen des Herzogs Gustav Adolf für die Ansiedlung von Fremden im Lande Mecklenburg

Im Jahre 1678 ließ Gustav Adolf (1633-1695) von Mecklenburg-Güstrow ein Invitatorium aufsetzen, eine Einladung und – wie es auch heißen kann – eine Ermunterung. Gerichtet war sie an ausländische Handwerker und Kaufleute als Angebot, sich in Mecklenburg niederzulassen, Handel und Wandel zu treiben und Manufakturen einzurichten.

Eine Werbeschrift also. Gegliedert in drei Artikel, modernen inhaltlichen und organisatorischen Angeboten an Investoren jedoch nur bedingt vergleichbar. Doch für uns Heutige kann es durchaus nützlich sein zu lesen, wie dieser Fürst das Land darstellen lässt. Das war immerhin durch einen 30 Jahre währenden Krieg, wie es heißt, „so sehr ruiniert“ worden. Das Invitatorium kennzeichnet die Lage des Herzogtums Mecklenburg, „welches lieget zwischen der West- und Ostsee, stoßet an einer Seite an die Elbe, an welcher es zwei vornehme Zöll hat, Boitzenburg und Dömitz, von wannen man in einer kleinen Tagesreise gemächlich zu Wasser auf der Elb nach Hamburg, in die Westsee, kommen kann.“

Gustav Adolf residierte im Güstrower Schloss. Güstrow „lieget an der Oberwarnow ... man kann von Güstrow nach Warnemünde in drei Tagen zu Wasser und also in die Ostsee kommen“. Aber, so wird angezeigt, man müsse ja nicht von einem Ende zum anderen zu Wasser reisen. Die Strecke sei auch zu Lande in zwei Tagen über „einen bequemen guten Flurweg zu erreichen, also daß man zu Land allezeit in dem Mecklenburgischen territorio bleiben kann.“

Schon im ersten Artikel wird mit der Natur und ihren Schätzen geworben: „Es sind auch feine Landreviere und Seen in dem Herzogtum ... Es hat treffliche Wälder, Feldbau, Holtzungen ... Viehzucht, Jägerei und Fischerei; ist auch an Stein, Land und Leinen kein Mangel“.

Poststationen seien eingerichtet, so gebe es reichlich Gelegenheit zum Reisen und Korrespondieren mit Hamburg, Berlin, Lübeck und Wismar. Als Nachbarn sind unter anderem die Mark Brandenburg, Pommern und Sachsen verzeichnet, versehen mit dem Hinweis, weitere geografische Einzelheiten würden die bekannten Landkarten ausweisen, „worinnen sich jeder deshalben informieren kann“.

Im zweiten Artikel ist wiederum vom mecklenburgischen „Überfluss“ die Rede, denn nun geht es um die „Inwohner, als Bauern, Bürger, Handwerksleut, Kaufleut und Adelsleut. Allesamt von trefflicher Art, vor allem selbst in Friedenszeiten ein reich renomierter Adel“.

Wie schwierig die Lage der Bauern eigentlich ist, wird an den Möglichkeiten sichtbar, die den „Investoren“ angezeigt werden: „Wenn man den Bauern wiederumb aushelfen und mit benötigtem Vieh versehen, auch die Wirtschaft besser in Gang bringen könnte, sollte solches gar reichlich das angelegte Capital ... interessieren ... ist auch noch Gelegenheit genug, Capitalien anzulegen.“ Und überhaupt: „Lebensmittel, Kleidung, Arbeitslohn, Holz, ist alles umb ein merkliches und über die Hälfte besser (im) Preis als in Amsterdam, Hamburg ... und ander Orten.“

Das ist passable Werbung! Hat man nicht vorzeiten auch sagen hören: „Mecklenburg ist das Land, wo Milch und Honig fließen?“ Der dritte Artikel enthält, was für „Privilegien und Freiheiten diejenigen zu genießen hätten, welche sich in dem Herzogtum Mecklenburg häuslich und bürgerlich niederlassen“. Es ist ein Zwölf-Punkte-Programm, das zuerst und vor allem Religionsfreiheit postuliert. Ein „freiöffentliches exercitium religionis“ wird ausdrücklich gestattet, wenn es sich um eine im Römischen Reich tolerierte Religion handelt. Es gilt das „Instrumentum pacis Osnaburgensis“, die Urkunde des Friedensschlusses von Münster und Osnabrück. Dieser Fürst will ein friedliches Miteinander, gerade durch religiöse Werte!

Mehr noch: Wenn aber „vier- oder fünfhundert Familien complett sein, so soll ihnen eine öffentliche Kirch samt Türm und Glocken erlaubt sein“. Weder an Bauholz, Kalk, Ziegel und selbst an Bauleuten werde kein Mangel sein: alles das um „einen civilen Preis“.

Steuerfreiheit auf zehn Jahre wird den Familien versprochen, die sich ein Haus bauen. Steuererhöhung würde es nicht geben. Auch würden die „refueges“ befreit sein von jeglicher Einquartierung beim Durchzug fremder Truppen.

Der Landesherr, der solchen Entwurf hatte aufsetzen lassen – und dabei wohl auch selbst Hand angelegt hatte – muss gewusst haben, wie begrenzt seine Möglichkeiten waren. Schon allein der Bau der massiven Schlossbrücke hatte ihm zu schaffen gemacht – das Gleiche gilt für zahlreiche und tiefgreifende Konflikte in Staat und Kirche. Doch das eine oder andere hat in der künftigen Entwicklung des Landes, namentlich der Stadt Güstrow, sichtbar Gestalt annehmen können.

Gisela Scheithauer

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