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Kloster Dobbertin : Versorgungsanstalt für reiche „Fräuleins“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Kloster Dobbertin fanden unverheiratete Töchter adliger Familien ein Zuhause

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2016 | 00:00 Uhr

Eines der merkwürdigsten Klöster Mecklenburgs befindet sich seit fast 800 Jahren am Dobbertiner See nahe Goldberg. Um 1220 durch Benediktinermönche gegründet, wurde es 14 Jahre später in ein Nonnenkloster gleichen Ordens umgewandelt. Die Nonnen lebten hier 350 Jahre lang. Nach 1562 verließen die letzten von ihnen das Kloster, das zehn Jahre später in ein adliges Damenstift „zur christlich ehrbaren Auferziehung inländischer Jungfrauen“ umgewandelt wurde.

Als „Versorgungsanstalt“ für unverheiratete Töchter des mecklenburgischen Landadels entwickelte sich das Klosteramt Dobbertin auch zu einem der reichsten Wirtschaftsunternehmen in der Region. Zur Aufnahme in das Damenstift war die rechtzeitige Einschreibung der Töchter gleich nach ihrer Geburt sehr wichtig. Gab es doch in Dobbertin nur 32 Damenwohnungen, dafür aber im Lande 160 Adelsfamilien. Lange Wartezeiten waren daher üblich und nach dem Dobbertiner Einschreibebuch hatten viele Töchter zwischenzeitlich geheiratet oder waren bereits verstorben. Vor diesem Hintergrund mag es verwundern, dass in diesem mecklenburgischen Damenstift auch „Ausländerinnen“ wie Töchter der preußischen Familien von Quitzow und von Rohr aufgenommen wurden. Diese Familien hatten einige Stammgüter in Mecklenburg und in den damaligen mecklenburgischen Enklaven auf preußischem Gebiet.

So kam auch Mathilde von Rohr nach Dobbertin. Die spätere Konventualin wurde am 9. Juli 1810 in Trieplatz in der Grafschaft Ruppin geboren. Unüblich erfolgte ihre Einschreibung unter der Nr. 954 erst nach acht Jahren, dafür mit dem Vermerk, „dass die Vorfahren aus dem Mecklenburgischen abstammen.“ Es sollten noch weitere 50 Jahre vergehen, bis endlich der Ruf aus Dobbertin kam. Mathilde wohnte zu diesem Zeitpunkt seit 37 Jahren mit ihrer Schwester in der Behrenstraße 70 in Berlin und hatte sich dort einen Freundeskreis geschaffen, zu dem auch der märkische Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane gehörte.

Für Mathilde von Rohr hatte sich das lange Warten gelohnt. Im Frühsommer 1869 konnte sie eine der schönsten Klosterwohnungen mit sieben Zimmern auf zwei Etagen im Dobbertiner Damenstift beziehen. Das alte Refektorium, einst der Speisesaal der Nonnen, war nun ihr Wohn- und Empfangsbereich. Auch Theodor Fontane, der sie in Dobbertin mehrfach besuchte, war von diesem Raum sehr angetan. Nahm er doch aus den Kamingesprächen im „Dobbertiner Salon“ weitere Anregungen für seine literarische Arbeit mit nach Berlin. Das Leben im adligen Damenstift war nicht immer einfach. Für die Konventualinnen, auch „Klosterdamen“ oder schlicht „Fräuleins“ genannt, bedeutete es aber eine gesicherte Versorgung bis in das hohe Alter.

Zu jedem Damenhaushalt gehörten ein oder zwei Dienstmädchen und ein Damendiener, auch zum Umgraben der Gärten und für Arbeiten auf dem Kartoffelacker.

Neben den Botengängen sorgten die Dienstmädchen täglich für frisches Brot, Fleisch, Fisch und Gemüse. Jeder Konventualin gehörte eine Kuh aus der Klosterherde und so gab es allmorgendlich frische Milch und der Nachmittagskuchen kam aus der Backstube der Klosterbäckerei. Neben den Bootsfahrten auf dem Dobbertiner See standen auch zwei Kutschen mit Kutscher bereit. Auch einen Rasentennisplatz gab es im großen Klosterpark.
 

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