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Karl Kraepelin aus Neustrelitz : Vater der Skorpionkunde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der gebürtige Neustrelitzer Karl Kraepelin baute eine der größten zoologischen Sammlungen in Deutschland auf

Skorpione, die Spinnentiere mit den großen, klauenförmigen Scheren und mit einem Stachel am Schwanz, geistern durch unzählige Horrorfilme. Zumeist sorgen sie dort für ein grausames Sterben. Tatsächlich ist jedoch nur der Stich weniger der mehr als 1500 Skorpionarten tödlich. Soweit heute bekannt und beschrieben sind sie aufgelistet in dem gedruckten „Catalog of the Scorpions of the world“. In ihrer Einleitung vermerkten deren Herausgeber, dass ihre Übersicht nur einen Vorläufer hatte. Dieser kam bereits 1899 heraus und war das Werk eines einzigen Mannes. Er gilt seither als der Vater der Skorpionkunde: Karl Kraepelin.

Zur Welt kam er am 14. Dezember 1848 in Neustrelitz. Sein Vater war der Opernsänger und Schauspieler Karl Kraepelin. Dieser hatte in der mecklenburgischen Residenz 1842 Emile Lehmann, die Tochter eines dort ansässigen Hoftrompeters, geheiratet. Noch vor Geburt seines Sohns verlor Karl Kraepelin seine Festanstellung in Neustrelitz. Danach versuchte er sich in verschiedenen Tätigkeiten, etwa als Musiklehrer, um später als Reuter-Rezitator in ganz Deutschland bekannt zu werden. Trotz der Mühen um ihr Dasein fand die Familie Kraepelin doch Wege, die es ermöglichten, dass ihr Sohn das Gymnasium in Neustrelitz besuchen konnte.

Von dort wanderte der junge Kraepelin nach Göttingen, um ein Studium der Naturwissenschaften zu beginnen. Als 1870 der Krieg mit Frankreich ausbrach, musste er der Militärdienstpflicht genügen. Er nahm an der Belagerung von Paris teil und wurde später nach Sedan abkommandiert. Seine Studien setzte er an der Universität Leipzig fort. Dort geriet Kraepelin in den Bann des Zoologen Rudolf Leuckart (1822-1898) und spezialisierte sich gleichfalls auf die Tierkunde. Seine Doktorarbeit im Jahr 1873 über den Stachel der Bienen wurde preisgekrönt. Danach erhielt er eine Anstellung als Oberlehrer an einer höheren Bürgerschule in Leipzig.

Fünf Jahre später begann er seine Lehrtätigkeit an der berühmten Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. In den Räumen dieses humanistischen Gymnasiums befanden sich verschiedene Sammlungen von Objekten, welche die Basis des dort formal existierenden Hamburger Naturhistorischen Museums darstellten. Zu dessen Bereicherung trug Kraepelin maßgeblich bei. Mit seinem jüngeren Bruder Emil (1856-1926), später ein namhafter Psychiater, reiste er wiederholt ins Ausland. Gemeinsam sammelten sie dabei Naturalien und Kleintiere. Ihre erste Studienfahrt führte sie für drei Monate in die Region um Neapel. In der Absicht, die Sammlungen im Johanneum in ein eigenständiges Museum zu überführen, wurde für diese 1882 ein Direktor bestimmt. Das Amt übernahm der Zoologe Alexander Pagenstecher (1825-1889). Nach dessen Tod wurde Kraepelin das Amt übertragen. Zu diesem Zeitpunkt war der Neubau zur Aufnahme der naturhistorischen Sammlungen des Johanneums weitgehend vollendet. Kraepelin sollte für deren Überführung und Aufstellung sorgen. Zu diesem Zwecke studierte er die Praxis anderer öffentlich zugänglicher naturhistorischer Sammlungen in ganz Europa. Danach organisierte er zielstrebig die Schaustellung der Naturobjekte, die ab September 1891 der Öffentlichkeit zugänglich wurden.

Zeitlebens entfaltete Kraepelin eine beachtliche, weit gefächerte publizistische Tätigkeit. Eine besondere Rolle spielten dabei seine wissenschaftlichen Arbeiten über Ameisen, Skorpione, Gliederspinnen und Tausendfüßler. Blieb die Druckauflage dieser Arbeiten begrenzt, erlebten seine Schulbücher und Jugendschriften vielfache Auflagen und wurden auch in andere Sprachen übersetzt. Sie verdeutlichten zugleich sein Engagement im Kampf um die Reform des naturkundlichen Unterrichts.

1914 feierte Kraepelin sein 25-jähriges Direktorjubiläum, wozu sich Gelehrte aus nah und fern einfanden. Unmittelbar danach ließ er sich im April 1914 in den Ruhestand versetzen. Aus diesem Anlass vermerkte sein Nachfolger Hans Lohmann: „So hat das Museum unter Kraepelins Leitung aus den bescheidenen Anfängen sich zu einer selbständigen, großen wissenschaftlichen Anstalt entwickelt, deren zoologischen Sammlungen zu den größten Deutschlands gehören … Kraepelin aber hat daneben seine Stellung, seine schriftstellerische Begabung und seinen persönlichen Einfluss in reichstem Maße dazu verwandt, in Hamburg selbst wie auch in Deutschland das Interesse für die Biologie zu fördern und dem biologischen Unterricht auf den Schulen die ihm gebührende Rolle zu verschaffen.“

Ein Jahr später starb Karl Kraepelin am 28. Juni 1915 an den Folgen eines längeren Herzleidens. Der ewige Junggeselle hinterließ keine Nachkommen. Der mit ihm lebenslang eng verbundene Bruder Emil erhielt die Einladung zu einer Gedächtnisfeier im Hörsaal des Naturhistorischen Museums. Während dieser meinte Karl Kraepelins Mitstreiter Caesar Schäffer (1867-1947): „Nicht einen geistig und seelisch siechen Mann hat der Tod ereilt, bis zuletzt war er im Besitz seiner vollen Geistes- und Seelenkräfte. … Wahrheitsliebe, Geradheit und Zuverlässigkeit waren Grundzüge seines Wesens. … Zum Pessimisten fehlte ihm alles, keinem Menschen vermochte er von vornherein etwas Schlechtes zu zutrauen ...“

In Anerkennung seiner wegweisenden Forschungen wurden nach Kraepelins Tod etliche Tiere, darunter Schlangen, Schnecken und Ameisen, nach ihm benannt. Natürlich trägt auch ein 1922 erstmals beschriebener schwarzer Skorpion seinen Namen: Iurus kraepelini.

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erstellt am 08.Okt.2016 | 00:00 Uhr

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