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Klosterdorf Dobbertin : „Unverbesserliche Säufer“ belästigten Damen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Klosterdorf Dobbertin gab es drei Armenhäuser und ein Krankenhaus – und damit manchmal auch Probleme

svz.de von
erstellt am 18.Mär.2017 | 00:00 Uhr

Was wäre Dobbertin ohne sein Kloster! Schon die Nonnen übten dort eine überaus eifrige Mildtätigkeit aus. Neben den Armen halfen sie den Kranken. Wer eines „Tränkleins“, einer neuen Salbe oder eines medizinischen Rats bedurfte, holte sich diese Dinge an der Klosterpforte. Die Kunde von der Güte und Hilfe der Dobbertiner Nonnen mit ihrer Priorin Gertrudis drang damals bis nach Rom und wurde 1309 durch Papst Clemens V. gewürdigt.

Am Landweg nach Dobbin westlich der Mildenitzbrücke entstand das Leprosen-Hospital St. Jürgen, das fast 700 Jahre mit verschiedenen Nutzungen Bestand hatte. Es lag damals noch außerhalb der Ortschaft, so wie es die biblischen Vorschriften über den Aussatz forderten. Nach 1500 nahm man hier auch Arme und Siechende auf und St. Jürgen wurde das erste Armenhaus Dobbertins. Das Fachwerkgebäude wurde 1982 abgebrochen.

Nach dem Ende der Reformation und Vertreibung der letzten elf Nonnen aus Dobbertin wurde das Kloster 1572 Damenstift zur „christlichen Auferziehung inländischer Jungfrauen“. Die neuen Klosterdamen, nun Konventualinnen genannt, kümmerten sich ebenfalls um die Armen und Bettler im Dorf, wie in einem Kirchenvisitationsprotokoll von 1582 vermerkt ist. Der Klosterhaupmann Joachim von Oldenburg ließ bei seinem Amtsantritt 1612 Peltzer’s Dorfkaten als Armenhaus für „sechs verlebte arme Diener und Untertanen“ herrichten.

Der Dreißigjährige Krieg hatte auch Dobbertin und die umliegenden Orte arg mitgenommen. Dabei war auch die Scheune hinter dem Armenhaus „Anno 1638 im Kriegswesen abgebrandt.“ 1737 ist in einem Protokoll zu lesen, dass das „...Armen-Hauß vors erste keine Reparation bedarff ...“. Fast 300 Jahre später wurde das Fachwerkgebäude abgerissen.

Doch wo stand das dritte kaum bekannte Dobbertiner Armenhaus? Nach den für alle Klosterdörfer angelegten Plänen der Ritterschaftlichen Brandversicherung war es der Anbau „mit wenig geeigneten Räumlichkeiten“ am alten Krankenhaus in einem Dorfkaten. „Dort waren teils gebrechliche einzelstehende Männer, teils unverbesserliche Säufer, deren Unterbringung anderweitig untunlich sei, untergebracht und beim Krankenwärter in Kost gegeben.“ Von den Klosterdamen hörte man öfters Beschwerden, dass sie bei ihren Spaziergängen von diesen „Individuen“ belästigt wurden. Mit Fertigstellung des neuen Krankenhauses 1877 wurden die Insassen entfernt und das Armenhaus abgebrochen.

Nach der Auflösung des Dobbertiner Klosteramtes 1920 hatte das Schweriner Ministerium das Krankenhaus an die Gemeinde in Dobbertin übergeben. Das Krankenhaus war mit einem Krankensaal, sechs Krankenzimmern und zwölf Betten, einer Küche mit Leutestube, einer Siechen- und einer Krätzestube sowie einer Leichenhalle ausgestattet. Nach dem Kriege wurde es 1947 aufgelöst, 1948 zur Schule umgebaut und 2006 geschlossen.

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