Neustadt-Glewe : Und dann wird es gruselig...

Die BurgNeustadt-Glewe besitzt eine Fußbodenheizung aus dem 15. Jahrhundert.
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Die Burg Neustadt-Glewe besitzt eine Fußbodenheizung aus dem 15. Jahrhundert.

Die Burg Neustadt-Glewe bietet Einblicke ins mittelalterliche Leben, wo der Beischlaf von Donnerstag bis Sonntag verboten war.

svz.de von
16. März 2018, 00:00 Uhr

„Einmal Ritter sein, das wollte ich schon immer“, gesteht ein Besucher und stülpt sich einen Kriegerhelm aus der Ausstellung über den Kopf. „Oh, der ist aber eng und schwer!“, folgt sein erstaunter Ausruf. Zur metallenen Kopfbedeckung gehören aber auch noch die Rüstung, Schild und eine drei Meter lange Lanze.

„Das hier ist eine Turnierrüstung. Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Nachbauten den Originalen entsprechen“, erklärt Britta Kley, Leiterin des Museums in der Burg Neustadt-Glewe. „Ihre Reitturniere trugen die Ritter hauptsächlich im Sommer aus. Dabei soll es auch zu Ohnmachts- und Erstickungsanfällen gekommen sein.“ Der Besucher nimmt den Ritterhelm schnell wieder ab und folgt weiter der Führung.

Die am südlichen Rand der Lewitz gelegene Burg entstand um 1300. Archäologische Funde lassen vermuten, dass es hier bereits Vorgängerbauten gab. Das rechteckig angelegte Bauensemble umfasste ein Wirtschaftsgebäude mit einer großen Küche, eine Speisekammer, Wollstube, Backstube und ein Brauhaus. Des Weiteren gab es ein Wohnhaus, Wehrgänge, zwei Türme. Alle Gebäude unterlagen stetiger Veränderung. Kurz nach der Wende, 1994, begannen die Neustädter mit der Sanierung der Burg. 2006 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Heute gehört die Burg zu den am besten erhaltenen Wehrbauten dieser Epoche in Mecklenburg.

Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude lädt ein Restaurant zu Speis und Trank ein. Hier befinden sich auch ein Trauraum und eine Galerie. Das historische „Neue Haus“ gegenüber beherbergt die „Große Hofstube“, die Stadtinformation und die ständige Ausstellung zur Geschichte der mittelalterlichen Burg.

In der Hofstube des einstigen Wohnhauses trafen sich der Fürst und sein Gefolge nach erfolgreicher Jagd. „Bei Restaurierungsarbeiten wurde der Rest eines ehemals umlaufenden Wandfrieses mit Jagdszenen gefunden. Er stammt vermutlich aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert“, sagt Britta Kley.

Eine weitere Malerei – aus der Zeit um 1500 – zeigt den Heiligen Georg mit der Lanze gegen den Drachen kämpfend. „Im 18. Jahrhundert wurde der Raum zum Pferdestall umgebaut. Der Marstall existierte 200 Jahre lang. Bis 1950 standen hier edle Reittiere, auch aus dem Gestüt Redefin“, weiß die Museumschefin zu berichten. Interessant ist die Fußbodenheizung aus dem 15. Jahrhundert. Im oberen Geschoss vermittelt eine lange Tafel mit symbolischem Geschirr, Rüstungen, Schwertern und Puppen mit Gewändern in historischer Mode Einblicke in den mittelalterlichen Alltag. Bemerkenswert sind die Beinkleider der Männer. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Frauen trugen damals übrigens keine Unterwäsche, sondern mehrere Röcke übereinander. Die Besucher erfahren, was die Menschen aßen und tranken, wie sie sich betteten und welche strengen Moralvorschriften auch für Eheleute herrschten. So war der Beischlaf von Donnerstag bis Sonntag verboten. Wer wen heiraten durfte, bestimmten die Eltern. Die Vermählung erfolgte in der Regel im Alter zwischen elf und 14 Jahren. Über einen Wehrgang gelangt man zum runden Turm. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert und erlaubt einen Blick ins Land. In der dritten Etage ist der so genannte Toilettenerker zu besichtigen.

Ursprünglich gab es noch einen zweiten, eckigen Turm, der höher gewesen sein soll. Dieser existiert ebenso wie der Burggraben und die Zugbrücke nicht mehr. Vom Turm führt eine Treppe aus Backsteinen steil ins untere Wehrgeschoss hinab. Hier ist es stockfinster. Es riecht leicht muffig. Das Licht wird eingeschaltet und man blickt in ein tiefes, gemauertes Loch – das Verlies. In dieser engen, finsteren Grube mussten nach dem Dreißigjährigen Krieg der Hexerei beschuldigte Frauen ausharren. Eine von ihnen war Häsche Draben. Sie wurde 1677 zum Feuertod verurteilt. Dem Besucher, der schon immer einmal Ritter sein wollte, kriecht ein Schauer über den Rücken. „Irgendwie gruselig hier!“

Über die Geschichte der zur Bauzeit der Burg schon existierenden Stadt Neustadt-Glewe erfährt man im Museum wenig. Britta Kley würde das gerne ändern. „Wir haben eine sehr interessante Stadtgeschichte und es ist mein ganz großer Wunsch, eine Ausstellung zur Historie von Neustadt-Glewe aufzubauen“, erklärt die Leiterin des Museums voller Leidenschaft „Ich würde mich freuen, wenn Neustädter Bürger oder ehemalige Einwohner zu einer Sammlung beitragen würden. Ob Dokumente, Fotos, Ansichtskarten, Sachgut – alles dokumentiert unsere Geschichte.“


Kontakt: Burgmuseum, Alte Burg 1, 19306 Neustadt-Glewe, Telefon 038757/50065

 

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