Seebrücken in MV : Über sieben Brücken...

Wie andereSeebäder auch gönnte sich Boltenhagen nach der Wende eine Seebrücke.
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Wie andereSeebäder auch gönnte sich Boltenhagen nach der Wende eine Seebrücke.

An der Mecklenburger Ostseeküste lässt sich auf insgesamt 1830 Seebrücken-Metern übers Wasser lustwandeln

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05. Mai 2018, 00:00 Uhr

Es gibt in Mecklenburg sieben Seebrücken, die über eine recht lange Geschichte verfügen. Die erste überhaupt entstand in Heiligendamm, dem ältesten deutschen Seebad. Vorbild war die 1824 im englischen Seebad Brighton eingeweihte 380 Meter lange Brücke, auf der Vertreter der Oberschicht lustwandelten.

Boots- und Anlegestege haben im Laufe der Zeit oftmals ihr Aussehen verändert. Meist waren die Ursachen dafür die schweren Zerstörungen, die die Ostsee mit ihren Winterstürmen anrichtete. 1905 wurde die Seebrücke in Arendsee (heute Kühlungsborn) gebaut, nachdem zwei Jahre zuvor eine solche schon in Brunshaupten eingeweiht worden war. Dampfer legten hier an und boten Fahrten bis nach Dänemark an. Doch schwere und harte Eiswinter machten diesen Bauwerken im Laufe der Zeit zu schaffen. Der lange Winter 1956/57 läutete das Ende der Brücken ein.

Der Berliner Mauerbau 1961 verhinderte aus „Sicherheitsgründen“ die Reparatur, geschweige denn den Neubau von Seebrücken. Die Ostseeküste war streng bewacht. Wer gelegentlich zu weit mit einer Luftmatratze hinausschwamm, machte sich schnell der Republikflucht verdächtig.

Gleich nach der Wende 1989 wurde die erste neue Seebrücke in Mecklenburg gebaut, wieder in Kühlungsborn. Die Übergabe des 240 Meter langen Steges erfolgte im Herbst 1991. Das größte Ostseebad in Mecklenburg besaß wieder eine außergewöhnliche Attraktion an der über 3000 Meter langen Strandpromenade. Das Gehen auf einer solchen Brücke ist, als ob man trockenen Fußes über das Wasser schreitet, umgeben von der herben salzigen Luft. Unter den Planken kräuseln sich Wellen, es gluckert, schäumt und brodelt. Vor den Augen liegt das weite Meer, mit Fischerbooten in der Nähe und Frachtern am Horizont – dort, wo blauer Himmel und blaue See sich in die Arme fallen.

Wie andereSeebäder auch gönnte sich Boltenhagen nach der Wende eine Seebrücke.
Eckard Raff
Wie andereSeebäder auch gönnte sich Boltenhagen nach der Wende eine Seebrücke.
 

Für Bade- und Kurgäste besaßen Seebrücken neben allem Vergnügen noch eine besondere Bedeutung: Hier gab es die reinste Seeluft für Kranke und Genesende. Nach der Seebrücke in Kühlungsborn folgten bald andere in den Ostseebädern Mecklenburgs: in Rerik (170 m), Boltenhagen (290 m), Wismar-Wendorf (350 m), Wustrow (230 m) und natürlich auch in Vorpommern. Dort gibt es etwa ein Dutzend Seebrücken, von denen die Ahlbecker als einzige die DDR-Zeit überstand.

Eine lange Geschichte, die bis 1882 zurückreicht, hat die Seebrücke Graal-Müritz. Hier legten die beiden von Rostock aus verkehrenden Dampfer „Fürst Blücher“ und „Hohenzollern“ an. Doch diese Freude währte nur kurz. Bereits ein Jahr nach der Übergabe zerstörten Sturmfluten das hölzerne Bauwerk. 1890/91 wurde die nächste Brücke gebaut. Doch ihr erging es nicht viel anders. Selbst die dritte Seebrücke hielt nur von 1905 bis Silvester 1913. Mehr Glück war der Nummer vier beschieden. Sie stand bis 1938, ehe auch sie Flutopfer wurde. Nach Kriegsende errichteten Pioniertruppen der Roten Armee noch eine kleinere Seebrücke. Graal-Müritz war damals eine Art medizinisches Zentrum der Sowjetarmee. Und so diente die Brücke wohl auch hier Genesungszwecken. 1953 vernichtete ein Sturm dieses Bauwerk. Die Reste wurden nach dem Mauerbau abgerissen. Heute besitzt Graal-Müritz wieder eine attraktive Brücke von 350 Metern Länge, die im April 1993 übergeben werden konnte. Einige Jahre später wurde sie mit der Installierung von Photovoltaikanlagen zur ersten „solaren“ Seebrücke umgewandelt.

Im Jahr 1993 erhielt Rerik eine Seebrücke. Sie ist mit 170 Metern die kleinste in Mecklenburg. Trotzdem hat man von der Spitze einen unvergesslichen Blick auf den alten Schmiedeberg, die Kirche und die Halbinsel von Wustrow.

In Heiligendamm gab es bereits 1805 einen Steg, an dem die Badeschaluppen anlegten. Eine Abbildung aus dem Jahre 1827 zeigt, dass links und rechts vom Kurhaus und vom einstigen Theaterplatz ausgehend zwei weit in die Ostsee hineinreichende Brücken standen. Anlässlich des 200. Gründungstages von Heiligendamm wurde hier 1993 die neue, 200 Meter lange Seebrücke übergeben. Sie ruht auf 27 Eisenpfeilerröhren. Eine Brücke gab es bis 1928 auch in Nienhagen. Doch der strenge Winter 1928/29 mit seinen gewaltigen Eispressungen von bis zu zehn Metern Höhe zertrümmerte große Teile des hölzernen Bauwerks. Zwar versuchten die Bewohner des Dorfes durch Zersägen und Zerschlagen der Eisdecke zu helfen, aber vergeblich. Die Mittel zum Wiederaufbau fehlten danach, bis heute.

 

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