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Heinrich Schliemann : Troja-Ausgräber stirbt einsam

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der weltberühmte Mecklenburger Heinrich Schliemann schließt am zweiten Weihnachtstag im Jahre 1890 für immer die Augen

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 09:14 Uhr

Am 26. Dezember 1890 stirbt der weltbekannte Archäologe Heinrich Schliemann überraschend in Neapel. Die Zeitungen in Deutschland und in der Welt berichten über den plötzlichen Tod des berühmten und populären Mecklenburgers. Wie verliefen die letzten Lebenstage des Troja-Ausgräbers?

Am 1. März 1890 nimmt Heinrich Schliemann die im Jahre 1871 begonnenen Grabungen in Troja wieder auf. Die öffentlichen Diffamierungen des Amateurarchäologen und Hauptmanns a. D. Ernst Bötticher veranlassen ihn, Ende März in einem von ihm erbauten Barackendorf „Schliemannopolis“ zum zweiten Mal eine internationale Gelehrtenkonferenz zu organisieren. Schliemann will Böttichers Behauptung widerlegen, Troja wäre nur eine Feuernekropole, seine Darstellungen entsprächen nicht der Wahrheit. Die teilnehmenden Fachgelehrten erkennen Schliemanns Aussagen auch uneingeschränkt an, dieser hat sein Ziel erreicht.

Am 31. März unterbricht Schliemann die Ausgrabungen und unternimmt gemeinsam mit dem ebenfalls in Troja weilenden Mediziner und Anthropologen Prof. Rudolf Virchow, mit dem er befreundet ist, einen mehrtägigen Ritt zu Pferde und mit Packtieren durch die Troas zum Ida-Gebirge. Diese anstrengende Reise verlangt von beiden 68-jährigen Männern ein Höchstmaß an Willenskraft und körperlicher Leistung.

Schliemann bleibt trotz Sommerhitze und Fieber noch bis Ende Juli im Grabungsgelände. Plötzlich wieder auftretende Ohrenschmerzen zwingen ihn am 31. Juli, die Grabungen einstweilen einzustellen. Für ihn wird es die letzte Kampagne sein. Schliemann verlässt Troja mit der Ahnung, dass er nicht die Stadt des Priamos, sondern eine viel ältere entdeckt und an der homerischen vorbei gegraben hatte. Am 1. März 1891 will er die Ausgrabungen wieder fortsetzen. Doch dazu wird es nicht mehr kommen! Beginnende Taubheit und Ohrenschmerzen nehmen in einem unerträglichen Maße zu.

Rudolf Virchow drängt Schliemann, sich die Exostosen (Knochenwucherungen) aus beiden Ohren operativ entfernen zu lassen. Beim Spezialisten Prof. Schwartze in Halle/S., so schlägt er ihm vor. Nachdem Schliemann das Manuskript seines „Berichtes“ der letzten Grabung fertig gestellt und an seinen Verleger Brockhaus gesandt hat, reist er am 5. November aus Athen ab und kommt am 9. in Halle an. Am 13. November findet die Operation unter Vollnarkose statt, die linke Ohrmuschel muss dazu abgetrennt werden, eine schwierige und schmerzhafte Operation! Bereits zwei Tage später schreibt Schliemann die ersten Briefe an Brockhaus und Virchow. Seiner Schwester Dorothea berichtet er am 18. 11., dass die Operation „vollkommen geglückt ist“ und er am 10. Dezember wieder Halle verlassen werde.

Auch in Briefen an Bekannte lobt er die Fortschritte, die die Medizin in den letzten Jahren gemacht habe, ihm ginge es schon wieder viel besser. Die Schwestern gratulieren ihrem Bruder zur gelungenen Operation. Zwei am 4. Dezember an seine Schwestern Dorothea und Louise geschriebene Briefe werden die letzten erhalten gebliebenen Lebenszeichen Schliemanns an seine Geschwister sein!

Gegen den dringenden Rat des Arztes verlässt Schliemann am 12. Dezember das Krankenhaus und reist zu einer kurzen Besprechung zu Brockhaus nach Leipzig und abends nach Berlin.

Am nächsten Tag trifft er sich mit Virchow zum Besuch seiner Trojanischen Sammlung im Museum. Noch am selben Tage reist er weiter nach Paris, von dort weiter nach Neapel, wo er noch die neuen Ausgrabungen in Pompeji aufsucht. Schmerzen zwingen ihn, einen Arzt zu konsultieren. Am ersten Weihnachtsfeiertag bricht er auf einer Straße in Neapel bewusstlos zusammen. Heinrich Schliemann stirbt am Tag darauf, am 26. Dezember 1890, an den Folgen einer Hirnhautentzündung, ohne dass die Ärzte noch helfen können. Am 29. Dezember trifft sein engster Mitarbeiter Wilhelm Dörpfeld zusammen mit dem Bruder seiner griechischen Ehefrau Sophia in Neapel ein, um den Toten auf Wunsch der Witwe nach Athen zu holen. Dort wird er in seinem Wohnpalast „Iliou Melathron“ aufgebahrt, zu seinem Haupte eine Homerbüste. Am 4. Januar 1891 wird Schliemann in Anwesenheit des griechischen Königs Georg I., von Botschaftern, Ministern und Freunden auf dem Athener Zentralfriedhof unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich beigesetzt.

Heinrich Schliemann hatte schon zu Lebzeiten entschieden, sich von seinem Architekten Ernst Ziller ein Grabmal in Form eines griechischen Tempels errichten zu lassen. In seinem Testament legte er fest: „Ich will, daß meine sterblichen Reste neben denen meiner Frau Sophia, meiner Kinder und ihrer Nachkommen in einem Mausoleum auf dem höchsten Gelände des großen griechischen Friedhofs in Athen liegen sollen.“ 1892 wird sein Wunsch realisiert.

Bis zum heutigen Tage blickt Schliemanns Marmorbüste auf der Frontseite des Grabmals zur Akropolis hinüber. Auf dem Türsturz des Einganges zur Grabkammer stehen die griechischen Worte: „Ich berge Heinrich Schliemann, den weithin berühmten. Ahme ihn nach, der den Sterblichen vieles erschloss.“

Der Autor ist der Mitbegründer des Heinrich-Schliemann-Museums in Ankershagen, dessen Direktor er von 1980-2003 war. Anfang des Jahres 2016 erscheint im Wellem-Verlag Düsseldorf aus Anlass des 125. Todestages Heinrich Schliemanns sein neues Buch: „Dein Name ist unsterblich für alle Zeiten.“ – Das Leben Heinrich Schliemanns im Briefwechsel mit seiner mecklenburgischen Familie.

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