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Stadtentwicklung Schwerin : Treffpunkte für neugierige Schweriner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Waschpavillon am Pfaffenteich und das Restaurant von Theatermeier waren die Klatschzentralen für Damen und Herren

Zu dem 1857 erbauten Waschpavillon am Südufer des Schweriner Pfaffenteiches kamen die Frauen und Mägde der anliegenden Straßen mit ihren schweren Wäschekörben und spülten im Inneren des Pavillons auf sehr schmalen Holzstegen kniend ihre Wäsche. Das war eine langwierige Arbeit - und so bot sie Zeit für Klatsch und Tratsch. Dazu kam, dass das Wasser des Pfaffenteiches nicht immer sauber war: Mehrfach musste in jener Zeit ein Bagger die Modde ausheben. Dabei wurde der Teich zugleich von Unrat befreit, denn früher hieß es schnell: „Smiet dat man in’n Papendiek, wenn ein sien Schietkram lossien wull!“

So klug war das nicht, denn die Schweriner waren nun mal auf das Wasser des Pfaffenteichs angewiesen. Wasserleitungen gab es noch nicht und das Wasser zu pumpen, war eine mühselige Arbeit. Somit blieb der Waschpavillon am Pfaffenteich lange Treffpunkt der fleißigen – und natürlich auch neugierigen – Damen.

Für die neugierigen Herren war der Treffpunkt bei Theatermeier. Dies war ein kleines Fachwerkhaus am Alten Garten gleich neben dem Alten Palais, in dem die Herren täglich ein- und ausgingen. Hier hingen an den Wänden Riesenlorbeerkränze, Zeugen der Vergänglichkeit des Bühnenruhms, und dazu viele Bilder und Widmungen. Hier blühte nicht nur der Bühnenklatsch, sondern hier war auch die Zentrale, in der alle Schweriner Ereignisse ihren Niederschlag in langen Kneipenstunden fanden.

Bei Theatermeier waren auch stets bis zuletzt die „neuesten Telegramme“ der Zeitung angeschlagen. Unter anderem sind Demmler und andere Schweriner Baumeister im Theaterrestaurant eingekehrt und haben dort schon ihre zukünftigen Baupläne diskutieren können. Das kleine Fachwerkhaus von Theatermeier ist seit der Jahrhundertwende verschwunden.

Auch die Klatschzentrale der Damen musste am Pfaffenteich weichen: 1893 wurde das Waschen und Spülen an dieser Stelle schließlich durch einen Großherzoglichen Beschluss untersagt und der Waschpavillon wanderte nach Zippendorf.

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