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Fritz Koch-Gotha in Rostock : Talentierter Grafiker vom Fischland

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fritz Koch-Gotha wurde 1947 zum Ehrenbürger von Rostock ernannt

svz.de von
erstellt am 17.Sep.2016 | 00:00 Uhr

Fritz Koch-Gotha ist als namhafter Maler, Grafiker und vor allem Illustrator bekannt. Er hinterließ bei seinem Tod vor 60 Jahren neben vielen Karikaturen rund 60 illustrierte Bücher und brachte es insgesamt auf über 4000 Zeichnungen. Sein überaus vielgestaltiges Lebenswerk reicht vom „unbeschwerten Humor über die Sozial- und Sittenstudie bis zur objektiven Reportage“.

Koch-Gotha beschreibt Alltagsfreuden sowie -leiden, belächelt die Schwächen seiner Mitmenschen und attackiert recht deutlich menschliche Arroganz sowie soziale Gegensätze. Dabei orientierte er sich an Adolph Menzel und auch an Heinrich Zille, dessen kritische Schärfe er jedoch nicht erreichte. Dafür glänzte er mit der besonderen Gabe, „eine Pointe schnell und schlüssig ins Bild zu setzen“. Der Künstler wurde am 5. Januar 1877 in Eberstädt bei Gotha geboren. Als junger Mann nahm er ein Studium an der Leipziger Kunstakademie auf.

Doch die Leipziger Lehrer enttäuschten Koch-Gotha. Deshalb wandte er sich 1897 an die Akademie nach Karlsruhe, wo ihn Hans Thoma sowie Leopold von Kalckreuth prägten. Weil sich sein offensichtliches Grafiktalent in Baden in Ermangelung einer Grafikerklasse nicht weiter schulen ließ, kehrte der Thüringer nach Leipzig zurück. Er versuchte sich fortan als selbstständiger Künstler. Am Anfang stand die reine Brotarbeit in Diensten eines Postkartenverlages im Mittelpunkt. Koch-Gotha hielt sich im wahrsten Sinne des Wortes materiell gerade über Wasser. 1902 wechselte er nach Berlin. Hier vervollkommnete sich der ehrgeizige junge Künstler durch weiterführende Studien im Kupferstichkabinett und Orientierung an Menzel und Zille.

Nach der humoristischen Darstellung einer Bahnreise erhielt er eine Festanstellung bei der renommierten „Berliner Illustrirten Zeitung“, deren liberale Ausrichtung ihm genügend Freiräume gab, um sich als Karikaturist auszuleben. Mit dem wachsenden Erfolg war auch ein steigendes Einkommen verbunden.
Zwischen 1905 und 1910 weilte er auf Studienreise in Russland, Konstantinopel und Paris. Angesichts der extremen sozialen Gegensätze im russischen Riesenreich schuf er die Bildfolge „Ein Leben für den Zaren“. Das war menschlich anrührende Sozialkritik pur und trug ihm zusammen mit Zille den angesehenen Menzelpreis ein.

Diese Preisverleihung gilt als sein Durchbruch. Er hatte jetzt einen Namen. Während des ersten Weltkrieges illustrierte Koch-Gotha Frontberichte. Dabei hatte er sich an politische Vorgaben zu halten und die Kriegsgegner zu karikieren, egal, wie er zum Krieg stand. Bei kriegskritischer Illustration wartete auf ihn die Front. Deshalb passte er sich an. 1917 heiratete der Künstler die Kollegin Dora Stetter, die als Schülerin von Lovis Corinth zur eigenständigen Malerin gedieh.

In der Novemberrevolution und in der nachrevolutionären Zeit entwickelte sich Koch-Gotha zum maßgeblichen Bildberichterstatter Berlins. Während der Weimarer Republik erschloss er sich neben der Karikatur zusätzlich die Buchillustration. Bücher wie die „Häschenschule“, heute gefragter denn je, sowie die „Berliner Fibel“ wurden dank seiner Zeichnungen zu Bestsellern. So hätte es bleiben können. Doch seine antifaschistische Grundhaltung brachte ihn 1933 in Bedrängnis. Deshalb beschränkte sich Koch-Gotha fortan in einer Form der inneren Emigration auf unpolitische Buchillustrationen. Zu den herausragenden Arbeiten dieser Jahre zählen die Zeichnungen für die Gesamtausgabe der Werke Fritz Reuters 1936. Nach dem Verlust seiner Wohnung, seines Ateliers und vieler Arbeiten in Berlin in Konsequenz eines Bombenangriffs ließ er sich in Althagen im Fischland an der Ostsee nieder.

Der Künstler wurde in seiner kriegsbedingten Zuflucht heimisch, war auch hier sehr produktiv und überlebte an der Küste den Krieg. 1947 wurde der Neu-Fischländer, der nun viele Küsten-Themen behandelte, zum Ehrenbürger von Rostock erhoben. Er war nun Mecklenburger und starb am 16. Juni 1956 in hohem Ansehen in Althagen bei Ribnitz-Damgarten.

Anschließend gab es in Schwerin eine umfangreiche Gedächtnisausstellung zu seiner Person. Dazu erschien noch 1956 das ihm gewidmete Buch „Gezeichnetes Leben“ mit einem Foto zu ihm. Inzwischen gilt er als einer der Klassiker der deutschen Karikatur. In Ahrenshoop nahe Althagen gab es vor einigen Jahren eine umfangreiche Ausstellung zu Koch-Gotha.
 

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