Todesmärsche : Suchdienst öffnet Akten für Forschende

Persönliche Gegenstände, die Menschen bei ihrer Einlieferung ins KZ abgenommen wurden
Persönliche Gegenstände, die Menschen bei ihrer Einlieferung ins KZ abgenommen wurden

Archiv stellt jetzt Dokumente über Todesmärsche am Ende des Zweiten Weltkrieges online bereit

svz.de von
26. November 2015, 09:34 Uhr

Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen hat ein neues Online-Archivportal eingerichtet. Es enthält Fotos von persönlichen Gegenständen ehemaliger Häftlinge aus dem KZ Dachau, Neuengamme und der Gestapo Hamburg, Unterlagen des Kindersuchdienstes aus der ersten Nachkriegszeit und die Untersuchungen der Alliierten zu den Todesmärschen der KZ-Häftlinge 1945.

Es ist ein Anfang, ein Bruchteil der mehr als 30 Millionen Akten, die das Archiv des ITS beherbergt. Insgesamt sind hier Informationen über mehr als 17 Millionen Menschen archiviert. Die Sammlung in Bad Arolsen entstand im Rahmen der Suchdiensttätigkeit für Überlebende der NS-Verfolgung, der Hilfe bei der Zusammenführung von Familien und Aufklärung von Schicksalen. Unmittelbar nach Kriegsende unterstützte der ITS insbesondere die sogenannten „Displaced Persons“, von den Nazis nach Deutschland verschleppte Menschen, bei der Rückkehr in deren Heimatländer.

Schon während des Zweiten Weltkrieges, am 9. November 1943, war in Washington von 44 Staaten, darunter den USA, Großbritannien, der Sowjetunion und China, eine internationale Hilfsorganisation für Flüchtlinge, Kriegsgefangene und Verschleppte in von den Alliierten bereits befreiten Gebieten gegründet worden – die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA). Beim Britischen Roten Kreuz in London wurde ein Suchbüro eingerichtet, das Informationen über Zwangsarbeiter und andere Opfer des Naziregimes sammelte. Nach 1945 kamen Akten aus den Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Gefängnissen, Unterlagen der Gestapo wie auch von den Alliierten angelegte Fragebögen hinzu.

Zur Sammlung und Erfassung des Materials wurde 1946 in Bad Arolsen eine spezielle Einrichtung gegründet, die seit 1948 unter der Leitung des International Tracing Service (ITS) steht. Dessen Tätigkeit wird von einem internationalen Ausschuss, dem elf Staaten angehören, beaufsichtigt.

Lange Zeit nur für die Anfragen Betroffener und Angehöriger zuständig, öffnet sich das Archiv seit 2007 für die Forschung. Im Sommer 2014 beschloss die Leitung des ITS die schrittweise Onlinestellung der Akten. Für den Start wurden die genannten drei Bestände ausgewählt. Die im ITS verwalteten Effekten sollen an Angehörige und Nachfahren zurückgegeben werden. Die Unterlagen des Kindersuchdienstes beinhalten Informationen über vermisste und „unbegleitete Kinder“.

Die Dokumente zu den Todesmärschen in Europa enthalten Fragebögen, die nach Kriegsende an Städte und Gemeinden geschickt wurden, um Informationen über den Verlauf der Todesmärsche, Gräber sowie Augenzeugenberichte zusammenzutragen. Eine ergänzende Karte zeigt alle Orte auf, von denen Dokumente vorliegen. Die Suche erfolgt über Ortsnamen bzw. die Landkarte. Auf der Karte von Mecklenburg-Vorpommern sind 24 Orte verzeichnet, darunter Ludwigslust, Wöbbelin, Klütz, Mirow und Wesenberg. Die Recherche ist kostenfrei. In den kommenden Jahren sollen weitere Dokumente über das Portal digitalcollections.its-arolsen.org zugänglich gemacht werden.

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