1918 : Sturm auf den Kemmelberg

Kriegsgräber aus dem Ersten Weltkrieg auf dem Alten Friedhof in Schwerin
Kriegsgräber aus dem Ersten Weltkrieg auf dem Alten Friedhof in Schwerin

Hunderte Mecklenburger starben im letzten Kriegsjahr 1918 bei einer Schlacht in Flandern

svz.de von
12. Mai 2018, 00:00 Uhr

Der deutsche Generalquartiermeister Erich Ludendorff hatte für das Frühjahr 1918 mehrere große Offensiv-Operationen an der Westfront geplant, um noch vor dem Eintreffen amerikanischer Divisionen – die USA war im April 1917 auf Seiten der Alliierten in den Ersten Weltkrieg eingetreten – eine Entscheidung des Krieges zu Gunsten der Mittelmächte zu erzwingen. Vom 21. März bis zum 4. April 1918 währte das „Unternehmen Michael“. Die große Offensive in der Somme-Region konnte zwar einen Durchbruch auf einer Frontbreite von 80 km und einer Tiefe von 65 km erzielen, aber die strategische Entscheidung war nicht gelungen. Wie in den vorangegangen Schlachten der Westfront fielen den Geländegewinnen Hundertausende von Menschen zum Opfer.

Trotz der erheblichen deutschen Verluste wurden die weiteren Offensiv-Operationen wie geplant in Angriff genommen. Der „Georgette-Angriff“ der 6. Armee begann am 9. April 1918 und richtete sich gegen die britische 1. Armee bei Armen-tières in Nordfrankreich. Neben englischen Truppen waren hier auch portugiesische Divisionen im Frontabschnitt eingesetzt, die im Laufe der Kämpfe große Verluste erlitten. Am 10. April begann der Angriff der 10. deutschen Armee, der sich gegen die britische 2. Armee nördlich der Lys richtete und am ersten Tag mit der Einnahme der Stadt Messines endete.

Ein wichtiges Schlüsselgelände dieses Frontabschnittes bildete der Kemmelberg, der jedoch bis zum 19. April durch britische Truppen erfolgreich verteidigt wurde. Während einer Kampfpause vom 19. bis 24. April übernahmen französische Truppen die Front am Kemmelberg. Da die gesteckten Ziele der Georgette-Operation nicht erreicht wurden, sollte wenigstens die Eroberung des Kemmelberges einen deutschen Prestigeerfolg erbringen. Für diesen Angriff, der am 25. April 1918 begann, wurden auch deutsche Elite-Verbände herangeführt, so das deutsche Alpenkorps, dem das mecklenburgische Reserve-Jägerbataillon Nr. 14 angehörte.

In der Geschichte des mecklenburgischen Reserve-Jäger-Bataillons Nr. 14 berichtet Heinrich Feldmann: „Steil ragte das Kemmelmassiv etwa 150 m aus der Flandrischen Ebene hervor und beherrschte nach allen Seiten hin die weite Ebene; es war von den Engländern in jahrelanger Arbeit zu einer wahren Festung ausgebaut worden. Dichtes Buschwerk bedeckte die Hänge, hohe Eichen ragten darüber hinaus und bildeten im Verein mit den Drahtverhauen und Granattrichtern ein undurchdringliches Hindernis.“

In einem 1,5 Kilometer breiten Streifen sollte das Alpenkorps den Kemmelberg stürmen und einnehmen. Die mecklenburgischen Jäger sollten den angreifenden Bataillonen als Reserve folgen. Der deutsche Angriff wurde um drei Uhr mit Gasgranaten der Artillerie eröffnet. Um sieben Uhr begann der Sturm der Infanterie, wobei sich die Angreifer mühsam den Weg durch die gegnerischen Verteidigungsstellungen am Kemmelberg bahnen mussten. Obwohl das mecklenburgische Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 14 nicht unmittelbar in der Angriffslinie stand, waren die Verluste schwer. Der Kemmelberg wurde eingenommen und die französischen Truppen zogen sich zum Rodenberg und Scherpenberg zurück. Weitere deutsche Angriffe, die erst am 29. April 1918 fortgesetzt werden konnten, scheiterten. Am 7. Mai marschierte das Jägerbataillon in sein Ruhequartier in Roubaix. Vier Tage später besuchte der Großherzog von Mecklenburg, Friedrich Franz IV., die Überlebenden dieser opfervollen Tage: Die Verluste des Bataillons betrugen 8 Offiziere und 422 Unteroffiziere und Mannschaften.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen