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Adolf Friedrich zu Mecklenburg : Strapazen im Dienst der Forschung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die zweite große Afrika-Expedition führte Adolf Friedrich zu Mecklenburg 1910/11 vom Kongo zum Nil und Niger

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2016 | 10:38 Uhr

In den Jahren 1907/1908 hatte eine Expedition unter Führung Adolf Friedrichs, Herzog zu Mecklenburg, Afrika bereist. Das Abenteuer lag noch nicht lange zurück, da begannen die Wissenschaftler bereits, eine weitere, wesentlich größere Expedition zu planen – waren doch weite Landstriche des zentralen Afrikas immer noch nicht erforscht. Gerade in den Urwaldgebieten des Kongobeckens war teils noch nie ein Europäer gewesen.

Eine neue Aufgabe stellte sich nun mit der Reise auf dem Ubangi, einem Nebenfluss des Kongos: Entlang des Schariflusses wollten die Expeditionsteilnehmer den Tschadsee erreichen sowie die zentralafrikanischen Gebiete des Nordost-Kongos bis an den Nil erkunden. Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete, darunter Zoologie und Botanik, Völkerkunde und Geographie, packten ihre Reisekisten.

Diesmal begann die Expedition in Kamerun an der Westküste Afrikas. Von hier fuhren die Männer mit dem Schiff in den Kongostrom, um zu Fuß und per Boot den Ubangi zu erreichen. Der Kongo und der Ubangi sind gigantische Flüsse, die zu weiten Teilen an Seenlandschaften von mehreren Kilometern Durchmesser erinnern, dann wiederum wie ein Labyrinth von Urwaldinseln erscheinen. Zwischen diesen Urwaldinseln musste sich der kleine Raddampfer seinen Weg suchen. Hierbei geschah ein Unglück, als während einer Nachtfahrt ausgerechnet der Kapitän über Bord fiel und ertrank.

Immer wieder stoppten die Expeditionsteilnehmer das Schiff, um weite Fußtouren ins Binnenland zu machen. Die Regenzeit hatte eingesetzt, so dass die Urwälder überflutet waren. Herzog Adolf Friedrich und sein Forschertrupp mussten sich so oftmals viele Kilometer bis zur Hüfte im Wasser laufend fortbewegen.

Gefahr kam aber nicht nur aus dem Wasser: Einmal warf ein gewaltiger Sandsturm die Männer um, die eine halbe Stunde lang nach Atemluft ringend am Boden lagen. Sammlungen und Ausrüstungsgegenstände zusammenzuhalten, war bei diesen Unwettern eine Herausforderung. Neben Wind und Wassermassen bereitete den Reisenden die glühende Hitze in der Sahelzone enorme Schwierigkeiten.

Die Dörfer der Einheimischen waren willkommene Ruhepunkte. Oft blieben die Expeditionsteilnehmer hier für längere Zeit, lernten das traditionelle Leben kennen, studierten Sprachen und Gebräuche. Bei der Beschreibung von Festen fanden die Europäer die starke Erotik erwähnenswert, die in den Tänzen zum Ausdruck kam.

Nach mehreren Monaten im Innern Afrikas erreichte die Expedition in Nigeria an der Nigermündung die Küste. Nun konnten die Männer gesammelte Proben nach Deutschland verschiffen, bevor ein weiterer Teil der Expedition den Ubangi entlang weiter nach Norden zog. Durch Dschungel und wilde Savannenlandschaften führte der Weg zum Nil.

Die zentralen Gebiete im Norden und Nordosten des Kongogebiets waren gänzlich anders. Hier lebten die Asande und Mangbetu in den Weiten der Savannen. Die Forscher entdeckten weiße Nashörner, tausende Kilometer entfernt von ihren Verwandten im Süden. In Erstaunen versetzte die Forscher das Dorf Bangassou. Tausende Hütten erstreckten sich in der Savanne. Die Mangbetu hatten die Angewohnheit, die Hinterköpfe von Säuglingen mit Bändern zu umwickeln, sodass die Schädel deformiert wurden und die Köpfe ganz lang gestreckt heranwuchsen. Bei den Asande wiederum trugen die Frauen teils riesige Tonscheiben zwischen den Lippen.

Später drang die Expedition wieder in den Urwald ein. Die Männer hatten bereits von dem legendären Okapi gehört, einer Urwaldgiraffe, die jedoch noch kein Europäer je lebend gesehen hatte. Tatsächlich gelang es einem einheimischen Jäger, ein Okapi zu erlegen. Später kam die Expedition noch in den Besitz eines zweiten Okapis, das dann im Senckenberg-Museum in Frankfurt aufgestellt wurde. Das andere übersandte der Herzog an das Zoologische Museum in Hamburg.

Im gleichen Gebiet trafen die Expeditionsteilnehmer auch mit Pygmäen zusammen, einem kleinwüchsigen Volk, das in den Tiefen des Urwalds lebt. Trotz der Voranmeldung des Besuches der Europäer verschwanden die Waldnomaden aus ihrem Dorf und ließen sich erst nach längerer Zeit zögerlich sehen. Dann gelang es jedoch schnell, das Misstrauen zu zerstreuen und die Forscher konnten an dem Leben der Pygmäen teilnehmen, die in kleinen, halbkugligen Flechtwerken wohnten.

Die Wanderungen durch den Urwald waren für die Europäer beschwerlich. Die gewaltige Größe des Dschungels und die unendliche Einförmigkeit machten Wegstrecken zur Tortur. Erst als der Waldrand abrupt in die Savanne überging, konnten die Männer aufatmen und wieder größere Strecken zurücklegen. Doch auch das waren Strapazen: Viele litten in heißer Sonne unter Ohnmachtsanfällen, Erbrechen, Fieber und Gliederschmerzen; Schwierigkeiten mit den einheimischen Trägern kamen dazu.

Als die Expedition des Herzogs zu Mecklenburg endlich den Weißen Nil erreichte, lag eine gewaltige Strecke durch Afrika hinter ihr. Auf Adolf Friedrich sollte mit dem Gouverneursposten in Togo bald eine neue Aufgabe auf dem schwarzen Kontinent zukommen.

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