Geschichte : Ständiges Auf und Ab bei der herzoglichen Hofkapelle

Die Hofkapelle von Ludwigslust im Jahr 1770. Friedrich der Fromme nutzte sie auf seine Weise. Repro: Martens
Die Hofkapelle von Ludwigslust im Jahr 1770. Friedrich der Fromme nutzte sie auf seine Weise. Repro: Martens

Friedrich der Fromme gab Prunkhofhaltung auf und verlegte Residenz nach Ludwigslust

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26. November 2015, 10:58 Uhr

Mit der Berufung eines Kapellmeisters, die am 17. Juni des Jahres 1563 durch Herzog Johann Albrecht I. erfolgte, begann sich eine herzogliche Musikhofhaltung in Schwerin zu entwickeln. Es war David Köler, der mit einigen Knaben aus Sachsen anreiste, um mit Zöglingen der Schweriner Fürstenschule das Kapellpersonal zu bilden.

Doch schon nach kurzem Aufblühen unter Johann Albrecht I. existierte die Kapelle zwischen mehreren längeren Zeitabschnitten nicht mehr. Letztmalig war es Herzog Carl Leopold, der im August 1714 sämtliche Hofmusiker entließ. Erst sein Nachfolger, sein Bruder Christian Ludwig, der seit 1747 im Amt war, gründete sofort wieder eine Hofkapelle, die schon 1756 einschließlich der Trompeter und Pauker 25 Mitglieder umfasste.

Mit der musikalischen Ausgestaltung der Gottesdienste und den vielfältigen Aufführungen zur Repräsentation und Unterhaltung entsprach dieses Musikleben unter Christian Ludwig den allgemeinen Normen der Hofmusik in damaliger Zeit. Im Juni 1752 erließ Christian Ludwig eine Kapellordnung. Sie regelte in 30 Punkten das pflichtgemäße Betragen der zur Hofkapelle gehörenden Mitglieder.

Schon neun Jahre nach Regierungsantritt verstarb am 30. Mai 1756 Herzog Christian Ludwig. Nach seinem Tod übernahm sein am 9. November 1717 geborener Sohn Friedrich, genannt der Fromme, die Regierungsgeschäfte. Schon gleich danach begann der Siebenjährige Krieg, in den das Land verwickelt wurde und der nach den Worten des Hofkomponisten Johann Wilhelm Hertel der Musik ein „trauriges Stillschweigen“ auferlegte. Während des Krieges hielt sich der Hof abwechselnd in Hamburg, Altona und Lübeck auf.

Nicht nur die kriegsbedingte Unterbrechung beeinflusste das höfische Musikleben. Herzog Friedrich, ein Mann von tiefster Frömmigkeit, verlegte die Residenz in das abgeschiedene Ludwigslust. Er verzichtete auf die prunkvolle Hofhaltung in Schwerin, um an deren Stelle ein neues Programm höfischen Lebens und höfischer Kultur in Ludwigslust zu setzen.

Es wird berichtet, dass Musik unter Herzog Friedrich nicht mehr vorrangig als ein Mittel höfischer Repräsentation und Unterhaltung gesehen wurde, vielmehr sollte die Hofmusik zuallererst im Dienste christlicher Erziehung und religiöser Erbauung stehen. An eine schnelle Umsetzung des Programms Ludwigslust war nicht zu denken. Im Reisebericht des britischen Gelehrten Thomas Nugent vom November 1766 wird veranschaulicht, dass der einzige repräsentative Raum im Alten Schloss ein großer Vorflur war.

Nugent schreibt, dass dieser als Speise- sowie als Kirchensaal genutzte Raum, nach Verlegung der Hofkapelle die Hauptstätte für musikalische Aufführungen in Ludwigslust gewesen sein wird. Die Musiker bekamen vorerst in der benachbarten Kleinstadt Grabow Quartier. Erst ab 1770 wird das Musikwesen in der Residenz Ludwigslust voll greifbar. Eine auf das Jahr 1772 datierte Kreidezeichnung von Hofmaler Georg David Matthieu stellt die Hofkapelle dar. Auf dem Bild sind 26 Personen zu sehen.

Es wird berichtet, dass sich mit Herzog Friedrich dem Frommen ein eigenes, alternatives Programm höfischen Lebens und höfischer Kultur verbindet. Doch im 19. Jahrhundert war das Eigenprofil der Ludwigsluster Hofmusik bereits zunehmend verloren gegangen.

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