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Architekt Friedrich August Stüler : Spurensuche bei Schinkels Erben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor 150 Jahren starb der Architekt Friedrich August Stüler / Zahlreiche repräsentative Bauwerke künden von großer Meisterschaft

Wenn es brannte, wurde Stüler geholt. So wie 1840 bei der Umgestaltung des Schweriner Schlosses. Der junge Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin hatte seinen Hofbaumeister Georg Adolph Demmler mit der Planung beauftragt. Doch die Skizzen gefielen dem Großherzog nicht. Also ließ er sich von Stüler einen neuen Entwurf anfertigen. Mit dem Resultat, dass Demmler schmollte.

Um ihn zu versöhnen, versprach der Großherzog seinem Baumeister, die Pläne Stülers unbesehen an ihn weiterzuleiten. Der findige Demmler studierte sie und arbeitete Stülers Neuerungen fix in die eigenen Pläne ein. Heute würde man so etwas geistigen Diebstahl nennen und zur Anzeige bringen. Damals blieben Konsequenzen aus. Die zwei Architekten jedoch hatten seitdem ein eher spannungsgeladenes Verhältnis.

Umso erstaunlicher ist es, dass Stüler noch einmal einsprang. Weil Friedrich Franz auch mit den zweiten Entwürfen Demmlers nicht zufrieden war, holte er sich 1843 in Berlin bei seinem Onkel König Friedrich Wilhelm VI. Rat. Von „scheußlichen Entwürfen“ soll damals gar die Rede gewesen sein. Wieder überarbeitete Stüler die Bauakten und übernahm 1850 ganz die Bauleitung. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, die von Demmler bereits fertig gebaute Schlossfassade einzureißen und durch eine eigene zu ersetzen. Auch der Architekt Gottfried Semper wurde hinzugezogen, so dass sich heute nur noch schwer sagen lässt, wer beim Schweriner Schloss wofür verantwortlich war.

Das ist bei Stüler, dessen Todestag sich am 18. März dieses Jahres zum 150. Mal jährt, im Übrigen nicht selten so. Allein bei 250 Kirchen soll er als Leiter des Ressorts Kirchenbau der preußischen Zentralbehörde die Finger mit im Spiel gehabt haben. Teilweise veränderte er nur Details, teilweise baute er gleich ein ganz neues Gotteshaus. Das ist vielleicht ein Grund, warum der am 28. Januar des Jahres 1800 als Sohn eines Pfarrers in Mühlhausen (Thüringen) geborene Friedrich August Stüler bis heute im Schatten seines Lehrers Friedrich Schinkel steht. Während der Klassizist Schinkel als genialischer Künstler gilt, der auch mit romantischen Gemälden für Aufsehen sorgte, haftet Stüler immer etwas Beamtenhaftes an. Über die Grenzen der Mark ist er heute kaum noch bekannt.

Dabei muss er sich nicht verstecken, schaut man sich die Liste der von ihm erschaffenen Bauwerke an. In Potsdam schuf er mit der Orangerie im Park von Sanssouci (1851-1864) und dem Belvedere auf dem Pfingstberg (1847-1863) zwei der spektakulärsten Gebäude des Potsdamer Arkadiens überhaupt. Dem Berliner Stadtschloss setzte er die wichtige Kuppel auf, über deren Bedeutung vor kurzem erst wieder gestritten wurde. Gleich nebenan baute er nicht nur das Neue Museum (1843-1855), sondern setzte mit seinen Entwürfen auch den Grundstein für die Alte Nationalgalerie, die jedoch nach seinem Tod erst gebaut wurde. Pfarrer sollte er eigentlich werden, wie der Vater. Doch der junge Stüler zog es vor, nach Berlin zu gehen und an der Bauakademie zu studieren. Er galt als einer der begabtesten Schüler Schinkels. Der lobte die „Elastizität seines Geistes“. Schon mit 24 Jahren gründete Stüler mit seinem Freund Eduard Knoblauch den Berliner Architektenverein. Nach dem Examen 1826 leitete er den Bau von Schinkels Palais des Prinzen Karl und konnte sich dabei seinem Lehrer für größere Aufgaben empfehlen.

Bald war er, gefördert durch seinen Mentor, Mitglied der Schlossbaukommission und unterrichtete selbst als Lehrer an der Bauakademie. Weil sich unter König Friedrich Wilhelm III. die großen Bauaufgaben nicht stellten, nahm er Aufträge von Adligen an, für die er Herrensitze in der Mark baute. 1838 startet sein Umbau der Boitzenburg; 1839 ist Baubeginn in Arendsee.

Nach dem Tod Schinkels 1841 galt Stüler als dessen Erbe und wurde gemeinsam mit Ludwig Persius zum Architekten des Königs berufen. Als der 1845 starb, bekleidete Stüler das Amt alleine. Produktive Jahre sollten nun beginnen, weil der neue König Friedrich Wilhelm IV. als Romantiker auf dem Thron ein Faible fürs Bauen besaß. Er selbst fertigte als fröhlicher Dilettant Pläne an, die seine Baumeister in die Wirklichkeit überführen mussten.

Peter Joseph Lenné als Gartenkünstler und Friedrich August Stüler als Architekt gestalteten die „schöne Mark“ und machten ein Gartenreich daraus mit südländisch heiteren, romantisch patriotischen Landschaftsbildern. Auf seiner ersten Italienreise hatte Stüler sich 1829/30 vom Formenkanon Schinkels gelöst und bevorzugte seitdem den Rundbogenstil. Der kam der in Preußen üblichen Ziegel-Bauweise entgegen. Wenn es sein musste, baute er aber auch gotisch. Gerade so, wie der König es wünschte oder die Gegebenheiten es forderten.

Ob beim Wiederaufbau der Burg Hohenzollern bei Hechingen und des Winterpalais in Sankt Petersburg, dem Neubau der Akademie der Wissenschaften in Budapest, oder beim Umbau des Kurfürstlichen Schlosses in Koblenz: Weit über die Grenzen Preußens hinaus wirkte der Architekt.

Klare Formen sind typisch für seine Gebäude. Bauschmuck konzentrierte er an einzelnen Partien. Während die Fassaden historistisch der Tradition huldigten, durften es im Inneren schon mal moderne Eisengusssäulen sein, so wie er das bei seiner Studienreise in England 1842 kennen gelernt hatte. Eisenguss kam auch bei mancher seiner Dorfkirchen zum Einsatz. Bis heute verzücken sie den Reisenden als Landmarken in Caputh, Fehrbellin, Reitwein, Oderberg oder Werder und zeugen von der Meisterschaft Stülers.

 

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